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Erhard Doubrawa
Vom Schutzschirm der Schüchternheit
Ein Beitrag zu Haltung und Arbeitsweise der Gestalttherapie


Aus der Gestaltkritik 2/2008

Gestaltkritik - Die Zeitschrift mit Programm aus dem Gestalt-Institut Köln
Gestaltkritik (Internet): ISSN 1615-1712

Themenschwerpunkte:

  • Gestalttherapie und ihre Weiterentwicklung
  • Gestalttherapie als spirituelle Suche
  • Gestalttherapie als politische Praxis

Gestaltkritik verbindet die Ankündigung unseres aktuellen Veranstaltungs- und Weiterbildungsprogramms mit dem Abdruck von Originalbeiträgen: Texte aus unseren "Werkstätten" und denen unserer Freunde.

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Praxisadressen von Gestalttherapeuten/-innen

  Hier folgt der Abdruck eines Beitrages aus der Gestaltkritik 2-2008:

Erhard Doubrawa
Vom Schutzschirm der Schüchternheit
Ein Beitrag zu Haltung und Arbeitsweise der Gestalttherapie

 

Foto: Erhard DoubrawaErhard Doubrawa (Foto: Hagen Willsch)

 

Vor wenigen Wochen habe ich wegen Schmerzen im linken Knie eine Fachärztin für Orthopädie aufgesucht. Nachdem ich ins Behandlungszimmer gebeten worden war, stellte sie sich weder vor, noch gab sie mir die Hand. Vielmehr forderte sie mich unvermittelt auf, mich auszuziehen und begann, ohne meine Einwilligung zu erfragen, mit der Diagnostik. Sie sprach am laufenden Band in Fachbegriffen zu ihrer Praxishilfe, nicht etwa zu mir. Als ich von weiteren Symptomen auf der linken Körperseite berichten wollte, fiel sie mir barsch ins Wort: „Zuerst behandeln wir das Knie. Dann kommen die anderen Beschwerden dran.“ Wenn ich also ein Gefühl für die Zusammengehörigkeit von Symptomen gehabt habe, wie vage auch immer, dass nämlich meine Rückenbeschwerden links etwas mit meinem linken Knie zu tun haben könnten, dann hat sie diese zumindest rudimentäre Weisheit ihres Patienten nicht genutzt.

Und wie habe ich mich als ihr Patient gefühlt? Ich habe mich geschämt und verschlossen. In mir entstand der Eindruck, etwas – nein, nicht nur etwas, sondern viel – falsch gemacht zu haben. Sonst hätte ich ja jetzt nicht so große Probleme. Ich bin noch unsicherer geworden als ich es schon beim Kommen gewesen bin, und habe angefangen, mich abzuwerten.

Natürlich habe ich mit meiner Krankheit zu tun. Aber ich empfand es nun so, als hätte ich die Krankheit leicht verhindern können. Nur weniger Übergewicht. Mehr Bewegung. Bessere Ernährung. Ja, das stimmt. Und es stimmt auch wieder nicht. Ich bin auch so, wie ich mit meinen Anlagen und gelernten Möglichkeiten, mit meinen Ressourcen, und so weiter werden musste.

Ich hatte dann das große Glück, zu einer Physiotherapeutin zu finden, die nicht nur meine Teile ansieht, sondern die Zusammenhänge zwischen meinen Teilen und so mich ganz.

Das Wichtigste bei „ganzheitlichen Heilweisen“ scheint mir zu sein, dass ich nicht zu Spezialisten gehe, die ohne mein Zutun „feststellen“, was mir fehlt und mir dann Mittel verschreiben, die mich heilen. Es besteht eben nicht dieses Gefälle zwischen Therapeut und Klient, das wir aus der herkömmlichen Medizin kennen, wo die Patienten (lat. patiens = erduldend) als Unwissende und Schwache zum allwissenden und mächtigen Spezialisten kommen - und diesen auch so wieder verlassen. Aus ganzheitlicher Sicht kann es auch keine Reduktion der Patienten/Klienten auf ihr Leiden oder ihr Symptom (das Magengeschwür, die Depression, und so weiter) geben.

