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Stefan Blankertz
Theodor W. Adorno vs Martin Buber
»Ich und Du« auf dem Prüfstand
Ein Vortrag


Aus der Gestaltkritik 1/2012:

Gestaltkritik - Die Zeitschrift mit Programm aus dem Gestalt-Institut Köln
Gestaltkritik (Internet): ISSN 1615-1712

Themenschwerpunkte:

Gestaltkritik verbindet die Ankündigung unseres aktuellen Veranstaltungs- und Weiterbildungsprogramms mit dem Abdruck von Originalbeiträgen: Texte aus unseren "Werkstätten" und denen unserer Freunde.

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Praxisadressen von Gestalttherapeuten/-innen

  Hier folgt der Abdruck eines Beitrages aus Gestaltkritik 1/2012:

Stefan Blankertz
Theodor W. Adorno
vs Martin Buber
»Ich und Du« auf dem Prüfstand
Ein Vortrag

Stefan Blankertz (Foto: Horst ter Haar, 2010 im GIK)
Stefan Blankertz (Foto: Horst ter Haar, 2010 im GIK)

Vernebelt aber Praxis durchs Opiat der Kollektivität die eigene aktuelle Unmöglichkeit,
so wird sie Ideologie ihrerseits.
Theodor W. Adorno

Erfahrung ist Du-Ferne.
Martin Buber

*

stichworte zur aufklärung

überlegt
unterlegen

abgesprochen
absprechen

die kugel
durch den kopf gehen lassen

Stefan Blankertz

 

Zwei Vorbemerkungen

Erstens. Kritik ist Würdigung. Im Fall von Martin Buber verdanke ich ihm auch biografisch viel. Bubers sozialphilosophisches Buch »Pfade in Utopia« (1), ein im Jahr 1950 veröffentlichtes leidenschaftliches Plädoyer für Anarchismus und gegen Staat, (2) gehört zu den frühesten Einflüssen auf meine intellektuelle Entwicklung und dieser Einfluss reicht weiter zurück als Paul Goodman und die Gestalttherapie. Von »Pfade in Utopia« wird am Rande noch die Rede sein. Adornos Kritik an Buber finde ich wichtig und bedenkenswert, nicht aber so vernichtend, dass danach auf Buber positiv sich zu beziehen als unanständig gelten müsste. Unanständig allerdings ist, in welch verkürzter Weise in ge­stalttherapeutischer Literatur an Buber geknüpft wird. Auch davon werde ich, nebenbei, berichten. Und, wohlgemerkt, ist mein Verhältnis zu Adorno auch nicht unkritisch. (3)

Zweite Vorbemerkung: Erwarte niemand von Adorno für die Praxis verwertbare Hinweise. »Distanz von Praxis ist allen anrüchig«, schrieb Adorno, »in der verabsolutierten Praxis reagiert man [jedoch] nur und darum falsch. Einen Ausweg könnte einzig Denken finden, und zwar eines, dem nicht vorgeschrieben wird, was herauskommen soll«; und: »Praxis ist [zwar] Kraftquelle von Theorie, wird [aber] nicht von ihr empfohlen«. (4)

 

Theodor W. Adorno

Theodor W. Adorno, der Karl Marx und Siegmund Freud verbindende Soziologe und Philosoph einer Ästhetik »nach Auschwitz«, Haupt­vertreter der sogenannten »Frankfurter Schule« und Wegbereiter der heute zu Unrecht, gleichzeitig aber zu Recht gescholtenen 1968er-Revolte, lebte von 1903 bis 1969. Zeitgenossen nach dem zweiten Weltkrieg und Nachgeborenen ist Adorno wesentlich als jüdischer Denker im Bewusstsein. Dies jedoch ist selbst eine Wirkung nationalsozialistischer Rassenlehre, die sich durch die Realität der Richtlinien von Vertreibung und Vernichtung in unseren Köpfen festgesetzt hat. Denn Adorno war zwar der Sohn des jüdischen Weinhändlers Oscar Alexander Wiesengrund, der allerdings zum Protestantismus konvertierte, bevor er seine katholische Frau heiratete, Adornos Mutter Maria Barbara Calvelli-Adorno. Maria Barbara Calvelli-Adorno war eine Sängerin korsisch-italienischer Herkunft. Nach jüdischer Religions­auffassung nun ist Jude, wen eine jüdische Mutter geboren hat; dies stammt noch aus der Zeit, als die Juden dem römischen Reich unterworfen waren. Die Römer hegten bekanntlich die Meinung, dass es über den biologischen Vater niemals Gewissheit geben könne. (5) Zum Namen machte Adorno denjenigen seiner Mutter, während er den Vaternamen in der Emigration auf das »W.« reduzierte: Theodor W. Adorno.Die Eltern ließen ihren Sohn katholisch taufen, er empfing die Erstkommunion, ließ sich jedoch später unter dem intellektuellen Einfluss seines Religionslehrers evangelisch konfirmieren. Ein engeres Verhältnis zum Judentum seiner väterlichen Vor­fahren gewann Adorno erst unter dem Eindruck des Völkermords an den Juden, wohl auch beeinflusst durch seine späte Freundschaft mit dem jüdischen Religionshistoriker Gershom Scholem (1897-1982).

