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Hunter Beaumont
Gestalttherapie mit Paaren
Selbst-Organisation und Dialog (1)


Aus der Gestaltkritik 1/2011:

Gestaltkritik - Die Zeitschrift mit Programm aus dem Gestalt-Institut Köln
Gestaltkritik (Internet): ISSN 1615-1712

Themenschwerpunkte:

Gestaltkritik verbindet die Ankündigung unseres aktuellen Veranstaltungs- und Weiterbildungsprogramms mit dem Abdruck von Originalbeiträgen: Texte aus unseren "Werkstätten" und denen unserer Freunde.

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Praxisadressen von Gestalttherapeuten/-innen

  Hier folgt der Abdruck eines Beitrages aus Gestaltkritik 1/2011:

Hunter Beaumont
Gestalttherapie mit Paaren
Selbst-Organisation und Dialog

Hunter Beaumont, Foto: © Achim Bunz
Hunter Beaumont, Foto: © Achim Bunz

Wenn ich an Gestalttherapie mit Paaren denke, fallen mir Menschen ein, mit denen ich gearbeitet habe. Ich sehe ihre Gesichter und höre ihre Stimmen. Die meisten von ihnen sind gute Menschen – aufrichtig, liebesfähig, hoffnungsvoll und bereit, hart zu arbeiten. Sie kommen in die Therapie, weil sie in einem Kreislauf von enttäuschten Hoffnungen oder von Verletzung und Wut gefangen sind und weil sie wissen, dass sie trotz guter Absichten dabei sind, ihre Liebe zu zerstören.

Ich habe immer versucht zu verstehen, was diese Menschen durchmachen, nicht erst als ich die Entscheidung traf, Therapeut zu werden, sondern auch als Heranwachsender, der mit seinem eigenen Leben zurechtkommen mußte. Ich vermute, dass bei den Menschen, die ich beschreiben werde, in einer psychoanalytisch orientierten Psychotherapie Charakterstörungen oder wahrscheinlich sogar Selbststörungen diagnostiziert werden würden. In gestalttherapeutischen Begriffen ausgedrückt handelt es sich um Menschen, die zwar vielfach durchaus kontaktfähig sind, aber in gewissen Stresssituationen oder intimen Momenten auch anfällig für den plötzlichen und heftigen Zusammenbruch ihrer Kontaktfunktion sind. Die Kombination aus diesen Kontaktunterbrechungen und ihrer tiefen Sehnsucht nach Besserung macht ihre Therapie und ihre Beziehungen schwierig, was dazu führen kann, dass sowohl die Partner als auch die Therapeuten den Mut verlieren.

Anstatt hier einzelne Kontaktvordergründe zu analysieren, werde ich zu zeigen versuchen, dass die therapeutische Arbeit mit diesen Paaren es erfordert, auf ein bestimmtes »Selbstgefühl« (Stern, 1985) zu achten, das der Erfahrung eine zeitliche und kontextübergreifende Kontinuität verleiht. (Dies entspricht auch Wheelers Forderung [1993], dem strukturierten Hintergrund mehr Aufmerksamkeit zu schenken.) Um dieses spezielle Selbstgefühl begrifflich zu erfassen, können wir uns vorstellen, dass es aus einem Prozeß der holistischen und systemischen oder »organismischen« Selbst-Organisation hervorgeht.(2) Martin Bubers Philosophie des »Ich-Du« eröffnet uns eine außerordentlich reiche und anschauliche Sprachwelt, um die Phänomenologie dieses Selbstgefühls zu verstehen. Ihre Tiefe und existentielle Bandbreite sind ein Gegengift für die lässigen Deflektionen einiger liebes-phobischen Gestalttherapeuten. Bubers Fokus liegt nicht auf der Pathologie, sondern auf den universellen Strukturen der Beziehung, auf den Formen, die das Feld des »Dazwischen« organisieren, das Menschen trennt und verbindet. So betrachtet, gewinnen die Paare, die ich beschreiben werde, an Würde und Größe. Ihre manchmal trivialen Streitereien sind die Stimmen der menschlichen Seele, die um ihre eigene Erfüllung kämpft. Auch wenn Bubers Bedeutung für die Gestalttherapie grundsätzlich anerkannt wird, ist die theoretische Beziehung zwischen seinem »Ich-Du« und einigen Gestaltkonzepten wie dem der fruchtbaren Leere, der organismischen Selbstregulation oder des Kontakts noch nicht eingehend untersucht worden (vgl. Jacobs, 1989; Hycner, 1985, 1990, wo einige erste Versuche gemacht werden. Ich bin sicher, dass beide mit mir darin übereinstimmen, dass hier noch viel Arbeit vor uns liegt).

Bei dem Versuch, ein theoretisches Verständnis dieser Paarbeziehungen zu entwickeln, habe ich auf Paul Goodmans kontextuelle Methode zurückgegriffen (Perls, Hefferline & Goodman, 1991, Praxis, S. 228ff), indem ich verschiedene Sichtweisen im Feld zusammengebracht, ihre Unstimmigkeit ertragen und darauf vertraut habe, dass eine neue, prägnante Gestalt auftauchen würde. Es ist ein bisschen so, wie wenn man Suppe kocht: am Anfang schwimmt das Gemüse zusammen mit dem Hühnerfleisch im Topf herum. Mit etwas Geschick, guten Gewürzen und genügend Hitze kann daraus eine köstliche Suppe werden. Jedes neue Gewürz, das ich in den Topf gebe, verändert die Suppe, läßt mich etwas Neues erkennen, verändert den Geschmack alter Überzeugungen, ändert meine Sichtweise und meine Interaktion mit den Klienten. Weil sie anders »gesehen« werden, reagieren sie anders, als wenn sie mich zu einem anderen Zeitpunkt kennengelernt hätten. Indem ich die Subjektivität der Erfahrung und ihre Einbindung in den hermeneutischen Zirkel akzeptiere, verzichte ich auf den Anspruch, objektiv zu sein. Ich behaupte nicht, dass die Dinge so sind, wie ich sie beschreibe, sondern nur, dass man sie auf diese Weise sehen kann. Ich hoffe, dass die Perspektive, die ich hier zu beschreiben versuchen werde, auch anderen zugute kommt, die sich mit solchen Prozessen – sei es bei ihren Klienten oder in ihrem eigenen Leben – auseinandersetzen.

 

Die Phänomenologie dieser Beziehungssysteme

Wenn auch schwierig zu meistern, ist doch die psychotherapeutische Phänomenologie, also die an der Erfahrung des Klienten orientierte Arbeit, einer der schönsten Aspekte der Gestalttherapie. Zum einen ändert sich die Phänomenologie des Klienten sowohl von einem Augenblick zum nächsten als auch über den gesamten Therapieprozeß hinweg. Zum anderen fungieren die impliziten theoretischen Annahmen und Überzeugungen des Therapeuten (im hermeneutischen Zirkel) als Objektiv oder als Linse und verändern seine Wahrnehmung der Phänomenologie des Klienten. Durch meine persönliche gestalttherapeutische Linse betrachtet, ergeben sich drei Aspekte dieser Paar-Phänomenologie: Der Verlust des Selbst, der Wunsch nach dem selbst-organisierenden Selbst und der Verrat am Selbst.(3)

 

Der Verlust des Selbst

Die meisten Paare kennen Zeiten, in denen ihre Beziehung gut läuft. Wenn der Therapeut sich aber die Klagen der Paare anhört und auf die Prozess-Phänomenologie achtet, dann hört er auch Beschreibungen von extremen Kontaktunterbrechungen, von Zeiten, in denen die Kommunikation fehlschlägt und die Partner sich verletzende und zerstörerische Dinge sagen und antun, Zeiten heftigster Auseinandersetzung und kalten Rückzugs. Normalerweise bezeichnen die Paare solche Zeiten als »Kämpfe«. Nathan Schwartz-Salant (1982) nennt sie »emotionale Gewitter«; Johnson (1984) geht noch weiter und spricht von Minipsychosen. Meistens verletzen die Partner sich gegenseitig, indem sie Dinge wiederholen, die beide auswendig kennen, wie zwei Schauspieler, die zum tausendsten Mal mit demselben Varietéprogramm auf der Bühne stehen. Die Kämpfe bringen keine neue Klärung und keine neuen Einsichten mit sich, sondern nur die gewohnte Zerstörung. Während dieser Kämpfe haben die Partner keinen guten Kontakt zueinander. Der eine rastet aus, während der andere hilflos und stumm auf den Boden starrt und sich fragt, was er sagen soll oder wie lange er das noch ertragen muss. Ihre Sprache und ihr Denken sind befremdlich unverbunden. (Am nächsten Tag fallen ihnen dann eine Menge wunderbarer Dinge ein, die sie hätten sagen können.) Oder sie schreien sich gegenseitig wütend an und sagen im Brustton der Überzeugung Dinge, von denen sie zu anderen Zeiten wissen, dass sie nicht wahr sind. Es fallen Versprechen und Drohungen, die eigentlich lächerlich übertrieben erscheinen, Racheschwüre und Androhungen, sich zu trennen und den anderen zu verlassen. Und manchmal kann es zu Gewalt kommen, wenn einer die Kontrolle verliert und die Frustration sich körperlich ausdrückt.