Nach gestalttherapeutischer Ansicht ist das Symptom ein Ausdruck der schöpferischen Anpassung. Mit dem Symptom wird ein Problem gelöst. Eine Veränderung kann nur heilsam sein, wenn im Leben der Klienten auch genügend Unterstützung vorhanden ist, um das ursprüngliche Problem auf eine andere, bessere Weise zu lösen. Klienten und Therapeuten müssen im Symptom zunächst die Kraft zur schöpferischen Anpassung achten. Aus der Wiederentdeckung dieser Kraft fließt dann erfahrungsgemäß Energie in das vorsichtige Experimentieren mit anderen Lösungsmöglichkeiten.

Daraus ergeben sich für mich drei psychotherapeutische Haltungen:

1. Ganzheitlichkeit: Wozu ist das Symptom im Lebenszusammenhang des Klienten gut und nützlich? Welches Problem wird damit gelöst?

2. Unterstützung: Wie kann der Klient genügend Unterstützung bekommen, um auf die negativen Aspekte der Lösung verzichten und alternative Lösungswege erkunden zu können, ohne daran zu zerbrechen?

3. Vorsicht! Bevor die Frage der Unterstützung nicht geklärt ist, muss auf Interventionen, die Veränderungen beabsichtigen, verzichtet werden.

Auch Gestalttherapeuten sind Spezialisten. Sie sind darauf spezialisiert, ihre Klienten dahingehend zu unterstützen, dass sie zu Spezialisten für sich selbst werden, dass sie selbst zur Therapeutin beziehungsweise zum Therapeuten werden. Früher haben wir gesagt, die Klienten sollen lernen, die Regie für ihr Leben selbst zu führen. Später haben wir eher davon gesprochen, dass sie die Verantwortung für ihr Leben übernehmen sollten. Heute tendiere ich mehr zu dieser Formulierung: Es geht darum, dass sie ihr Leben in ihre eigene Obhut nehmen. Das Wort „Obhut“ hat eine öffnende Wirkung auf mich.

Ganzheitlichkeit ist nach gestalttherapeutischer Auffassung nämlich nicht bloß „Methode“, sie ist eine Haltung. Bevor ich weiter auf die besondere Haltung und Arbeitsweise der Gestalttherapie eingehe, möchte ich die Gestalttherapie selbst kurz vorstellen.

 

Was ist Gestalttherapie?

Mit dem Begriff Gestalttherapie wird eine Ende der 1940er Jahre in den USA begründete Richtung der Psychotherapie bezeichnet, die vor allem darauf abzielt, die Kontakt- und Wahrnehmungsfähigkeit im Hier und Jetzt zu stärken.

Das theoretische Grundlagenwerk Gestalt Therapy wurde von dem emigrierten deutschen Psychoanalytiker Fritz Perls (1893-1970), dem Psychologen Ralph Hefferline (1910-1974) sowie dem Sozialphilosophen und Schriftsteller Paul Goodman (1911-1972) unter Mitwirkung der Psychoanalytikerin Lore Perls (1905-1990) verfasst und 1951 veröffentlicht. Die Verbindung mit dem Jugendprotest (Paul Goodman) und der Hippiekultur (Fritz Perls) in den 1960er Jahren brachte der Gestalttherapie eine Popularisierung, aber auch den Ruf, etwas mit Aussteigertum zu tun zu haben. Inzwischen hat die Gestalttherapie den Anschluss an die klinisch-psychologische Diskussion und Forschung gefunden.

Der Begriffsbestandteil „Gestalt“ bezieht sich auf die Gestaltpsychologie, die Ende des 19. Jahrhunderts in Österreich und Deutschland entwickelt worden war und deren führende Vertreter (u. a. Wolfgang Köhler, Kurt Lewin, Kurt Goldstein) 1933 vor den Nazis in die USA flohen. Die Gestaltpsychologen befassten sich mit den Wahrnehmungsvorgängen und beschrieben sie als ganzheitlichen Prozess: Vor dem Hintergrund all dessen, was sinnlich wahrgenommen werden kann, werden sinnvolle Einheiten – „gute beziehungsweise prägnante Gestalten“ – gebildet, die sich aus den Interessen und aus dem Vorwissen des Wahrnehmenden ergeben. Die Begründer der Gestalttherapie machten sich diese Erkenntnisse zunutze und fragten, welche psychischen Mechanismen wohl dazu führen, dass Menschen keine prägnanten Gestalten bilden und wie therapeutische Interventionen aussehen müssten, um sie zu einer guten Gestaltbildung zurückzuführen.