Adorno warnte davor, dass Theorie für den Dienst an Praxis sich vereinnahmen lasse. Wenn die herrschende Praxis festlegt, was gedacht werden darf, wird Theorie die Möglichkeit genommen, die Praxis einer kritischen Analyse zu unterziehen. Aber nur mit kritischer Analyse könnte Theorie der Praxis dienen: Die Idee einer besseren Praxis muss wollen, dass Theorie von Praxis sich lossagt. Trotz all ihrer Unfreiheit sei Theorie, so Adorno, im Unfreien Statthalter der Freiheit. (6) Eine solche kritische Theorie kann nicht wissen, wann und vor allem auf welche Weise sie praktisch wird.

 

Martin Buber

Auch Martin Bubers Judentum, obwohl von der Abstammung her gesehen unzweifelhaft, ist weniger eindeutig, als es zunächst den Anschein hat. Der Religionsphilosoph, der von 1878 bis 1965 gelebt hat,heiratete 1899 die katholische Frau Paula Winkler (1877-1958), die an seiner Arbeit intensiv mitwirkte und unter dem Pseudonym Georg Munk selbst schrieb. 1907 konvertierte sie zum Judentum. Und obwohl Buber Anfang des 20. Jahrhunderts in Wien Theodor Herzl (1860-1904) kennen lernte und sich dessen zionistischer Bewegung anschloss, teilte er mit seinem Freund Gustav Landauer (1870-1919), ebenfalls Jude, Zionist und Anarchist, der nach der Münchner Räterepublik 1919 von einem rechtsradikalen Freikorps-Trupp erschlagen wurde, einen geradezu militanten Mittelalterkult. Noch in seinem Buch »Pfade in Utopia« von 1950 bekräftigte Martin Buber Kropotkins und Landauers verklärende Sicht des Mittelalters als einer Zeit, in der die Menschen durch Geist anstatt durch Gewalt miteinander verbunden gewesen seien; (7) von Judenverfolgung oder der Verfolgung Anders­gläubiger, von den Schrecken des Feudalismus und der Leib­eigenschaft, von der Inquisition (8) und den Kriegen (9) ist nicht die Rede. Wenn ich nicht angefangen hätte, Mittelalterromane zu schreiben und mich im Zuge dessen mit der Sozialgeschichte des Mittelalters auseinanderzusetzen, würde ich das heute noch nachbeten. Nach wie vor sind die Anregungen von Landauer und Buber wichtig für mich, im Mittelalter auch alternative Entwicklungsmöglichkeiten als die auf zentral­staatliche Gewalt hinführenden zu sehen; dennoch ist es inakzeptabel, die negativen und wirklich dunklen Seiten des Mittelalters schlicht zu leugnen. An dieser Leugnung sozialer Realität orientiert sich Adornos Buber-Kritik, denn Leugnung oder Verdrängung von sozialer Realität ist nicht nur das Kennzeichen des Mittelalterverständnisses von Buber, sondern auch seiner Philosophie der Ich-Du-Beziehung.

 

Bubers Schrift-Übersetzung

Es gibt allerdings nur wenig direkte Aussagen von Adorno über Buber, genau genommen zwei, (10) darunter eine, die auf die Kritik eines anderen Autors Bezug nimmt, der sich Adorno anschloss. Dieser Autor war der Soziologe und Filmkritiker Siegfried Kracauer (1889-1966). (11) Direkt nach dem Erscheinen der ersten Folge von Bubers (und Franz Rosenzweigs [1886-1929]) Verdeutschung der Bibel 1926 hatte Kracauer kritisch sich mit deren Sprache auseinandergesetzt. (12) Kracauers Aus­einandersetzung ist so grundlegend für Adornos Buber-Kritik und darüber hinaus für sich genommen so erhellend, dass ich sie hier vorstellen möchte und zwar indem ich den Beginn der Genesis in drei Übersetzungen lese, als erstes Luthers von 1534, dann die heute gängige Einheitsübersetzung und schließlich diejenige von Martin Buber und Franz Rosenzweig.

Luther: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erden und die Erde war wüst und leer und es war finster auf der Tiefe und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.

Einheitsübersetzung: Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde, die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut, und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.

Buber-Rosenzweig: Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Die Erde aber war Irrsal und Wirrsal. Finsternis über Urwirbels Antlitz. Braus Gottes schwingend über dem Antlitz der Wasser.