Obwohl sie diese Kämpfe schon hundertmal durchgefochten und sich wieder verziehen haben, stirbt mit jedem Kampf ein kleines Stück der Beziehung, und das Verzeihen verändert sich, wird vorsichtig und zurückhaltend und bekommt eine Färbung von Misstrauen und Angst; die Narben werden größer und sichtbarer. Häufig trauen sie sich kaum noch, miteinander zu reden und haben Angst, dass ein Wort, eine Geste oder ein Tonfall wieder eine solche Situation, einen Kampf auslösen könnte, der nur zerstört und nichts zum Besseren wendet. Häufig haben sie sich voneinander und vom Leben zurückgezogen, und viele sind noch zusätzlich verletzt worden als ihre Therapeuten sie ermutigt haben, »diese Gefühle rauszulassen«, weil sie diese Gefühle fälschlicherweise für »echt« hielten oder dachten, der Ausdruck solcher Gefühle würde den Gestaltzyklus wieder in Gang bringen und zu einer Lösung führen.

(Aus der hier eingenommenen Perspektive betrachtet, sind solche Gefühle das Ergebnis einer Kontaktstörung und daher in einem absoluten Sinne »unwirklich«, auch wenn sie für die betreffende Person tatsächlich spürbar sind. Solche Gefühle haben immer mit unerledigten Situationen der Vergangenheit zu tun und entstehen nicht primär aus der Partnerschaft. Daher kann das »Rauslassen« der Gefühle zu einer emotionalen Katharsis bei einem der Partner führen, gewöhnlich geschieht das auf Kosten des anderen, aber es fördert nicht die Kommunikation innerhalb der Beziehung, sondern hat häufig eher Missbrauchscharakter und verwechselt den Partner mit anderen Personen aus der Vergangenheit. Im Gegensatz zur kontaktvollen Wut, die zu konstruktiver Kommunikation und Schließung führen kann, oder dem ka­thartischen Ausdruck von Wut in der Einzeltherapie, die den einzelnen darin unterstützen kann, sich lange unterdrückte Verhaltensweisen wieder zugänglich zu machen und mit offenen Situationen der Vergangenheit abzuschließen, führt der Ausdruck solcher Gefühle in der Paartherapie zu Verletzung und zerstört die Liebe. In der Arbeit mit Paaren ist meine Überzeugung von der zerstörerischen Wirkung einer kontaktlosen Emotionalität, die mit einer fragilen Selbst-Organisation einhergeht, so stark geworden, dass ich normalerweise interveniere, um sie zu stoppen.)

Wenn man eine dieser Episoden erlebt hat oder in der Lage ist, den Beschreibungen der Klienten phänomenologisch zu folgen, dann weiß man von innen her, wie diese Zeiten sich »anfühlen«. Eine Frau beschrieb ihr Erleben:

Mir ist, als ob ich auseinanderbreche. Etwas in mir verschließt sich, etwas in meinem Körper, in der Nähe des Herzens oder des Solar Plexus. Sobald das passiert weiß ich, dass alles aus ist. Ich weiß, dass ich [meinen Mann] niemals erreichen kann. Etwas geschieht mit meinen Augen, und ich kann ihn nicht mehr ansehen. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich will nur, dass er weggeht, dass er mich alleine läßt, bis ich mich wieder gefangen habe. Manchmal redet er einfach auf mich ein, bohrt nach und fragt mich aus bis ich explodiere und irgend etwas Schlimmes sage, damit er aufhört. In diesen Momenten hasse ich ihn richtig und vergesse, dass wir auch gute Zeiten miteinander hatten.

Ihr Mann berichtete von seiner Erfahrung:

»[Meine Frau] kann so hart sein. Ich möchte ihr nah sein, vielleicht mit ihr schlafen, und sie sagt irgend etwas verletzendes oder interessiert sich gerade für etwas anderes, oder sie ignoriert mich einfach. Das verletzt mich und macht mich wütend, weil ich denke, dass sie das extra macht, um mir wehzutun. Für andere und für die Kinder kann sie da sein, aber wenn ich etwas brauche, stößt sie mich weg. Ich versuche ihr zu sagen, wie es mir geht, manchmal werde ich sauer. Manchmal verletze ich ihre Gefühle, und dann weint oder explodiert sie und macht Dinge kaputt. In solchen Momenten fühle ich mich so fremd, so weit weg und kalt. Mein Gefühl trocknet aus, und ich weiß, wie grausam ich sein kann.«

Sie betrachten diese Zeiten als Episoden, in denen »ich nicht mehr ich selbst bin.« Das ist der Verlust des Selbst. Das »Ich« ist in diesen Zeiten ein anderes als das normale »Ich«, und ein Verhalten, das in solchen Zeiten völlig gerechtfertigt erscheint, kann später schwer zu ertragen sein. Ein Mann berichtete, das sei, »als wäre ich von einem Dämon besessen, der mich dazu bringt, Dinge zu tun, die ich gar nicht will. Später, wenn der Sturm sich gelegt hat, schäme ich mich angesichts dessen, was ich kaputtgemacht habe, als ob ich mich selbst verraten hätte – wie Dr. Jekyll, nachdem Mr. Hyde verschwunden war.« Der folgende Bericht über den Verlust des Selbst ist besonders interessant, weil er in der ersten Therapiesitzung von einer Frau vorgetragen wurde, die keinerlei Therapieerfahrung mitbrachte. Mit dem Wechsel des »Ichs« dieser Frau verändert sich auch die von ihr wahrgenommene Welt, und sie und ihr Mann wissen nicht mehr, was am jeweils anderen gut ist. Der Verlust des Selbst ist auch der Verlust des »anderen«.

Ich kann es nicht haben, wenn mein Mann mir nicht traut. Es verletzt mich zu sehr. Etwas in mir stirbt. Es ist so bedrohlich, als müsste ich um mein Leben kämpfen. Ich werde zur Ratte, eine New Yorker Kanalratte, oder zu einem dieser Alligatoren, die manche Leute in New York durchs Klo spülen und die in den Abwasserkanälen leben. Ich beiße und kratze. Ich bin ein wildes Tier. Aber ich kämpfe um mein Leben. Es verletzt mein Herz so sehr, wenn er mir nicht traut.

Wir können einfach feststellen, dass solche Identitätswechsel subjektiv als Frage von Leben und Tod erlebt werden. Es ist eine Quelle großer Scham für diese Paare, dass sie für plötzliche Veränderungen in der Qualität ihres Kontaktes so anfällig sind, dass sehr kleine »Auslöser« solche dramatischen Auswirkungen auf ihr Selbstgefühl haben können. Ein Wort, ein bestimmter Blick oder ein Tonfall reichen oft schon aus, um eine dieser Reaktionen auszulösen, Reaktionen von einem Ausmaß, dass weit über das hinausgeht, was der Ursache angemessen wäre.

Ein Therapeut, der die Kunst der phänomenologischen Rekonstruktion oder der reinen Sprache (Grove & Panzer, 1991) beherrscht, kann dem Paar helfen, bei seiner Phänomenologie zu »bleiben« und die Partner unterstützen, die Erfahrungen, die sie so sehr zu vermeiden versuchen, wirklich zu berücksichtigen. Wenn sie die Technik des Gewahrseins im mittleren Modus (also der phänomenologischen Rekonstruktion) beherrschen, gelingt es ihnen im Laufe der Therapie häufig, in die Erfahrung des Selbstverlustes einzutreten. Sie beschreiben heftige Erfahrungen von Konfusion und innerer Leere, von tiefer Einsamkeit, dem Abgrund oder einem riesigen Strudel von kreisender Schwärze und Dunkelheit, in den sie fallen könnten (Almaas, 1986; Beaumont, 1988a, 1988b). In der existentialphilosophischen und phänomenologischen Literatur (Spinelli, 1989) ist das phänomenologisch als Todesangst, Einsamkeit, Ekel und existentielle Unsicherheit behandelt worden. In der Sprache, die wir hier gebrauchen, ist es der Verlust des Selbst. Fritz Perls bezeichnete es als die »fruchtbare Leere« (Perls 1985).

Ein Großteil der existentialistischen Literatur, die für sich beansprucht, die Phänomenologie dieses Nichts zu untersuchen, ist in Wirklichkeit eine Untersuchung der Phänomenologie der Verweigerung dieser Erfahrung. Immer wieder entdecken Klienten, die lernen, mit dem Gewahrsein des mittleren Modus in ihre eigene Verwirrung einzutreten, dass die Phänomenologie sich verändert. Ein Beispiel ist die Erfahrung eines vierzehnjährigen Klienten, der unter wiederholten Alpträumen litt, in denen er von einem Wolf gejagt wurde. Eines nachts dachte er während des Traumes: »Ich träume. Der Wolf ist in meinem Traum. In meinem Traum kann er mir überhaupt nichts tun, selbst wenn er mich fressen wollen sollte.« Mit diesem Gedanken wandte er sich im Traum dem Wolf zu, der sich daraufhin in einen inneren Führer verwandelte, der dem Jungen bei der Bewältigung seiner Schwierigkeiten wertvolle Dienste erwies. Dieses Phänomen wird vielen Gestalttherapeuten bekannt sein.