Probleme bei der Gestaltbildung können nach Auffassung der Gestalttherapie zum Beispiel auftreten, wenn das aktuell Wahrzunehmende von vorher gemachten Erfahrungen überlagert wird. Dann wird nämlich nicht mehr wahrgenommen, was da ist, sondern eher, was wir hoffen oder befürchten. Das in der Vergangenheit Erfahrene oder „Gelernte“ wird auf das Gegenwärtige projiziert. Zwei Beispiele für solche Projektionen:

1. Jemand hat in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit einem Vorgesetzten gemacht und ist jetzt wieder mit einem Vorgesetzten konfrontiert. Er wird nun alle Befürchtungen gegenüber Vorgesetzten bestätigt finden.

2. Jemand hat früher schlechte Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht gemacht. Dieser Person wird es dann schwer fallen, die Besonderheit eines neuen Menschen, dem sie gerade begegnet, im Blick zu behalten. Die Gefahr besteht, dass sie von ihren aus der vergangenen Erfahrung stammenden Befürchtungen überflutet wird.

Mit der Konzentration auf die (aktuelle) Wahrnehmung widerspricht die Gestalttherapie der psychoanalytischen Fixierung auf die Vergangenheit (Geburtstrauma, Kleinkindphasen) und wendet sich der Gegenwart (dem „Hier und Jetzt“) zu.

Auch auf dem Gebiet der Beziehung zwischen Therapeut und Klient setzt die Gestalttherapie einen anderen Akzent als die Psychoanalyse. Der Gestalttherapie geht es um eine aktive Beziehung zwischen Klient und Therapeut. Das therapeutische Gespräch selbst ist das Experimentierfeld, auf dem die Therapeuten die Klienten einladen, ihr Wahrnehmungs- und Kontaktverhalten sowie eventuelle Problempunkte zu erforschen. In Zusammenhang mit dieser Beziehungsfrage bekommt die dialogische Philosophie von Martin Buber neben der Gestaltpsychologie eine große Bedeutung für die Gestalttherapie. Buber unterscheidet zwischen Ich-Es-Beziehung (der Gegenüber wird als „Sache“ behandelt) und Ich-Du-Beziehung (der Gegenüber wird als

Subjekt geachtet). Die Philosophie Bubers wird von der Gestalttherapie als Aufforderung an die Therapeuten verstanden, mit den Klienten in einen achtungsvollen, heilenden Dialog einzutreten, in der die Gesprächspartner sich gegenseitig als verantwortliche Subjekte wahrnehmen.

 

Die gestalttherapeutische Haltung

Bei der Gestalttherapie handelt es sich um eine besondere Haltung, aus der individuell ganz unterschiedliche Arbeitsweisen erwachsen können. Die besondere Haltung besteht darin, dass die Therapeuten ihre Klienten darin unterstützen möchten, mündige Subjekte zu sein. Das setzt voraus, dass sie sich - auch schon im therapeutischen Prozess - als solche erleben und erfahren können. Die Worte erleben und erfahren sind hier nicht synonym gemeint. Erfahrung entsteht erst durch die Integration eines Erlebnisses. Integration aber ist ein bewusster Prozess. Die Klienten erleben sich den Gestalttherapeuten gegenüber als mündige Subjekte. Sie erleben sich als geschätzt und gewürdigt. Sie erleben das Zutrauen der Therapeuten in ihre Fähigkeiten und Kompetenzen (auch in solche, die sie noch nicht häufig, noch nicht immer, noch nicht umfassend, noch nicht selbstverständlich und selbstbewusst handhaben). Wenn sie sich dieses Erleben bewusst machen, reflektieren und annehmen können, wird daraus eine neue Erfahrung, auf die sie alternative Handlungsweisen aufzubauen vermögen.

Und wie machen Gestalttherapeuten das? Sie lassen ihre Klienten „(therapeutisch) arbeiten“, das heißt, sie unterstützen sie so, dass sie ihre Probleme erforschen und Lösungen auf die Spur kommen können. Nach dem Verständnis der Gestalttherapie geht es nicht darum, dass die Therapeuten „gute“ Lösungen für die Klienten oder mit den Klienten entwerfen, sondern darum, dass die Klienten die Lösungen selbst finden - Lösungen, die zu ihrem Leben, zu ihrem Körper und zu ihren Erfahrungen passen.