Luther schrieb subversiv, sagte Siegfried Kracauer, um die Schrift der Interpretationshoheit der kirchlichen Hierarchie zu entreißen. Er bemühte sich in den Grenzen seiner Möglichkeiten um philologische Präzision, aber er nutzte die Sprache des Volkes, damit die Schrift zum Volk sprechen konnte. Sein Grundsatz lautete, nur ja keine »Schloss- und Hofwörter« zu verwenden. Die Einheitsübersetzung kannte Kracauer noch nicht, sondern bezog sich auf damals unternommene Versuche einer historisch korrekten Übersetzung. Diese Versuche historisch korrekter Übersetzungen lesen sich über weite Strecken bürokratisch und uninspiriert. Was ist nun mit der Buber-Rosenzweig-Verdeutschung? Das Programm von Martin Buber und Franz Rosenzweig bestand darin, im Deutschen die Eigenarten des Hebräischen so genau wie möglich nachzubilden. Heraus­gekommen ist nach Kracauer etwas ganz anderes. Die Sprache bedient sich an vielen Stellen höfischer Wendungen, ist also die sprachliche Nach­bildung des Feudalismus, oder sie lehnt sich an altdeutsche Worte an, die eher den Eindruck einer nordischen Sage denn eines jüdischen Religionsdokuments machen. Wie in heutigen Fantasy- oder Mittelalter-Zyklen erfinden sie archaisierende Worte, die den Eindruck von Authentizität erwecken sollen, schließen aber gerade dadurch Authentizität aus. Kracauers Urteil kannte keine Gnade: Die Buber-Rosenzweig’sche Verdeutschung der Schrift sei ohne Aktualität, ideologisch rückwärtsgewandt, ja reaktionär; ob Siegfried Kracauer den Übersetzern nach 1930 noch »völkische Romantik« (13) vorgeworfen hätte, weiß ich nicht. Jedenfalls motivierte Kracauer seine Kritik bewusst als gegen Bubers Philosophie des »Ich und Du« (1923) gerichtet.

 

Die Ich-Du-Beziehung nach Buber

Bubers Essay »Ich und Du« von 1923 in einen solch ausgesprochen religiösen Zusammenhang gestellt zu sehen, mag verwundern angesichts einer Rezeption der »dialogischen« Philosophie Martin Bubers als einer therapeutischen Methode oder Haltung, die Martina Gremmler-Fuhr im »Handbuch der Gestalttherapie« sogar »intentional«, also auf eine Absicht gerichtet nennt. (14) Ja, geht es bei der Ich-Du-Beziehung nicht darum, dass »der Mensch […] am Du zum Ich« werde (S. 28 (15))? Und ist das nicht so zu verstehen, dass der Mensch durch das unverstellte Wahrnehmen des Gegenübers ohne Projektion und durch die Erfahrung einer tragenden Beziehung erst zum Ich wird so wie das Kind durch die Erfahrung in der Beziehung zu der Person, die ihm liebvoll sich hinwendet Nein. Nach Buber ist die Ich-Du-Beziehung nicht nur dem »Gebrauch«, mithin der Zweck­mäßigkeit oder Intentionalität, entgegenzustellen, sondern auch der Erfahrung und der Wahrnehmung (z.B. S. 29 (16) bzw. 36), ja sie ist ausdrücklich dem Zusammenhang von Raum und Zeit enthoben (S. 33). An einer entscheidenden Stelle kennzeichnete Buber die Beziehung des Ich zum Du als »Huld« (S. 33) und stellte diese der Kommunikationsfähigkeit entgegen (17) – »Huld« ist übrigens Beispiel für ein höfisches Wort, das Siegfried Kracauer in Bubers Sprache moniert hat.

Buber umschrieb die technische Aneignung der Umwelt als »die Ausbildung der erfahrenden und gebrauchenden Fähigkeit« (S. 36f) und bedauerte, sie »erfolgt zumeist durch Minderung der Beziehungskraft des Menschen«. Damit bestätigte Buber Siegfried Kracauers Verdacht auf die Rückwärtsgewandtheit dieses Ansatzes, der so besehen eine sprachliche Überhöhung der Klage darstellt, früher sei alles besser gewesen: (18) Technischer Fortschritt wird nach dieser Ansicht durch »Minderung der Beziehungskraft« erkauft; mithin war die Beziehungskraft früher gegeben. Adorno stand nun seinerseits nicht für ungebrochenen Fortschrittglauben. Allerdings widerstritt seine »Dialektik der Aufklärung« der Versuchung, mit der Kritik an der Entfaltung von Naturbeherrschung und sozialer Rationalität eine Idyllisierung der Vergangenheit zu betreiben: Das Ziel der Befreiung, die auch die Befreiung von Angst vor den Naturgewalten einschließt, dürfe nicht geopfert werden, auch und gerade wenn man feststellt, das die Versprechen der Rationalität sich in die Realität von »Barbarei«, (19) also in die Realität des Rückfalls in die Abhängigkeit von Naturgewalt verwandelt haben.