 

Der Wunsch nach dem selbst-organisierenden Selbst

Ein Hauptaspekt der Phänomenologie von Klienten ist der Verlust des Selbst, ein anderer ist das starke Verlangen nach einem selbst-organisierenden Selbst. Zu Beginn der Therapie sind viele Klienten nicht in der Lage, klare und umfassende Aussagen über ihre Wünsche und Bedürfnisse zu machen. Sie sagen Dinge wie »Ich möchte einfach glücklich sein«, oder vielleicht »Ich fühle mich unverstanden.« Viele wollen, dass ihr Partner sich ändert und glauben, dass der neue und bessere Partner sie glücklich machen könnte. Manche Paare beschreiben ihr Bedürfnis nach materieller Sicherheit, nach sexueller Erfüllung oder ihren Wunsch nach einer Familie und dem Gefühl, ein Zuhause zu haben, nach »Wärme« und »Geborgenheit«, nach »Gesehenwerden« und – paradoxerweise – danach, »einfach in Ruhe gelassen zu werden.« Aber selbst, wenn diese speziellen Wünsche erfüllt werden, bleibt das Gefühl, dass etwas fehlt. Wie eine Frau es formulierte: »Wenn das alles ist, was das Leben zu bieten hat, dann will ich es nicht.«

Das Gefühl, dass etwas fehlt, kann fast körperlicher Art sein, ein Schmerz oder Druck im Brustkorb oder ein nagendes Gefühl in der Magengegend. Nicht wenige haben dermaßen starke Schmerzen in der Herzgegend empfunden, dass sie eine körperliche Krankheit befürchteten und zum Arzt gingen. Zu Beginn der Therapie sind die Beschwerden so groß, dass nur wenige in der Lage sind, ihre Erfahrung umsichtig zu erforschen. Normalerweise wollen sie nur, dass ihr negatives Gefühl weggeht, und es erfordert Geduld und therapeutische Erfahrung, ihnen zu helfen, die Hoffnung zu sehen, die in ihrem Leiden enthalten ist.

Paradoxerweise werden ihre Hoffnungen durch die Frustration und die Wut bekräftigt. Wenn wir ihre Klagen und Forderungen phänomenologisch anhören, mit einem »Gestalt-Ohr«(4), dann hören wir eine ziemlich präzise Beschreibung dessen, wonach sie sich sehnen, die Hoffnung hinter dem Bedürfnis. Während sie die Fähigkeit entwickeln, die Phänomenologie der Hoffnung vorsichtig zu erforschen, machen sie häufig die Erfahrung, dass ihr Gewahrsein für ihre Bedürfnisse sich verändert. Was sie für ein sexuelles Bedürfnis, beruflichen Ehrgeiz, den Wunsch nach Begleitung und die Sehnsucht nach einer Beziehung hielten, waren zumindest teilweise die »Mittel«, die ihnen zu der Erfahrung verhelfen sollten, »wirklich ich selbst zu sein.« Vielleicht entwickeln sie die Geduld und die Fähigkeit, das Ausagieren ihrer Bedürfnisse lange genug aufzuschieben, um sich auf eine echte phänomenologische Erforschung ihrer Erfahrung einlassen zu können. Ein Mann, ein Dichter, der bereits über introspektive Fähigkeiten verfügte, beschrieb einen Seinszustand, in dem er sich ganz und lebendig fühlte, in dem der »nagende Hunger seines Herzens gestillt war« und er sich »vollständig« fühlte, »wo ich einfach ich selbst bin, wirklich ich.« Wie ungeschickt auch immer sie es ausdrücken mögen, ihre Hoffnung zielt auf ein inneres Gefühl des Wohlergehens, eine Ganzheitlichkeit oder Stabilität, die es ihnen erlaubt, sich zu freuen und von Herzen zu lachen. Sie sprechen über subtile körperliche oder »energetische« Empfindungen, nach denen sie sich gesehnt haben, über einen Orgasmus, bei dem sich etwas in ihnen »öffnet« und der ganze Körper »fließt«. Es ist die Hoffnung auf »mich selbst«, auf das wirkliche Selbst (Masterson, 1985). Ohne diese Hoffnung gäbe es keine Frustration, keine Wut und keine Sehnsucht. Aus Gründen, die hoffentlich gleich noch deutlich werden, habe ich diese herbeigesehnte Erfahrung als »selbst-organisierendes Selbst« bezeichnet.

Dieser Punkt verdient weitere Klärung. In der Gestalttherapie, die durch das Bedürfnis-Erfüllungs-Modell geprägt ist, werden die Klienten normalerweise durch eine Anregung ihrer Aggression ermutigt, die Erfüllung ihrer Bedürfnisse anzustreben. Die zugrunde liegende Annahme ist, dass das, was sie brauchen, in der Umwelt zu finden ist. In einer Paarbeziehung besteht die Annahme darin, dass der Partner das, was fehlt, bereithält. Wenn aber das Bedürfnis in einer stabileren Selbst-Organisation besteht, ist diese Annahme falsch. Eine therapeutische Arbeit, die ihnen hilft, »ihre Bedürfnisse befriedigt zu bekommen«, wird im Gegenteil die Abhängigkeit und die Kontaktstörung dieser Menschen noch verstärken, indem sie die falsche Überzeugung bestärkt, die fehlende Qualität liege in der Umwelt, und nicht im Selbst. Daher werden sie nicht darin unterstützt, das Verständnis ihrer »Bedürfnisse« zu vertiefen, sondern in der trügerischen Phantasie, dass wenn ihre Bedürfnisse von außen befriedigt würden, sie keinen Schmerz und kein Unbehagen hätten. Bei diesen Paaren ist eine bedürfnisorientierte Gestalttherapie kontraindiziert. Die Position, die ich vertrete, ermutigt sie eher, die Phänomenologie ihrer Erfahrung zu erforschen und versucht, ihr Gewahrsein zu erhöhen bevor sie vorschnell versuchen, die unangenehme Erfahrung wegzumachen. Aus dieser Perspektive betrachtet, richtet sich das »Bedürfnis« auf eine bessere Selbst-Organisation, die zumindest an diesem Punkt der Entwicklung eine Funktion des Organismus selbst ist. Der Partner kann bestenfalls dazu beitragen, dass die Umgebung die Entwicklung dieser Fähigkeit zu einem selbst-gestaltenden Selbst unterstützt.

 

Der Verrat am Selbst

Während Paare im Laufe der Therapie das Gewahrsein ihrer eigenen Phänomenologie erhöhen, decken sie häufig ein profundes Missverständnis auf: die Erwartung nämlich, dass die Liebe des Partners die Erfahrung des Selbstverlustes verhindern sollte und das selbst-organisierende Selbst ohne Autonomieverlust wiederherstellen könnte. Sie glauben, dass die Umgebung (der Partner) hat, was sie wollen, und um ihr Bedürfnis zu befriedigen, müssen sie den anderen dazu bringen, es herzugeben. Die falsche Erwartung basiert auf einem Missverständnis über die Natur der Phänomenologie des Selbstverlustes.

Ein Mann beschrieb, wie er seine Partnerin als Tür zum Paradies betrachtete und erwartete, dass sie ihn so sehr liebte, dass er einfach glücklich sein würde – frei von neurotischen Zwängen und Hemmungen. Er war davon überzeugt, dass seine Frau das für ihn hätte tun können, wenn sie nur gewollt hätte. Als sie es nicht tat, war er verletzt und wütend. »Wenn du mich wirklich lieben würdest, dann würdest du mir aus dieser Verletzung heraushelfen.« Da er weder die Erfahrung eines selbst-organisierenden Selbst kannte, noch in der Lage war, den emotionalen Sturm des Selbstverlustes zu überstehen, war er darauf angewiesen, dass die Liebe seiner Frau ihn wiederherstellte, wenn sein Selbstgefühl zerfiel. Seine Abhängigkeit von ihr hatte tiefgreifend zerstörerischen Charakter für sie beide, denn sie fixierte ihre Rollen und beraubte sie der Möglichkeit, frei und flexibel aufeinander einzugehen. Indem er davon abhängig war, dass seine Frau ihn vor der Erfahrung des Selbstverlustes bewahrte, gab er ihr die subjektive Macht über Leben und Tod.

Die meisten dieser Paare haben das unausgesprochene Gefühl, dass ihnen das, wonach sie sich sehnen, nur von einem anderen gegeben werden kann. (Es stimmt, dass wir diese Zustände des Wohlbefindens in Momenten starker Intimität und sexueller Intensität erleben können, aber es stimmt nicht, dass wir sie nur dann erfahren können, wenn unsere Partner uns so behandeln, wie wir das wollen.) Ihre falsche Überzeugung verletzt den Gestalt-Wert der Eigenverantwortlichkeit, weil sie besagt, dass »du dich ändern musst«, damit »ich« weniger Schmerz und mehr Befriedigung erfahre. Sie verwechseln das Endziel (aufgrund einer verbesserten Selbst-Organisation das Gefühl zu haben, sie selbst zu sein) mit einem möglichen »Mittel« (den Partner dazu zu bewegen, ihnen das zu geben, was sie zu brauchen glauben). Auf diese Weise widmen sie ihre Anstrengungen vor allem der Änderung des Partners. Häufig hören sie auf, herausfinden zu wollen, was ihnen eigentlich fehlt und lassen sämtliche Anstrengungen fallen, das Ziel auf anderem Wege zu erreichen. Dabei geben sie ihre Freiheit, Alternativen zu entwickeln, langsam auf und instrumentalisieren ihren Partner, um den emotionalen Schmerz, den die bewusste Entscheidung und das Verständnis für die Erfahrung des Selbstverlustes mit sich bringen würde, zu vermeiden. In diesem Missverständnis kann man weder Freiheit gewähren (weil die Liebe hier fordert) noch gewährt bekommen, denn das Gewährtbekommen bestärkt die Abhängigkeit und gibt dem Partner die Macht über Leben und Tod.