 

Fallbeispiel „Schüchternheit“

Einer meiner Klienten wollte seine Schüchternheit überwinden. In seinen Worten: „Ich will meine Schüchternheit nicht mehr. Ich will sie loswerden.“

Ich sagte ihm, dass ich seinen Wunsch zwar gut verstehen, aber diesen Arbeitsauftrag als sein Therapeut nicht annehmen könne. Er war zuerst irritiert - und dann sogar mehr als nur etwas ärgerlich. Nachdem er sich wieder beruhigt hatte, fragte er in immer noch scharfem Ton nach: „Und wieso nicht?“

Als Antwort stellte ich ihm meine gestalttherapeutische Haltung und Arbeitsweise vor und erklärte ihm, dass wir Gestalttherapeuten keine Therapieziele festlegen und dann darauf hinarbeiten, sondern das, was ist (also auch die Symptome, unter denen wir leiden), als etwas betrachten, was einmal eine kreative Problemlösung dargestellt hat und nicht selten überlebensnotwendig war. Das Symptom ist etwas ernst zu Nehmendes, nicht etwas Beliebiges, das wir einfach so wieder ablegen können, und das wir vielleicht gar nicht ablegen sollten. Natürlich hat er mich gefragt, warum ich „vielleicht nicht ablegen sollten“ gesagt hätte. Ich erklärte ihm, dass sein Problem eventuell nur das kleinere Übel sei.

„Das kleinere Übel?“

„Ja, das kleinere Übel, das Sie wahrscheinlich sogar vor größerem Übel bewahrt hat. Im Extremfall: Vielleicht gäbe es Sie gar nicht mehr, wenn Sie nicht so schüchtern (geworden) wären.“

„Warum das denn?“

Ich antwortete mit einer Gegenfrage: „Wo hätte Ihr Schüchternsein denn eine Problemlösung darstellen können?“

Er dachte eine Weile nach. Dann ging ein Ruck durch seinen ganzen Körper und er starrte mich mit weit aufgerissenen Augen an. „So habe ich das noch nie gesehen.“ Seine Stimme hatte ihre Schärfe, ihre Härte verloren. Er schwieg wieder eine Weile. Ich konnte sehen, wie es in ihm arbeitete. Er biss die Zähne zusammen. Blickte hin und her. Schließlich wurde er etwas ruhiger, lächelte ein wenig in sich hinein und begann zu sprechen: „Dann war sie ja ein richtiger Schutzschirm, meine Schüchternheit. Und hat mich behütet. Vor dem Jähzorn und der ungezügelten Gewalt meines Vater – ja vor allem vor seinen ständigen Abwertungen. Vor seiner Verachtung für mich.“ Jetzt lächelte er mich an. Noch ein wenig verlegen. Und dann fing er an zu strahlen. „Ja, jetzt verstehe ich, was Sie damit meinten, dass Symptome einmal Problemlösungen waren.“ Er nickte. Dann schwieg er wieder eine Weile, schüttelte den Kopf und sagte: „Aber heute doch nicht mehr. Heute sind sie doch keine Problemlösungen mehr. Die schaffen heute doch nur Probleme.“

Ich stimmte zu. Die Spannung in seinem Kiefer ließ sichtbar nach. Ich

schränkte ein: „Ja, es mag zunächst so aussehen. Doch auch heute noch ist Ihre Schüchternheit ein Schutzschirm.“ Ich sah, wie sein Kiefer sich wieder anspannte, und fuhr fort: „Der Schutzschirm Ihrer Schüchternheit bewahrt Sie auch heute noch davor, mit der tief verletzten, ja vielleicht sogar traumatisierten Stelle darunter in Berührung zu kommen. Unter diesem Schutzschirm liegt die alte Wunde, die frühere Verletzung. Wahrscheinlich handelt es sich sogar um eine Vielzahl von Verletzungen, nicht nur um eine einzige. Aber darüber hinaus schützt Ihre Schüchternheit Sie auch heute – nämlich davor, an dieser alten Stelle erneut verletzt zu werden.“

An diesem Punkt begann unsere eigentliche Arbeit. Mein Klient erforschte mit meiner Unterstützung weiter, wie ihn seine Schüchternheit geschützt hat und noch immer schützt.