Die Ich-Du-Beziehung ist nach Buber nicht eine Phrase für den Allgemeinplatz, dass der Mensch nur unter anderen Menschen zum Menschen werde, kein Euphemismus für Milieutheorie und Vorstellungen frühkindlicher Sozialisation. Die Buber’sche Ich-Du-Beziehung ist ein Spiegel des Verhältnisses des Menschen zu Gott. »Die Gegenwart des Du schwebt wie der Geist über den Wassern« (S. 46): In dieser Formulierung nutzte Buber ein Versatzstück aus der Genesis und bestimmte das Du damit als Gott. »Die verlängerten Linien der Beziehungen«, leitete er den dritten Teil von »Ich und Du« ein, »schneiden sich im ewigen Du« (S. 71). Neben »ewiges Du« prägte er den Begriff »eingeborenes Du«, womit er an christlichen Sprachgebrauch anknüpfte. Mit »Du« umging er das Problem, Gott einen Namen zu geben: »Ihr ewiges Du haben die Menschen mit vielen Namen angesprochen.« Dies ist der Urquell jüdischen Gottesverständnisses, dass Er nämlich nicht mit einem Namen belegt werden dürfe. Bei Buber wird aus dem Er ein Du. Der Fingerzeig auf die christliche Mystik kommt hier nicht von ungefähr, denn den christlichen Mystikern war Jesus ein Du, das wahre, das ewige, das eingeborene Du, ja der Geliebte, Bräutigam und Gatte. (20)

Wenig später (S. 72) verwandte Buber überdies den christlichen Begriff der »Passion«. Mit diesem Hinweis sei nicht Bubers Judentum bezweifelt, eher dass er nicht deutlich zwischen Christentum und Judentum scheidet. Die Natürlichkeit, (21) mit der Buber beide Gottesvorstellungen einband, ist zwar sympathisch, hat aber angesichts der Tradition von Hass und Verfolgung auch etwas unwahres; sie kann so natürlich nur erscheinen durch Ausblendung der sozialhistorischen Realität.

 

Der »Jargon der Eigentlichkeit« nach Adorno

Adornos Antwort auf Buber zitiere ich nicht wörtlich, denn es handelt sich um eine besonders dichte Passage aus seinem Buch »Jargon der Eigentlichkeit: Zur deutschen Ideologie« von 1964, die sich zum Vortragen nicht eignet. Als »Jargon« geißelte Adorno die Sprachschablonen des Existenzialismus, namentlich diejenigen von Martin Heidegger (1889-1976). Mit »Eigentlichkeit« bezeichnete Adorno die Heidegger unterstellte Geste, auf ein »eigentliches« Sein jenseits der sozialen Realität abzuzielen. (Diese Kritik an der Denkfigur der »Eigentlichkeit« hat übrigens eine große Nähe zur gestalttherapeutischen Skepsis gegenüber der Behauptung, das »eigentliche« Selbst könne jenseits des Kontaktes tief verborgen im Inneren gefunden werden.) Adorno warf Heidegger vor, seine Philosophie abzusperren von der Erfahrung, die sie beseelen sollte (S. 9 (22)); Heidegger täusche dem Sprecher und dem Hörer Leibnähe vor und betreibe einen »Zerfall der Sprache in Worte an sich« (S. 10), lade die einzelnen Worte dagegen emotional so auf, dass sie »klingen, wie wenn sie ein Höheres sagten, als was sie bedeuten« (S. 11); Heideggers Ansatz sei »unberührt von Geschichte« (S. 11) und dies bedeute, »dass [Heidegger] dem Ziel von Unterwerfung sich anbequemt, selbst dort, wo [Heidegger] [dem Ziel der Unterwerfung] zu widerstehen meint« (S. 8). Es sei hier nicht meine Aufgabe, dieses Programm bezogen auf Heidegger zu verifizieren, sondern bezogen auf Martin Buber.

 

Bubers »Ich und Du« auf dem Prüfstand

»Die hinter dem Jargon waltende These von der Ich-Du-Beziehung als dem Ort der Wahrheit«, sagte Adorno, werte die Objektivität der Wahrheit als »dinghaft« moralisch negativ und verfalle damit ins­geheim dem Irrationalismus, denn der Begriff der Wahrheit ist ohne den der Objektivität sinnlos. Buber mache aus der Beziehung etwas gleichsam »Überpsychologisches«; den Anspruch auf einen über­psychologischen Ort könne Beziehung jedoch nur einlösen, wenn dem Inhalt des Kommunizierten Objektivität zugesprochen werden würde. Stattdessen »frisiere« Buber den Begriff des Existenziellen zu einer Haltung schlechthin; diese Haltung binde die Metaphysik – die Frage nach den allgemeinen, nicht mehr erfahrbaren Prinzipien des Seins – an die Beziehung von Ich und Du. Als Beleg kann meines Erachtens folgende Stelle aus »Ich und Du« dienen:

»Die Gottesbegegnung widerfährt dem Menschen nicht, auf dass er sich mit Gott befasse, sondern auf dass er den Sinn an der Welt bewähre. Alle Offenbarung ist Berufung und Sendung. Aber wieder und wieder vollzieht der Mensch statt der Verwirklichung eine Rückbiegung auf den Offenbarenden; [der Mensch] will sich statt mit der Welt mit Gott befassen. Nur steht [dem Menschen] nun, dem Rückgebogenen, kein Du mehr gegenüber, [der Mensch] kann nichts anderes als ein Gottes-Es in die Dinglichkeit einstellen, von Gott als von einem Es zu wissen glauben und von ihm reden« (Ich und Du, S. 111).