Unfähig, ein stabiles Selbstgefühl aufrechtzuerhalten und die Phänomenologie der Leere zu erforschen, machen sie ihre Beziehung zu einem stabilisierenden Instrument. Die Tragik solcher Paarbeziehungen besteht darin, dass die Partner, indem sie ihr »Dazwischen« instrumentalisieren, um den Schrecken des Selbstverlustes zu vermeiden, auch die Freiheit verraten, an ihrem eigenen Werden bewusst teilzuhaben, und das selbst-organisierende Selbst verhindern. Ihre Beziehungen werden zu Kampfplätzen, auf denen sie miteinander ringen und versuchen, die Behinderungen ihrer Abhängigkeit zu verbergen und ihre »Bedürfnisse« befriedigt zu bekommen, ohne zuviel an Autonomie zu verlieren. In einer solchen Beziehung ist der Gedanke an Trennung höchst beängstigend, denn wenn der Partner geht, verliert man eines der das Selbst am meisten stabilisierenden Elemente. Der Verlust des Partners entspricht subjektiv dem Tod. Diese Abhängigkeit ist als Verrat am Selbst bezeichnet worden.

Natürlich ist die Phänomenologie solcher Paare mehr als die Phänomenologie des Selbstverlustes, der Sehnsucht nach dem selbst-organisierenden Selbst und des Verrats am Selbst. Dennoch scheint sie mir ein wesentlicher Aspekt dieser Beziehungen zu sein, der es nahelegt, innerhalb der Gestalttherapie einige neue theoretische Überlegungen anzustellen. Diese drei Phänomene scheinen zu fordern, dass wir unsere therapeutische Aufmerksamkeit von der Frage nach einzelnen Kontaktepisoden mit der Umgebung auf die umfassendere Frage der Organisation des Selbst und dem damit einhergehenden »Selbstgefühl« umlenken. Das Problem dieser Paare ist nicht in erster Linie ein schwacher Kontakt zwischen Organismus und Umwelt (oft sind sie zu einem exzellenten Kontakt fähig), sondern vielmehr, dass ihr selbst-organisierendes Selbst-System keine dauerhafte Stabilität aufweist. Für sie ist das Konzept eines phänomenologisch gegebenen »Organismus«, der sich selbst durch den Kontakt mit der Umwelt reguliert, unangemessen. Ihr »Selbstgefühl« ist weder stabil noch mit ihrem physischen Organismus identisch.

Dieses Argument ist vergleichbar mit der Divergenz zwischen Ich-Psychologie, Selbst-Psychologie und Objekt-Beziehungen auf der einen und der klassischen psychoanalytischen Triebtheorie auf der anderen Seite. Freud ging von einem gut ausgebildeten Ich aus, das im Konflikt mit seiner Umwelt steht. Die Ich-Psychologen bezweifelten diese Annahme und argumentierten, dass viele Störungen sich nur durch die Untersuchung von Defiziten bei der Ich-Bildung erklären ließen. Es ist seltsam, dass die Gestaltarbeit sich häufig stillschweigend mehr an dem älteren Freudschen Modell orientiert, wie sich in der weitverbreiteten Vorstellung zeigt, dass der »Organismus« Kontakt mit der Umwelt aufnimmt, um seine Bedürfnisse zu befriedigen, deshalb der Begriff der »organismischen Selbstregulation«. Auch hier ist der »Organismus« einfach biologisch gegeben; es gibt kein konzeptuelles Mittel um herauszufinden, wie der Organismus sich selbst organisiert. Insofern ist die Vorstellung eines selbst-organisierenden Organismus eine Aktualisierung des Gestaltmodells.

Vielleicht ist es hilfreich, bevor wir die theoretischen Auswirkungen betrachten, Martin Bubers Beschreibung dieser Phänomenologie zu untersuchen.

 

Bubers dialogische Perspektive

Nach Bubers Verständnis beinhaltet Beziehung sowohl Trennung als auch Verbindung, d.h. das »Dazwischen«. Er spricht von zwei Möglichkeiten des »Dazwischen«, von zwei »Grundworten«, die »gesprochen« werden können. Der Akt, eines dieser Grundworte zu sprechen, »gestaltet« oder organisiert sowohl das »Ich«, das spricht, als auch den »anderen«, zu dem es spricht. Die beiden Grundworte sind Beziehungen: »Ich-Es« und »Ich-Du«.

Das erste dieser Grundworte, die Interaktion, die Buber als »Ich-Es« bezeichnet, beschreibt die übliche Interaktionsweise: essen, Steine bewegen, Holz hacken, Autos verkaufen, Kinder ausschimpfen, sich verlieben, über Probleme reden. All diese Tätigkeiten haben die Eigenschaft, Objekte zu manipulieren, Dinge zu benutzen, Handel zu treiben. (Ja, selbst die geliebte Person ist ein Objekt in diesem Sinne, denn er oder sie lebt in unserer Erfahrung als das »andere«, als »Nicht-Ich«.) Buber spricht von »instrumentellen« oder zielgerichteten Beziehungen. Deshalb treten wir, wenn wir das Grundwort »Ich-Es« sprechen, in die Welt der Vielheit, der getrennten Objekte, in die Welt des »Gebrauchens und Erfahrens«. Als solches bezeichnet es den größeren Teil der menschlichen Erfahrung und ist unabdingbar. Dennoch ist das »Ich« dieses Grundwortes eines, das »benutzt« und »erfährt« und seinerseits ebenfalls benutzt und erfahren wird, ein Objekt in einer Welt der Objekte.

Das zweite Grundwort, das der Mensch sprechen kann, ist das Grundwort »Ich-Du«. Indem wir dieses Grundwort sprechen, bewegen sich »Ich« und »Du« in eine Dimension der Begegnung, wo die trennende Kluft sich schließt und jeder dem anderen ebenso nahe ist, wie sich selbst. Psychologisch ausgedrückt könnten wir sagen, es handelt sich um eine Bewusstseinsverfassung, in der die primäre Bezogenheit über die übliche Subjekt-Objekt-Trennung hinausgeht. Für Buber ist das Aussprechen dieses Grundwortes der Akt der Liebe. Es ist auch der Akt der Selbstzeugung. Das »Ich« dieses Grundwortes ist ein anderes als das des Grundwortes »Ich-Es.« Das »Ich« des »Ich-Du« ist nicht eines, das sich selbst als benutzend oder erfahrend erlebt oder das benutzt oder erfahren wird. Auch erfährt es das »Du« nicht als einen Gegenstand, den man gebrauchen oder erfahren kann. Buber beschreibt das »Ich-Du« als »anteilnehmende Beziehung« von »Ich« und »Du«. Wenn man am Sein des anderen teilnimmt, kann man ihn nicht instrumentalisieren. Daher schließt das »Ich-Du« die Möglichkeit aus, mit der Erwartung auf den anderen zuzugehen, ein Bedürfnis erfüllt zu bekommen. Das würde dem Grundwort »Ich-Es« entsprechen und spiegelt nicht die Fülle der menschlichen Möglichkeit einer teilnehmenden Beziehung wider.

Diese »Ich-Du-Begegnung« müssen wir sorgfältig von Übertragungsphänomenen und Konfluenz unterscheiden. Nicht selten kommen diese Paare in die Therapie, weil einer der beiden Partner sich in jemand anderen »verliebt« hat. Im Stadium des Verliebtseins sind die Verliebten sicher, dass der oder die andere ihre Bedürfnisse erfüllen wird, dass ihnen die Erfahrung des Verlassenwerdens, der Einsamkeit oder des Selbstverlustes erspart bleibt. Eine Möglichkeit, zwischen einer echten »Ich-Du-Begegnung« und Konfluenz oder Übertragung zu unterscheiden, ist, dass die »Ich-Du-Begegnung« heilt; ein solcher Moment entsteht unerwartet, geht schnell wieder vorbei und hinterlässt ein bestimmtes Gefühl von Frieden und Ausgeglichenheit. Im Gegensatz zur Konfluenz und zu Übertragungssituationen gibt es hier kein Gefühl, etwas zu brauchen oder zu wollen, sondern nur die Begegnung.