Irgendwann fasste er zusammen: „Meine Schüchternheit verhindert, dass ich mich exponiere. Sie verhindert, dass ich ganz hinter dem Schutzschirm hervortrete, in die volle Sichtbarkeit. Damals hätte mich dann Vaters Verachtung mit voller Wucht getroffen und ich wäre schutz- und wehrlos gewesen.“ Leise fügte er hinzu: „Und ich dachte, ich wäre fertig damit.“

Der nächste Schritt bestand in der Erforschung der alten Wunde. Der Klient berichtete, wie sie entstanden war. Er erzählte von den unkontrollierten Wutausbrüchen seines Vaters, von den Schlägen die er hatte einstecken müssen, und von der Verachtung, die er erfahren hatte. Beim Erzählen kam er immer mehr in Berührung mit dem Schmerz, der sich unter seiner Schüchternheit eingekapselt hatte wie eine alte Entzündung.

Es überraschte meinen Klienten, dass er so lange nicht mehr an diese alten Erfahrungen gedacht hatte. Er glaubte, sie längst hinter sich gelassen zu haben. Aber wie denn, wenn er sich nicht hat spüren dürfen? Da er bisher nicht genügend Selbst- und Fremdunterstützung gehabt hatte, wäre er damit überfordert gewesen.

Die Heilung hat sich schließlich paradox eingestellt. Im Laufe einer anschließenden Gestalt-Jahresgruppe lernte er, seine „verhasste“ Schüchternheit mehr und mehr als zum ihm gehörig zu akzeptieren. Mehr noch: Er konnte sogar dankbar würdigen, dass er sich, schüchtern und zurückgezogen wie er war, aus der Schusslinie seines Vaters hatte halten können.

Und er hat gelernt, dass er heute mit diesem Schmerz, mit dieser Verachtung zunehmend besser umgehen kann. Damals wäre er damit überfordert gewesen. Damals hatte er niemanden, der ihn dabei hätte unterstützen können. Seine Mutter war lange krank und häufig im Krankenhaus gewesen. Also hat er sich immer mehr zurückgezogen. Heute ist er nicht mehr in derselben Situation. Heute kann er sich bei der Verarbeitung dieser Erfahrung ganz anders unterstützen. Und er kann sich Unterstützung holen, zum Beispiel bei mir, seinem Therapeuten.

Schließlich: Wenn er in der Therapie erfahren hat, dass er heute mit jenen vergangenen Verletzungen umgehen kann, dass er sie „behandeln“ kann, kann er es vielleicht auch hin und wieder riskieren, eine neue Verletzung zu erfahren. Das heißt, er kann sich eventuell auch einmal sichtbar machen und exponieren, wenn es notwendig ist, oder sogar, wenn er es möchte. Auch dann, wenn Verachtung droht.

 

Literatur

Erhard Doubrawa: Die Seele berühren. Erzählte Gestalttherapie. Peter Hammer, Wuppertal 2002

Erhard Doubrawa und Stefan Blankertz: Einladung zur Gestalttherapie. Eine Einführung mit Beispielen. Peter Hammer, Wuppertal 2000

Erhard Doubrawa und Stefan Blankertz: Lexikon der Gestalttherapie. Peter Hammer, Wuppertal 2005

Praxisadressen von Gestalttherapeuten/-innen

Foto: Erhard DoubrawaErhard Doubrawa (Foto: Hagen Willsch)

Erhard Doubrawa arbeitet seit vielen Jahren als Gestalttherapeut. Er ist Gründer und Leiter des »Gestalt-Instituts Köln/GIK Bildungswerkstatt«, wo er auch als Ausbilder tätig ist. Außerdem gibt er die Gestalttherapie-Zeitschrift »Gestaltkritik« heraus. Im Peter Hammer Verlag ediert er zusammen mit seiner Frau Anke, die als niedergelassene Psychotherapeutin tätig ist, eine Reihe zur Theorie und Praxis der Gestalttherapie. Von ihm erschien dort u.a. »Die Seele berühren: Erzählte Gestalttherapie«.

Diesen Artikel verfasste Erhard Doubrawa als Beitrag über Gestalttherapie für „Das große Buch der ganzheitlichen Therapien“ (hrsg. von Ruediger Dahlke, Integral Verlag, München 2007).

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