Auf diese Weise werde, bemängelte Adorno, Metaphysik an die »Unmittelbarkeit des Lebens überwiesen«, Theologie festgemacht an innerweltliche Bestimmungen, die ihrerseits durch die Erinnerung an Theologie allerdings wieder mehr sein wollen als nur Aussagen über die Welt. Dazu als Beleg folgendes Zitat aus »Ich und Du«:

»Es ist nicht so, dass Gott aus irgend etwas erschlossen werden könnte, etwa aus der Natur als ihr Urheber, oder aus Geschichte als ihr Lenker, oder auch aus dem Subjekt als das Selbst, das sich in ihm denkt. Es ist nicht so, dass irgend etwas anderes ›gegeben‹ und dies erst daraus abgeleitet wäre, sondern dies ist das uns unmittelbar und zunächst und dauernd gegenüber Wesende: das rechtmäßig nur angesprochen, nicht ausgesagt werden kann« (Ich und Du, S. 76f).

Mit dem Festmachen der Theologie an die innerweltliche Ich-Du-Beziehung werde, fuhr Adorno fort, nicht weniger weggezaubert als die Schwelle zwischen Natur und Übernatur. Zwar erhebe Buber vorm Tod »weihevoll« die Augen, seine sprachliche Geste aber sei »vergafft ins Lebendige« (23) und »unterschlage« den Tod. Durch die Unter­schlagung des Todes entferne Buber aus der Theologie den Stachel, (24) ohne den Adorno zufolge Erlösung nicht gedacht werden könne. Nach dem Begriff der Theologie, wie Adorno ihn fasste, ging nichts Natürliches unverwandelt durch den Tod hindurch; (25) in keinem ›von Mensch zu Mensch‹ spiegele sich das Hier-und-Jetzt der Ewigkeit und gewiss in keinem ›von Mensch zu Gott‹, bei dem der Mensch Gott gleichsam auf die Schulter klopfe.

Um Adornos Vorwurf an die Adresse von Buber zu verstehen, dass Buber den Tod »unterschlage«, brauchte ich einige Zeit, denn meine intensive Suche nach einer Belegstelle in »Ich und Du« endete ohne Ergebnis. Erst als ich mit Gaby, meiner katholisch sozialisierten buddhistischen Lebenspartnerin, darüber sprach, realisierte ich, dass Adorno mit dem »Begriff der Theologie« den Begriff der christlichen Theologie meinte: Der Weg zum ewigen Leben führt über den Tod. ›Deinen Tod o Herr verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.‹ Indem Buber die der raum-zeitlichen Erfahrung enthobene, gleichsam reine Ich-Du-Beziehung ins Diesseits verlagerte, unterschlug er, dass eine solche Beziehung – dem Begriff der Theologie nach – nur im Gang durch das Tor des Todes erreicht wird. Allerdings nahm Buber einen anderen Aspekt der christlichen Theologie auf. Sein »Du« zielte auf den Gott, der Mensch geworden ist, nämlich Sohn, und als »Vater« angesprochen werden will: Den Sohn darf man lieben und gewiss auf die Schulter klopfen; diesen Aspekt der christlichen Theologie unterschlug Adorno.

Aus der Bestimmung des Gottes-Verhältnisses in Analogie zur Ich-Du-Beziehung ziehe der Existenzialismus Buber’schen Stils, so Adorno weiter, dass auch spontane Beziehungen zwischen Menschen von »Dinghaftigkeit« freigehalten werden müssten und könnten; damit drehe Buber die traditionelle theologische Herangehensweise um: Traditionell werde das Sein der Welt als (poetisch gesprochen) Abglanz oder als (rational-philosophisch gesprochen) Analogie des göttlichen Seins betrachtet. Buber betrachte das göttliche Wesen als Ausdruck der menschlichen Beziehung. (26)

Das Buber’sche Verhältnis zu Gott sollte allerdings trotz Adornos harscher Kritik nicht mit einer modisch gewordenen »Spiritualität« verwechselt werden, die es der individuellen Gesundheit für zuträglich erklärt, sich religiösen Erfahrungen zu öffnen. Religion als gesundheits­politisch indiziert, das nun ist weder mit Buber noch mit Adorno zu machen.

Was in der ganz praktisch-therapeutisch verkürzten Aufnahme des Buber’schen Gedankens der dem raum-zeitlichen Erfahrungs­kontinuum enthobenen Ich-Du-Beziehung übrig bleibt, ist die Behauptung, man könne sich jederzeit und überall zu einer solch idyllischen Beziehung entscheiden. Man müsse nur wollen. Damit sind wir nicht weit weg von der Psychologie des »Du kannst, was du willst«, als gäbe es keine gesellschaftlichen Bedingungen und Begrenzungen unseres Tuns, Entscheidens und Wollens.

»Die feurige Materie all meines Wollenkönnens unbändig wallend, all das mir Mögliche vorwelthaft kreisend, verschlungen und wie untrennbar, die lockenden Blicke der Potenzen aus allen Enden flackernd, das All als Versuchung, und ich, im Nu geworden, beide Hände ins Feuer, tief hinein, wo die eine sich verbirgt, die mich meint, meine Tat, ergriffen: Nun! Und schon ist die Drohung des Abgrunds gebannt« (S. 50; Achtung: Dem Satz vor dem Doppelpunkt fehlt das Verb).