Obwohl Buber die pathologischen und die Entwicklungsmöglichkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen anerkennt, siedelt er das »Ich-Du« jenseits der Grenzen der Pathologie an und sagt, dass die Sehnsucht, die die Paare beschreiben, mehr ist als nur das regressive Verlangen nach der Mutter oder einem »spiegelnden Objekt«. Für Buber ist es die Sehnsucht nach einer menschlichen Seele, die Hoffnung, zu einem selbst-organisierenden Selbst zu werden, das sich selbst in einer »Ich-Du-Beziehung« ausdrückt. Das ungeborene Kindruht nicht im Schoß der Menschenmutter allein. Diese Verbundenheit ist so welthaft, dass es wie das unvollkommene Ablesen einer urzeitlichen Inschrift anmutet, wenn es in der jüdischen Mythensprache heißt, im Mutterleib wisse der Mensch das All, in der Geburt vergesse er es. Und sie bleibt ihm ja als geheimes Wunschbild eingetan. Nicht als ob seine Sehnsucht ein Zurückverlangen meinte, wie jene wähnen, die im Geist, ihn mit ihrem Intellekt verwechselnd, einen Parasiten der Natur sehen: der vielmehr ihre – nur freilich allerlei Krankheiten ausgesetzte – Blüte ist. Sondern die Sehnsucht geht nach der welthaften Verbundenheit des zum Geiste aufgebrochenen Wesens mit seinem wahren Du.

Jedes werdende Menschenkind ruht, wie alles werdende Wesen, im Schoß der großen Mutter: der ungeschieden vorgestaltigen Urwelt. Von ihr auch löst es sich ins persönliche Leben, und nur noch in den dunklen Stunden, da wir diesem entgleiten (das widerfährt freilich auch dem Gesunden Nacht um Nacht), sind wir ihr wieder nah (Buber, 1994, S. 28f).

So wie ich Buber verstehe, rührt die Leere und das Fehlen der Ganzheitlichkeit, über die unsere Paare klagen, daher, dass sie das Grundwort »Ich-Du« nicht sprechen. Ihre Sehnsucht nach Beziehung ist nicht nur ein Verlangen danach, ihr »Bedürfnis« nach Wärme und Geborgenheit erfüllt zu bekommen. Vielmehr ist es die Sehnsucht danach, das Grundwort »Ich-Du« zu sprechen. Es ist die Sehnsucht danach, vollständig »Ich« zu werden, indem man sich auf die Beziehung zu einem »Du« einlässt. Nach Buber existiert das menschliche Selbst in seiner Vollständigkeit nur in der und durch die »Ich-Du-Beziehung«.

Die Stimmungswechsel und das Selbstgefühl, der Zorn und die Einsamkeit, die solche Paare nur allzu gut kennen, können als Verlust des »Du« verstanden werden. Buber hat deutlich gemacht, dass das Grundwort »Ich-Du« die Fülle des Menschseins, oder psychologisch ausgedrückt das »Selbst« beinhaltet. Er schreibt auch: »Das aber ist die erhabene Schwermut unseres Loses, dass jedes Du in unsrer Welt zum Es werden muss. [...] Das Es ist die Puppe, das Du der Falter« (Buber, 1994,

S. 20f). Wenn das Sprechen des »Ich-Du« die Sehnsucht nach einem vollständigen Selbstgefühl erfüllt, dann zerstört das Sprechen des »Ich-Es« diese Sehnsucht. Wenn das »Ich« der Aussage »Ich-Du« zum »Ich« des »Ich-Es« wird, schrumpft es zusammen und tritt ein in die getrennte Welt der Objekt-Beziehungen. In dieser Bewegung stirbt es der einen Beziehung und wird der anderen, begrenzteren geboren. Manchmal fühlt diese Bewegung sich an wie der Tod, denn sie bringt den Verlust des »Ich«, das im Sprechen des »Ich-Du« geschaffen worden war. Dies ist der Grund von Einsamkeit und Leere. Die »erhabene Schwermut unseres Loses« ist, dass wir die wiederholte Reduzierung des »Ich« vom »Ich-Du« zum »Ich-Es« ertragen müssen. Es ist ein wesentlicher Bestandteil des Menschseins, dass wir den Augenblick des »Ich-Du« nicht halten können, sondern uns der Unausweichlichkeit beugen müssen, zum »Ich« des »Ich-Es« zu werden. Es ist eine große Versuchung zu glauben, dass wenn »Du« anders wärst, »Ich« diesen Verlust des größeren Selbst nicht zu ertragen bräuchte.

Aus dieser Perspektive betrachtet ist das Dilemma solcher Paare ein zweifaches. Erstens haben sie noch nicht die innere Fähigkeit entwickelt, gemeinsam das Grundwort »Ich-Du« zu sprechen, und zweitens versuchen sie, die »erhabene Schwermut unseres Loses« zu vermeiden, jenen Schmerz, der mit dem Verlust des »Ich-Du« einhergeht. Sie versuchen, einen wesentlichen Aspekt des Menschseins zu verleugnen, indem sie fordern, das Grundwort »Ich-Du« zu hören, anstatt es zu sprechen.(5) Das Sprechen des Grundwortes »Ich-Du« ist ein Akt der Selbst-Organisation höchster Ordnung. Und es ist ein Akt der Liebe. Und vielleicht ist es der Akt der Teilnahme an der Schöpfung eines vollständigen menschlichen Wesens.(6)

 

Organismische Selbst-Organisation und Kontakt

Eine Gestalt ist eine Form, die unsere Wahrnehmung der materiellen Welt organisiert, aber darüber hinaus organisiert sie auch den wahrgenommenen Gegenstand. Die Gestalt der »Spirale« z.B. organisiert die unendlich weitläufigen Bewegungen der Galaxien, von Flüssigkeiten und Gasen (das Wasser in der Badewanne, Zyklone, die kleinen Wirbel und Strudel eines plätschernden Baches), das Wachstum eines Schneckenhauses, ebenso viele psychologische Erfahrungen (wie viele Patienten träumen oder phantasieren, dass sie durch einen Wirbel in die Dunkelheit fliegen). Die Gestalt »Äste-Stamm-Wurzeln« organisiert viele Lebensformen (Bäume, Hydren), Nervenzellen, Flüsse, bestimmte mathematische Funktionen, Blutgefäße usw. Solche Gestalten sind die universellen Prinzipien, die Prozesse strukturieren und es wahrscheinlich auch der menschlichen Wahrnehmung ermög­lichen, Formen zu erkennen.(7)

So gesehen ist der Mensch ein selbst-organisierendes System, eine Gestalt, eine Ganzheit von Geist, Körper und Seele (Portele, 1987, 1989, 1992). Demnach kann Organismus in der Gestalttheorie nicht bloß den physiologischen Körper bezeichnen, denn dieser Begriff bezieht sich sowohl auf den Prozess der Selbst-Organisation, der Körper, Geist und Seele »vorausgeht« und ihnen ihre systemische Ganzheit verleiht, als auch auf das Ganze, das aus dem Prozess der Selbst-Organisation resultiert. Geist, Körper und Seele bilden zusammen ein dynamisch interagierendes systemisches Ganzes, das mehr ist als die Summe seiner Teile.

Das »Ich«, das diese organismische Ganzheit ausdrückt, ist das »Ich« des Grundwortes »Ich-Du«, und nicht das des Grundwortes »Ich-Es«. Das »Ich« der systemischen Ganzheit kann nicht durch die Anstrengungen eines der kleineren »Ichs« erreicht oder hervorgebracht werden, weil es über sie hinausgeht und sie in eine neue Gestalt mit einbezieht oder integriert. Doch unsere Sprachgewohnheiten gleichen einem Gravitationsfeld, das diesem Holismus entgegenwirkt, und sämtliche Gestalttheoretiker haben versucht, dieser Wirkung zu entkommen. Simkin (1976), der die Veränderungen der Selbst-Organisation beobachtete, führte folgende Metapher ein: Die Persönlichkeit ist wie ein Gummiball, der im Wasser schwimmt. Der größte Teil des Balls befindet sich ständig unter Wasser, und der Teil über der Wasseroberfläche ändert sich permanent, weil der Ball sich dreht. Wendet man dieses Beispiel auf unsere Paare an, dann repräsentiert der Ball die Gestalt der ganzen Person (Potentiale, Erinnerungen, Konditionierung, Gefühle, Gedanken). Der Teil oberhalb der Wasseroberfläche steht für das phänomenologische »Ich«.

Unglücklicherweise legt Simkins Metapher nahe, dass die Ganzheit der Person eine dinghafte Qualität aufweist, die eines Balls, und die ganze Metapher verdankt ihre Glaubhaftigkeit diesem Vergleich mit einem materiellen Gegenstand. Wir verstehen was er meint, aber wir verlieren das Gefühl für die Prozesshaftigkeit, die Goodman, Perls, Goldstein, Lewin und andere zu etablieren versucht haben. Was, wenn die Persönlichkeit nicht einem Ball, sondern einem riesigen Strudel entspricht, ein autopoietisches (Maturana & Varela, 1980) selbst-organisierendes System, das den Fluss des persönlichen Menschseins so organisiert, wie ein Strudel an bestimmten Stellen eines Wildwasserstroms die Bewegung der Wassermoleküle organisiert? Sobald das fließende Wasser in den Einflußbereich des Strudels gelangt, bewegen sich die Moleküle entsprechend der Gestalt des Strudels und kreisen eine Weile unter dem Einfluss der Gestalt »Strudel«, bevor sie wieder freikommen, um vom fließenden Strom gestaltet zu werden.

Wenn Blätter von einem Baum in den Strudel fallen, dann wirbeln auch sie unter dem Einfluss des Strudel-Systems hin und her und halten zumindest für eine gewisse Zeit lang ihre relative Position zueinander. Wenn eine Libelle von einem Blatt zum nächsten fliegen und die Welt von jedem der einzelnen Blätter erleben würde, dann könnte man das mit dem »Ich« der unterschiedlichen »Ich-Es-Systeme« vergleichen. Das »Ich«, das die ganze Gestalt benennt – Strudel und Blätter – wäre das »Ich« der Ganzheit, das die Libelle, die über dem Strudel schwebt, sehen würde.