Diese poetisierenden Formulierungen beschwören mit scheinbarer sprachlicher Gewalt die Impotenz des Geistes in einer Welt, die weniger vom Höllenfeuer oder vom Braus Gottes als von der Herrschaft des Menschen über den Menschen gekennzeichnet ist. Mein Wollenkönnen ist da machtlos und der Abgrund droht weiterhin. Denn die Barbarei operiert in der Es-Welt und lässt sich nicht bannen oder auch bloß einschüchtern durch die Beschwörungsformeln der Ich-Du-Beziehung. Zu der schwülstigen Wortfolge –

»Die feurige Materie all meines Wollenkönnens unbändig wallend, all das mir Mögliche vorwelthaft kreisend, verschlungen und wie untrennbar, die lockenden Blicke der Potenzen aus allen Enden flackernd, das All als Versuchung, und ich, im Nu geworden, beide Hände ins Feuer, tief hinein, wo die eine sich verbirgt, die mich meint, meine Tat, ergriffen: Nun!« –

passt Adornos schmähliches Bild der »Wurlitzer-Orgel des Geistes«, als die er Bubers Philosophie kennzeichnet. Die Wurlitzer-Orgel war gleichsam eine Frühform des Synthesizers, mit der Stummfilme vor Ort musikalisch untermalt wurden. Dem Musiktheoretiker Adorno war die Wurlitzer-Orgel Sinnbild für die kitschige Begrenzung des künstlerischen Ausdrucks auf Begleitmusik eines Ablaufes, der nicht mehr zu ändern ist. Die Behauptung, dass das Wollen allein ausreiche, ist inzwischen von der Weisheit der Existenzphilosophen zum letzten Schrei der Motivationstrainer geworden. Sie ist die Begleitmusik zu einer sozialen Realität, in der der Einzelne nicht kann, was er will, sondern, um Erfolg zu haben oder auch nur um zu überleben, wollen muss, was er soll. Mit »geplanter Ergriffenheit« werde, so Adorno, das letzte Aufbäumen des Individuellen gegen dieses »Opiat der Kollektivität« zur Raison gebracht.

Der Stil von »Ich und Du« kopiert über weite Teile die Struktur sakraler Texte. Die Sätze drücken sich bis auf wenige Ausnahme als grundlose Setzungen aus, die dem Leser zum Glauben vorgelegt werden. Allein, Buber singt kein Lied um Jahr 3000 vor Christus, er schreibt nicht wie die Redakteure der Thora zwischen 900 und 200 Jahren vor Christus; schon der Apostel Paulus ist um einen diskursiven, begründeten Text bemüht, mehr noch die christlichen Kirchenväter. Die Hochzeit der jüdischen Philosophie wird von Maimonides (1135-1204) im 12. Jahrhundert begründet, der in der Thora die Wahrheit der rationalen, sprich aristotelischen Erkenntnislehre bildlich verschlüsselt dargestellt fand. Und selbst Meister Eckhart, von dessen Mystik viel in »Ich und Du« steckt, (27) hat sich selbst als rationaler Philosoph in der Nachfolge des großen Scholastikers und Kirchenlehrers Thomas von Aquin (1224-1274) gesehen. Auch hier: Buber ist rückwärtsgewandt und bleibt hinter den historisch erreichten Möglichkeiten der Sprache zurück. Damit verwirft er eine wesentliche Dimension des Dialogs.

 

Anmerkungen

(1) Dass dieses Hauptwerk von Martin Buber nicht mehr lieferbar ist, empfinde ich als einen Skandal.

(2) Darum ist es bestenfalls Gedankenlosigkeit, dass die Martin-Buber-Plakette u.a. an Helmut Schmidt ging (2002).

(3) Der Marxismus von Adorno bleibt meines Erachtens, wiewohl er einen organischen Bestandteil seiner Theorie bildet, ein Fremdkörper und der Tatsache geschuldet, dass Adorno nicht nur keine Ahnung von Ökonomie hatte, sondern leider auch niemals an deren Theorie auch nur einen Gedanken verschwendet hat. – Formulierungen wie »Opiat der Kollektivität« sind schlicht antimarxistisch.

(4) Theodor W. Adorno, Resignation (1969), in: ders., Kritik, Frankfurt/M. 1971, S. 147/147. | Theodor W. Adorno, Marginalien zu Theorie und Praxis, in: ders., Stichworte, Frankfurt/M. 1969, S. 191.

(5) Für das römische Recht war es darum wichtig, Personen eindeutig der jüdischen Religionsgemeinschaft zuordnen zu können, weil Juden das Privileg besaßen, die Staatsgötter und den Kaiser nicht verehren zu müssen. Dieses Privileg sollte allerdings strikt auf den jüdischen Bevölkerungsteil begrenzt bleiben.

(6) Theodor W. Adorno, Marginalien zu Theorie und Praxis (1969), a.a.O. (Anm. 4), S. 173.

(7) »Kropotkin [hat] annähernd [!?] recht, wenn er die Entstehung des modernen zentralistischen Staates […] erst vom 16. Jahrhundert an datiert, als von der Zeit, in der ›die Niederlage aller freien Verträge: der Dorfgemeinschaften, der Gesellenbünde, der Brüderschaften, der Eidgenossenschafen des Mittelalters‹ vollendet wurde. | ›Eine Stufe großer Kultur kommt da zustande, wo die Einheit der Mannigfaltigkeit der Organisationsformen und überindividuellen Gebilde nicht ein äußeres Band der Gewalt ist, sondern ein in den Individuen wohnender, über die irdisch-materiellen Interessen hinaus weisender Geist‹ [Landauer]. Als Beispiel führt Landauer das christliche Mittelalter an (in der Tat in der Geschichte des Abendlandes die einzige Epoche, die sich in dieser Hinsicht mit den großen Kulturen des Orients vergleichen lässt).« Martin Buber, Pfade in Utopia [1950], zit. n. Heidelberg 1985, S. 80 |103. Mit den formulierten Grundsätzen sympathisiere ich nach wie vor. Die sozialhistorische Ahnungslosigkeit von Buber ist allerdings himmelschreiend.

(8) Die bekannte Große Inquisition, die sich gegen Protestanten richtete, war nun in der Tat post-mittelalterlich. Dennoch gab es die im Nachhinein sogenannte Kleine Inquisition u.a. gegen die Katharer ab dem 13. Jahrhundert, die ebenfalls blutig war.

(9) Die Vorstellung, dass die mittelalterlichen Kriege immer nur sich zwischen den Profis, den Rittern, abspielten, ist nur tendenziell richtig und gilt keinesfalls durchgehend. Oft wurde auch die Bevölkerung in Mitleidenschaft gezogen.

(10) Theodor W. Adorno, Jargon der Eigentlichkeit: Zur deutschen Ideologie, Frankfurt/M. 1964, S. 17ff. | Theodor W. Adorno, Der wunderliche Realist: Über Siegfried Kracauer (1964), in: ders., Noten zur Literatur, Frankfurt/M.2003, S. 388ff.

(11) »Gegen Martin Buber, in dem ihm [Kracauer] der Existentialismus leibhaftig entgegentrat, richtete er eine ebenfalls im ›Ornament‹ neu aufgelegte, höchst lesenswerte Polemik, in der er das restaurative Wesen der Bibelübersetzung identifizierte, eines Prototyps für den Jargon der Eigentlichkeit von heutzutage. Die Polemik wird getragen von der Einsicht, dass Theologie nicht sich wiederherstellen lässt aus dem bloßen Willen, weil es gut wäre, eine zu haben; das kettete Theologie selber an das Innermenschliche, jenseits dessen sie sich behauptet«, Theodor W. Adorno, Noten zur Literatur (Anm. 9), S. 396f.

(12) Siegfried Kracauer, Die Bibel auf Deutsch (1926), in: ders., Das Ornament der Masse, Frankfurt/M. 1977, S. 173ff. | Die Verdeutschung der Bibel ist komplett erschienen z.B. Heidelberg 1976.

(13) Siegfried Kracauer, a.a.O. (Anm. 11), S. 182.

(14) Martina Gremmler-Fuhr, Dialogische Beziehung in der Gestalttherapie, in: Reinhard Fuhr u.a. (Hg.), Handbuch der Gestalttherapie, Göttingen 2001, S. 393ff.

(15) Zitiert nach der Ausgabe Stuttgart 1995.

(16) An einer anderen Stelle (S. 111) wird allerdings von einer »unmittelbar« zu lebenden Wahrnehmung positiv gesprochen.

(17) »Über sie [die Gegenseitigkeit] kannst du dich mit andern nicht verständigen, du bist einsam mit ihr; aber sie lehrt dich andern zu begegnen und ihrer Begegnung standzuhalten; und sie führt dich, durch die Huld ihrer Ankünfte und durch die Wehmut ihrer Abschiede, zu dem Du hin, in dem die Linien der Beziehungen, die parallelen, sich schneiden. Sie hilft dir nicht, dich im Leben zu erhalten, hilft dir nur, die Ewigkeit zu ahnen« (S. 33).

(18) Wohlgemerkt hatte auch Paul Goodman Tendenzen, in diese Richtung zu argumentieren; allerdings nie so universalisiert.

(19) Das Wort setze ich in Anführungszeichen eingedenk von Peter Kropotkins Einwurf, die Barbaren seien weit weniger »barbarisch« gewesen als viele ihrer zivilisierten Kritiker. Adorno übernahm den Begriff leider gedankenlos.

(20) Damit bekommt auch der eheberaterische Einschub S. 43f seinen pseudo-religiösen Sinn.

(21) Vgl. auch den Verweis auf Jesus, S. 15, und die Diskussion des Johannesevangeliums, S. 81.

(22) Theodor W. Adorno, Jargon der Eigentlichkeit, zitiert nach a.a.O. (Anm. 9).

(23) Diese Formulierung könnte man, wenn meine Interpretation im folgenden Abschnitt richtig ist und wenn man von der auferstehungslosen sadduzäischen Theologie ausgeht, als antisemitisch geißeln.