Um diese Metapher auf unsere Paare anzuwenden, könnten wir uns zwei benachbarte Strudel vorstellen, die beide mit den Blättern und einer Libelle ausgestattet sind. Jede Libelle fliegt in ihrem Strudel von Blatt zu Blatt und ruft der anderen von dem Blatt aus, auf dem sie sich gerade niedergelassen hat und das im Strudel kreist, etwas zu. Die beiden Libellen, die in dieser Art von Beziehung zueinander stehen, repräsentieren die »Ich-Es-Qualität« der Paarbeziehung. Aber plötzlich verschmelzen die beiden Strudel, die sich aufeinander zubewegen, zu einem einzigen, und all ihre Moleküle gehen in der Gestalt eines größeren Strudels auf und bilden eine Zeit lang ein komplexes Fließsystem, um sich dann wieder zu trennen. Dieses physikalische Phänomen könnte annäherungsweise die »Ich-Du-Qualität« des menschlichen »Dazwischen« darstellen, ein einziger großer Strudel, der als systemisches Ganzes aus zwei voneinander getrennten Strudeln hervorgeht und nach einer Weile wieder zur Zweiheit zurückkehrt.

Die systemische Sicht des »Organismus« als einem autopoietischen, selbst-organisierenden System und die Phänomenologie des wechselnden »Ich« werfen bezüglich des gestalttherapeutischen Verständnisses von »Kontakt« interessante Fragen auf. In der traditionellen Gestaltterminologie bezeichnet Kontakt häufig die Aktivität der Kontaktgrenze zwischen Organismus und Umwelt; der Begriff kann sich aber auch auf die Interaktion zwischen dem Subjekt »Ich« und seinem Objekt beziehen, im Sinne einer eher psychologischen Subjekt-Objekt-Interaktion (»Ich bin in Kontakt mit dir«). Beide Zugänge vereinfachen die Komplexität der Prozessperspektive zu sehr. Sie gehen von einem Gegenstand (Organismus) aus, der mit seiner (äußeren) Umgebung »verbunden ist«. Nicht nur Goodman, auch Erik Erikson (1951/1980) zeigte bereits 1951, dass die Umwelt des Menschen nicht nur außerhalb der Person liegt, sondern auch »in ihr.«(8) Das »Umwelt-Feld« des Menschen schließt auch Sozialisation, Sprache, Gedächtnis, körperlichen Zustand, Kultur, Familiensysteme usw. mit ein. Wenn der »Organismus« als Ganzheit der Selbst-Organisation, und nicht als mit dem »Gegenstand/Körper« identisch verstanden wird, und wenn die »Umwelt« nicht auf das beschränkt ist, was »außerhalb des Körpers« existiert, wie sollen wir dann Kontakt verstehen? Was meinen wir dann, wenn wir vom Kontakt zwischen dem Organismus und seiner Umwelt sprechen?(9)

Ein simplizistisches Kontaktverständnis (»Ich bin in Kontakt mit dir«), das impliziert, dass du »da draußen« und bereit zum Kontakt mit mir bist und dass »ich« immer der oder dieselbe bin, erscheint allzu unzeitgemäß und abseits jeder gestaltpsychologischen Auffassung. Ein solches Verständnis geht von einer völlig antiquierten Wahrnehmungs- und Kognitionspsychologie aus und ignoriert die Rolle des Wahrnehmenden bei der Strukturierung des Feldes bzw. des Wahrnehmungshintergrundes. Kontakt ist ein äußerst kreativer Prozess, wie Goodman zu betonen wusste, oder »konstruktivistisch«, um einen moderneren Ausdruck zu gebrauchen (Goolishian, 19(7)8; Teschke, 1989). Wenn wir miteinander Kontakt aufnehmen, gestalten wir uns selbst und den anderen. Kontakt bezeichnet nicht die passive Wahrnehmung einer festgesetzten objektiven Realität, sondern die Schaffung einer phänomenologischen Erfahrungswirklichkeit. Kontakt ist interaktiv und kreativ und gibt unserem Leben Bedeutung.

So gesehen sind unsere Paare nicht in der Lage, das »Ich« zu gestalten und aufrecht zu erhalten, wenn der Partner sich nicht so verhält, wie sie es fordern, und deshalb sind ihre Kontaktfunktionen eingeschränkt. Das Konzept des Gestalt-Kontakt-Zyklus hilft uns, jede einzelne »Selbst-anderer«-Einheit oder Kontakt­episode zu verstehen, aber es hilft uns nicht dabei, die abrupten und verletzenden Unterbrechungen der Erfahrung zu verstehen, die diese Paare so sehr quälen. Es eignet sich nicht besonders, um die Phänomenologie des Selbstverlustes, das Verlangen nach dem selbst-organisierenden Selbst und den Verrat am Selbst zu beobachten und zu verstehen.

Die Frau, die sich manchmal fühlt wie eine »New Yorker Kanalratte«, braucht das »Vertrauen« ihres Mannes, um sich stabil zu fühlen. Wenn sein Verhalten ihren Forderungen widerspricht, nimmt er ihr die Unterstützung, die sie zur Aufrechterhaltung ihres »Ich« braucht, und ihr Kontaktsystem wechselt. Ihr »Ich« wird zur Kanalratte. Ihr »anderer« ist ihr Ehemann, der grausam nachbohrt, so dass sie um ihr Leben kämpfen muss. Ihre Verletzung ist mehr als ein verletztes Gefühl; es ist der Schmerz der »erhabenen Schwermut unseres Loses«, die Auflösung ihrer persönlichen Wirklichkeit, die mit dem Wechsel ihres Kontaktsystems zwischen Selbst und anderem einhergeht. Wenn sich ihr Selbst-anderer-System verändert, dann ändert sich auch das ihres Mannes. Indem er sich durch ihr negatives Bild von ihm zurückgewiesen und verletzt fühlt, gleicht er tatsächlich der Person, vor der sie sich fürchtet, und bestätigt somit ihre Angst.

Ähnlich verhält es sich, wenn der Mann »anfängt, nachzudenken«, denn dann verändert er sein Kontaktsystem und seine persönliche Realität. Seine Frau fühlt sich verlassen oder am Boden zerstört, weil er ihre Ganzheit nicht sieht. Unfähig, ihre ganzheitliche Selbst-Organisation aus sich heraus und ohne seine Bestätigung aufrechtzuerhalten, reagiert sie auf dieses subjektive Verlassenwerden und das Gefühl der Zerstörung mit einer enormen Wut, die sich entweder im Rückzug oder in heftiger Aggression äußert. In jedem Falle bemerkt der Mann ihre Veränderung, und beide fühlen sich in dem Teufelskreis von gestörtem Kontakt bestätigt, »Ich« und »anderer« sind in einem tragischen Tanz wechselseitiger Missschöpfung verstrickt. Jeder ist in einer systemischen Ganzheit verletzender Erfahrung an der Selbstschöpfung des anderen beteiligt.

Die Aussage »Ich bin wütend auf dich« wäre zwar für beide phänomenologisch »richtig«, sie würde aber die systemische Komplexität ihrer Interaktion außer acht lassen. Anzunehmen, dass einer den anderen während solcher Episoden »objektiv« wahrnehmen könnte, dass ihre Wut und ihre Kälte objektiv »real« wären, hieße die menschliche Freiheit zu verleugnen. Es ist wahr, dass sie in solchen Momenten auf gewisse Weise wütend und verletzt und vielleicht ängstlich sind, aber wenn wir uns daran erinnern, wie es ihnen zu anderen Zeiten geht, dann sehen wir, dass es sich hier nicht um ihre ganze Wahrheit, nicht um die Wahrheit ihres ganzen Seins, sondern um eine momentane Wahrheit handelt. Sie haben immer noch andere Seinsmöglichkeiten, zu denen sie im Augenblick keinen Zugang haben, Möglichkeiten, die im Feld oder im Hintergrund liegen. Sie sind tatsächlich mehr als ihre augenblickliche Selbstgestaltung. Sich an dieses »Mehr« zu erinnern, kommt dem Sprechen des Grundwortes »Ich-Du« sehr nahe, weil es einen Aspekt ihres Seins aufgreift, der im Feld gegenwärtig ist, selbst wenn sie ihn zeitweise vergessen oder aus den Augen verloren haben. Die anhaltende Tendenz einiger Gestalttherapeuten, ihr Verständnis von »Kontakt« auf den Vordergrund zu begrenzen, ist theoretisch und phänomenologisch unsauber. Goodmans Interesse, die falsche Aufspaltung in Organismus und Umwelt zu überwinden, ist nach wie vor bedeutsam und wird bedauerlicherweise immer wieder vernachlässigt. Person und Umwelt werden am besten als ein einziges, zusammenhängendes System konzeptualisiert. Kontakt ist nicht das Handeln des einen am anderen, sondern gegenseitige kreative Interaktion. Jeder ist an der Schöpfung des anderen beteiligt. In einer Beziehung definieren sich die Partner gegenseitig und miteinander.

 

Konsequenzen für die Behandlung

Wenn wir das Problem der fragilen Selbst-Organisation aus gestalttherapeutischer Perspektive betrachten, ergibt sich eine Umkehrung vieler therapeutischer Annahmen, die wir gewöhnlich voraussetzen. Das oberste und unmittelbare Ziel der Therapie kann nicht darin bestehen, das neurotische Leiden zu mindern oder abzustellen oder »Bedürfnisse« zu befriedigen (obwohl die Therapie das natürlich auf lange Sicht häufig leistet). Der therapeutische Prozeß muss zur Verbesserung der Selbst-Organisation beitragen und die Entwicklung der Klienten dadurch unterstützen, dass sie lernen, das Grundwort »Ich-Du« zu sprechen. Wie immer in der Gestalttherapie geschieht das durch die Erhöhung des Gewahrseins und der Akzeptanz dessen, was im Vordergrund und im Hintergrund da ist.

Mit seiner scheinbaren Gleichgültigkeit gegenüber Schuld und Verdienst hat das Schicksal diese Paare mit einer Phänomenologie ausgestattet, der wir nachgegangen sind. Vielleicht suchen die Paare sich diese Phänomenologie nicht aus. Ihre Freiheit beschränkt sich darauf zu wählen, wie sie diesem Schicksal begegnen wollen, und mit dieser Wahl bestimmen sie, ob ihr Schicksal ein Segen oder ein Fluch ist.

Paare, die sich für den »Fluch« entscheiden, leben nach einem hedonistischen Prinzip, mit einer für den »neuen Narzissmus« charakteristischen lust- und vergnügungsorientierten Haltung, die das Ziel der Beziehung in der Erfüllung von »Bedürfnissen« sieht. Vielleicht wechseln sie den Partner, weil sie glauben, dass es den perfekten Liebhaber gibt, der genau das hat, was sie suchen. Einige klammern sich auch an eine Opferhaltung. Andere verstricken sich in ihren Bemühungen, sich gegenseitig zu ändern und saugen sich gegenseitig die Lebenskraft ab, bis beide Partner psychologisch ausgemergelt und verbittert sind. Und nicht wenige treiben ein absurdes Spiel von Hass und Rache und suchen therapeutische Hilfe nur, um einen persönlichen Vorteil davontragen zu können. Wieder andere sind so in ihrem Schicksal und der Angst vor Selbstverlust gefangen, dass sie sich selbst nicht schützen können und von einer Missbrauchs­situation in die nächste geraten. Wir alle haben Paare in unserem Bekanntenkreis oder unter unseren Klienten, die eine oder mehrere dieser Alternativen gewählt haben.

Manche Paare sind in der Lage, den »Segen« zu wählen. Sie lernen zu akzeptieren, dass ihre Aufgabe darin besteht, sich auf den langen und schwierigen Prozess einzulassen, im Rahmen ihrer Beziehung ein stabiles selbst-organisierendes Selbst zu entwickeln. Ist diese Entscheidung einmal getroffen worden, dann können die Versuchungen der Beziehung als Lernmöglichkeit angesehen werden, und nichts was geschieht ist völlig sinnlos, auch wenn es wehtut.

Deshalb ist ein wesentlicher Aspekt der Arbeit mit diesen Paaren die Klärung der Werte (Fuhr, 1992; Zinker, 1987). Ein anderer Aspekt ist die Fähigkeit des Therapeuten, die Ganzheit des Klienten im Auge zu behalten und im gegenwärtigen Feld deutlich zu machen (zusätzlich zu dem, was der Klient in seinem jeweiligen Stadium der Selbst-Schöpfung zeigt und deutlich macht). Wenn der Therapeut auf diese Weise arbeitet, wird er mehr sehen als nur den momentanen Vordergrund des Klienten. Indem er die Ganzheit des Klienten im Auge behält, kann er ihn daran erinnern, dass er mehr ist, als er im Augenblick sichtbar macht. Wenn man so arbeitet, muss man sich darüber im klaren sein, dass der Prozess, einen Klienten einzuladen, unausgesprochene Gedankenmodelle und Identifikationen zu verdeutlichen und zu verändern, wirklich eine Einladung ist, eine alte Identität aufzugeben. Deshalb muß man mit »Widerständen« rechnen, nicht gegen den Therapeuten, sondern gegen die subjektive Erfahrung der Nähe des Todes, die mit dem Prozess der Aufgabe einer alten Identität verbunden ist. Wie der Meister der Untertreibung sagt: »Seinen eigenen Tod zu erleiden und wiedergeboren zu werden, ist nicht leicht« (Perls, 1969). Kurz vor seinem Tod schrieb Perls:

»Der Mensch, der fähig ist, in der Erfahrung der fruchtbaren Leere zu bleiben – der seine Verwirrung bis zum äußersten erfährt –, und der sich alles bewusstmachen kann, was seine Aufmerksamkeit verlangt (Halluzinationen, abgebrochene Sätze, vage Gefühle, fremdartige Gefühle, seltsame Empfindungen), dem kann eine große Überraschung blühen. Er wird wahrscheinlich ein plötzliches ›Aha‹-Erlebnis haben; plötzlich wird eine Lösung nach vorn kommen, eine Einsicht, die vorher nicht dagewesen ist, ein blendender Blitz von Erkenntnis oder Verständnis. Was in der fruchtbaren Leere geschieht, ist eine schizophrene Miniaturerfahrung. Das können natürlich nur wenige Leute ertragen. Aber die, die Vertrauen gewinnen, nachdem sie einige Konfusionsbereiche abgeklärt und gemerkt haben, dass sie in dem Prozess nicht völlig auseinanderbrechen, die werden den Mut finden, ihren Hinterhof mit seinem Gerümpel zu betreten und gesünder wiederzukommen, als sie hingingen. [...]

Das Ziel bei der Suche nach der fruchtbaren Leere ist im Grunde die Entwirrung. In der fruchtbaren Leere wird die Verwirrung zur Klarheit, die Ausweglosigkeit zur Kontinuität, die Interpretation zur Erfahrung. Die fruchtbare Leere steigert den Support, denn sie macht dem Experimentierenden deutlich, dass er sehr viel mehr verfügbar hat, als er glaubte« (Perls, 1985, S. 119f).

In gewissem Sinne ist dies Fritz Perls’ Antwort auf jene Existentialphilosophen, die die Phänomenologie der Leere gesehen und so kraftvoll beschrieben haben. Trotz vieler Eigenheiten war er einer der ersten Schriftsteller seiner Zeit, die gelernt haben, in den »Raum des Todes« einzutreten und entdeckten, dass die große existentielle »Abscheu« die Abscheu vor dem Nichts ist, aus dem alles entstanden ist. Das scheint der Urgrund des Seins zu sein. Diejenigen Paare, die wie Fritz lernen, in die fruchtbare Leere einzutauchen, werden zurückkehren und entdecken, dass ihre Beziehung sich verändert hat. Wenn sie ihre Angst vor dem Verlust des Selbstgefühls (existentielle Angst) dadurch überwinden, dass sie ein Gewahrsein entwickeln, das ihnen das freie »Experimentieren« mit dem inneren Raum ermöglicht (vor allem mit negativen oder schmerzlichen Erfahrungen und Gefühlen), dann kann die Partnerschaft de-instrumentalisiert und das Grundwort »Ich-Du« gesprochen werden. Dann ist es nicht mehr nötig, dass der Partner so oder anders ist und dies oder jenes tut, um die Erfahrung der Leere zu vermeiden. Der Verrat am Selbst durch Abhängigkeit wird überflüssig, und das »Ich« des Grundwortes »Ich-Du« wird zu einer erlebten Wirklichkeit, die kommt und geht – wie die »erhabene Schwermut unseres Loses.« Vielleicht ist es wahr, dass »Ich-Du« nur in der fruchtbaren Leere gesprochen werden kann und dass dieses »Sterben« das Versprechen der »Wiedergeburt« in sich trägt.

 

Anmerkungen

1 Dieser Artikel, der in etwas anderer Form bereits im British Gestalt Journal (1993, Vol. 2, Nr. 2) erschienen ist, wurde mit dem Nevis-Preis 1993 als hervorragender Beitrag zum Bereich Gestalttherapie ausgezeichnet. Teile dieses Artikels gehen auf einen früheren Aufsatz in deutscher Sprache zurück (Beaumont, 1987).

2 Das Konzept autopoietischer Selbst-Organisations-Systeme ist grundlegend für diese Diskussion. Ich beziehe mich im wesentlichen auf Erich Jantsch’s exzellente Einführung in diesen Forschungsbereich in »The Self-Organizing Universe: Scientific and Human Implications of the Emerging Paradigm of Evolution« (1980/1992).

3 Der Begriff Selbst ist hier ein phänomenologischer. Der Satz: »Ich weiß nicht, was über mich gekommen ist, ich war einfach nicht ich selbst«, beschreibt eine Erfahrung, die die meisten Menschen kennen. Wir wissen, wann wir nicht wir selbst sind. Auf ähnliche Weise kennen viele Leute den Wunsch, »wirklich ich selbst« zu sein. Wir scheinen ein Gespür dafür zu haben, wann wir wir selbst sind, und wann nicht, auch wenn dieses Gespür nicht immer sehr gut funktioniert. Demnach ist »Selbst« das, was wir verlieren, wenn wir »nicht wir selbst« sind bzw. das, wonach wir uns sehnen, wenn wir »wir selbst« sein wollen. So gesehen ist »Selbst« eine erfahrene Wirklichkeit (vgl. Stern, 1985).