(24) Formulierung in Anlehnung an Händels »Messias« (dies wiederum ein Zitat aus 1. Kor. 15,57). »Tod, wo ist dein Stachel?«

(25) Ebenfalls »Messias«: »Sie schallt, die Posaun’, und die Toten erstehn unverweslich, und wir werden verwandelt.« (Nach 1. Kor. 15,52.)

(26) Die Passage im Wortlaut: »Die hinter dem Jargon waltende These von der Ich-Du-Beziehung als dem Ort der Wahrheit schwärzt deren Objektivität als dinghaft an und wärmt insgeheim den Irrationalismus auf. Als solche Beziehung wird Kommunikation zu jenem Überpsychologischen, das sie einzig durchs Moment der Objektivität des Kommunizierten wäre; am Ende Dummheit zum Stifter der Metaphysik. Seitdem Martin Buber den Kierkegaardschen Begriff des Existenziellen von dessen Christologie abspaltete und zu einer Haltung schlechthin frisierte, herrscht die Neigung, den metaphysischen Gehalt vorzustellen als an die sogenannte Beziehung von Ich und Du gebunden. Er wird an die Unmittelbarkeit des Lebens überwiesen, Theologie festgemacht an Bestimmungen der Immanenz, die ihrerseits wieder durch Erinnerung an Theologie mehr sein wollen, virtuell schon wie die Worte des Jargons. | Nicht weniger wird dabei fortgezaubert als die Schwelle von Natur und Übernatur. Weihevoll erheben bescheidenere Eigentliche vorm Tod die Augen, aber ihr geistiges Benehmen, vergafft ins Lebendige, unterschlägt ihn. Aus Theologie wird der Stachel entfernt, ohne den Erlösung nicht gedacht werden konnte. Nach deren Begriff ging nichts Natürliches unverwandelt durch den Tod hindurch, kein Von Mensch zu Mensch ist jetzt und hier die Ewigkeit und gewiss kein Von Mensch zu Gott, das diesem gleichsam auf die Schulter klopft. Der Existentialismus Buberschen Stils zieht daraus, dass spontane Beziehungen zwischen Menschen nicht auf dinghafte Pole zu bringen sind, in umgekehrter analogia entis seine Transzendenz. Er bleibt die Lebensphilosophie, aus der er geistesgeschichtlich hervorging und der er absagte: überhöht die Dynamik des Sterblichen in das unsterbliche Teil. So wird Transzendenz menschlich näher gebracht. Vollends im Jargon: er ist die Wurlitzer-Orgel des Geistes. In ihm muss jene auf Band eingesprochene und nach Bedarf abzuspulende Predigt aus Huxleys Brave New World verfasst sein, die mit hoher sozialpsychologischer Wahrscheinlichkeit aufrührerische Massen, falls sie je noch einmal sich zusammenrotten sollten, durch eingeplante Ergriffenheit zur Raison bringt.« Theodor W. Adorno, Jargon der Eigentlichkeit, a.a.O. (Anm. 9). Meine Paraphrase erhebt nicht den Anspruch, alle Aspekte dieser verdichteten Passage wiederzugeben.

(27) In der Zeit, in welcher Buber »Ich und Du« schrieb, gab er die Eckhart-Übersetzungen von Gustav Landauer heraus.

Praxisadressen von Gestalttherapeuten/-innen

Stefan Blankertz (Foto: Horst ter Haar, 2010 im GIK)
Stefan Blankertz (Foto: Horst ter Haar, 2010 im GIK)

Stefan Blankertz ist Sozialwissenschaftler und Schriftsteller (www.stefanblankertz.de). Er arbeitet als Theorietrainer am »Gestalt-Institut Köln (GIK)«. In enger Zusammenarbeit mit dem GIK hat er das computergestützte, auf der Gestalttherapie basierende Diagnose-Instrument »Gestalttypen-Indikator GTI« (www.gti-coaching.de) entwickelt. Mit Erhard Doubrawa verfasste er das »Lexikon der Gestalttherapie«, das ebenfalls in der Edition GIK im Peter Hammer Verlag erschienen ist.

Weitere Buchveröffentlichungen in der Edition GIK: »Gestalt Begreifen. Ein Arbeitsbuch zur Gestalttherapie-Theorie« (entstanden im Rahmen von Stefan Blankertz' Lehrtätigkeit am Gestalt-Institut Köln GIK), »Wenn der Chef das Problem ist. Ein Ratgeber«, »Meister Eckhart: Heilende Texte (kommentiert auf dem Hintergrund der Gestalttherapie), »Die Therapie der Gesellschaft«, sowie - gemeinsam mit Erhard Doubrawa - »Einladung zur Gestalttherapie. Eine Einführung mit Beispielen«.

Sein neuestes Buch: »Verteidigung der Aggression. Gestalttherapie als Praxis der Befreiung«.

Bitte beachten Sie auch die zahlreichen Beiträge des Autors in unserer Zeitschrift "Gestaltkritik" (alle Texte in voller Länge online).

Der obige Vortrag wurde von Stefan Blankertz im Rahmen der Gestaltkritik-Jahrestagung 2011 (9. – 10. 9. 2011) gehalten.

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