4 Hörend und sehend auf Gestalten zu achten (im Gegensatz zu Vordergründen und Figuren), ist eine wichtige therapeutische Technik, die auf dem Phänomen des Gestaltprinzips von Figur und Grund beruht. Wenn man in dem bekannten Vase-Gesichtsprofil-Bild auf die Vase sieht, kann man auch die Konturen der beiden Gesichter genau erkennen. Die Form der Vase verrät uns einiges (aber nicht alles) über die Form des Hintergrunds (die beiden Gesichter). Wenn wir auf Klagen und Beschwerden hören, sagt uns das einiges über Wünsche und Hoffnungen, auch wenn die Klienten noch nicht in der Lage sind, ihre Wünsche klar zu formulieren. Ich bezeichne diesen Vorgang als »Triangulieren«. Wenn wir den Vordergrund des Klienten kennen und sein aktuelles Verhalten beobachten, dann können wir oftmals »triangulieren«, was im Hintergrund gewesen sein muss, um diese Gestalt hervorzubringen. Dieser Prozess hat ein anderes Abstraktionsniveau als die übliche psychotherapeutische Interpretation. Richtig eingesetzt, kann sie dem Therapeuten sehr nützlich sein wenn es darum geht, Hypothesen über die Wünsche, Bedürfnisse und Hoffnungen des Klienten zu formulieren. Aber natürlich besteht auch bei dieser Technik die Gefahr, etwas in die Erfahrung des Klienten hineinzulesen, das nicht da ist.

5 Die von Yontef, Hycner, Jacobs und Friedman vertretene Gestalttherapie scheint der Auffassung zu sein, dass das »Ich-Du« zwischen Therapeut und Klient zur Grundlage des therapeutischen »Dialogs« oder einer dialogischen Therapie werden kann. Ich stimme damit überein, dass zwischen Therapeut und Klient das »Ich-Du« gelegentlich entsteht. Es mag sogar die bedeutendste heilsame Kraft überhaupt sein. Aber ich teile nicht die Ansicht, dass es jemals Grundlage der Therapie werden kann. Die Position und die Situation des Klienten ist eine andere als die des Therapeuten, deshalb kann das »Ich-Du« keine Basis sein. Der Therapeut kann einen »Ich-Du« Moment nicht herstellen. Der Versuch, es als therapeutische Technik anzuwenden, macht es zum Instrument und negiert seine eigentliche Natur. Was wir tun können ist, die Bedingungen, Fähigkeiten und Werte aufzuzeigen, die für eine »Ich-Du«-Erfahrung am förderlichsten ist, in diesem Fall zwischen den Partnern. Und wenn es geschieht, ist es in der Tat sehr heilsam.

6 Die »Ich-Du«-Begegnung ist ein Akt der Selbst-Organisation; sie unterliegt nicht unserem Willen und kann daher auch nicht willentlich herbeigeführt werden. Was auch hier wiederum möglich erscheint ist, dass die Paare lernen, die »Absicht« zu hegen, sich in der Weise des »Ich-Du« zu begegnen und Umstände zu schaffen, unter denen eine solche Begegnung stattfinden kann (klare und eindeutige Ich-Botschaften, aufmerksames Zuhören, Respekt, Ehrlichkeit usw.) bzw. solches Verhalten zu vermeiden, das die »Ich-Du«-Erfahrung eher behindert (Vorwürfe, gegenseitiges Beschimpfen, Projektionen usw.).

7 An dieser Stelle ist Wheelers Erörterung über die Geschichte des Gestaltkonzeptes selbst (1991) sehr interessant. Er untersucht die seit langem geführte Debatte über das Wesen der Gestalt. Handelt es sich bei der Gestalt um eine Ordnung, die der Geist der Erfahrung aufdrückt Oder handelt es sich eher um eine »äußere« Ordnung der materiellen Welt, die der Geist erkennt? Oder ist es mehr eine Platonisch-Kantsche »Idee« oder Form, die sowohl die Organisation der Welt als auch die Aktivität des menschlichen Geistes strukturiert (ihnen vorausgeht)? Ich halte diese letzte Möglichkeit eindeutig für die befriedigendste. Warum sollte eine Gestalt (ein selbst-organisierendes System) den Fluss der Gedanken und den der Elektronen nicht gleichermaßen gut organisieren können? Für eine gelehrtere Einführung in dieses Themengebiet verweise ich die interessierten Leser auf Jantsch (1980/1992).

8 «Auf der anderen Seite ist die traditionelle psychoanalytische Methode nicht in der Lage, Identität genau zu begreifen, weil sie keine Begriffe entwickelt hat, um die Umwelt begrifflich zu fassen. Bestimmte Gewohnheiten der psychoanalytischen Theoriebildung, die Gewohnheit, die Umwelt als »Objektwelt« zu bestimmen, können der Umwelt als durchdringende Aktualität nicht gerecht werden« (Erikson, 1951/ 1980, S. 24).

9 Dies ist einer der Bereiche, in denen Perls, Hefferline und Goodman (1991) theoretische Klarheit vermissen lassen. Goodman gibt sich große Mühe, die »neurotische Spaltung« zwischen innen und außen, zwischen Organismus und Umwelt zu widerlegen und drängt sehr auf eine Prozessorientierung. Dennoch erliegt er der Anziehungskraft der Sprache und spricht von der Interaktion von Organismus und Umwelt als handle es sich dabei um zwei getrennte Dinge, die sich gegenseitig nicht entkommen. Trotzdem ist die Arbeit überaus weitsichtig in ihrem Bemühen, zur damaligen Zeit (1951) eine holistische, prozessorientierte Psychotherapie zu formulieren.

 

Literatur

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Praxisadressen von Gestalttherapeuten/-innen

Hunter Beaumont, Foto: © Achim Bunz
Hunter Beaumont, Foto: © Achim Bunz

Hunter Beaumont, Ph.D., 1943, Klinischer Psychologe, erhielt seine Gestalttherapie-Ausbildung am Gestalt Institute of Los Angeles, wo er später auch als Lehrtrainer wirkte, bevor er 1980 nach München zog. Rege Lehrtätigkeit und zahlreiche Veröffentlichungen zu Theorie und Praxis der Gestalttherapie und tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie.

So gut wie er kann, lässt Hunter Beaumont sich von dem Fluss der Dinge führen. Er beschäftigt sich intensiv mit der Anwendung von psychologischem und psychotherapeutischem Wissen in der Alltagspraxis des Auf-die-Seele-Schauens.

Zwischenstationen seines Weges: Archetypsche Psychologie, Psychoanalyse (besonders die Objektbeziehungstheorie), Verhaltenstherapie, Ericksonische Hypnotherapie und NLP, Körpertherapie (besonders Feldenkrais und integrierende Bewegungen), verschiedene spirituelle Traditionen (besonders der „Diamond Heart Approach“ von Almaas) und die systemisch-phänomenologische Arbeit Bert Hellingers.

Er lebt mit seiner Frau, die er gerne als einen seiner wichtigsten Lehrer bezeichnet, seit mehr als 40 Jahren zusammen.

Gemeinsam mit Bert Hellinger hat er bis jetzt vier englische Bücher über diese Arbeit geschrieben u.a. „Love's hidden symmetry. What makes love work in relationships“, Carl-Auer-Systeme.

In deutscher Sprache ist 2008 sein viel beachtetes Buch „Auf die Seele schauen: Spirituelle Psychotherapie“ im Kösel-Verlag erschienen.

Der obige Artikel, der in etwas anderer Form bereits im British Gestalt Journal (1993, Vol. 2, Nr. 2) erschienen ist, wurde mit dem Nevis-Preis 1993 als hervorragender Beitrag zum Bereich Gestalttherapie ausgezeichnet.

Teile dieses Artikels gehen auf einen früheren Aufsatz zurück, der in der Zeitschrift „Gestalttherapie“ in Ausgabe der 1/1 1987 veröffentlicht wurde: „Prozesse des Selbst in der Paartherapie: Betrachtungen zu einer Gestalttherapie für Paare mit fragilen Selbstprozessen“.

Schließlich noch diesen Hinweis für unsere Leserinnen und Leser: Hunter Beaumont hat seine im vorliegenden Artikel dargestellten Überlegungen inzwischen weiter entfaltet. Sie haben Aufnahme in sein Buch „Auf die Seele schauen: Spirituelle Psychotherapie“ gefunden, dessen Lektüre wir ihnen gerne ans Herz legen möchten. Informationen zum Buch finden Sie auf Seite 58 in dieser Ausgabe.

Deutsche Erstveröffentlichung des vorliegenden Artikels in: „Gestalttherapie mit Paaren“, herausgegeben von Gordon Wheeler und Stephanie Backman. Erschienen in der Edition des Gestalt-Instituts Köln (GIK) im Peter Hammer Verlag. Wuppertal 1999.

Bitte beachten Sie auch die folgenden Beiträge von Hunter Beaumont, die bereits in unserer Zeitschrift "Gestaltkritik" erschienen sind:

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