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Erving Polster
GESTALTTHERAPIE HEUTE
Transkript einer Demonstrationssitzung von Erving Polster
Mit Kommentaren aus der Sicht der Intersubjektiven Psychoanalyse von Donna Orange


Aus der Gestaltkritik 2/2008:

Gestaltkritik - Die Zeitschrift mit Programm aus dem Gestalt-Institut Köln
Gestaltkritik (Internet): ISSN 1615-1712

Themenschwerpunkte:

Gestaltkritik verbindet die Ankündigung unseres aktuellen Veranstaltungs- und Weiterbildungsprogramms mit dem Abdruck von Originalbeiträgen: Texte aus unseren "Werkstätten" und denen unserer Freunde.

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  Hier folgt der Abdruck eines Beitrages aus Gestaltkritik 2/2008:

Erving Polster
GESTALTTHERAPIE HEUTE
Transkript einer Demonstrationssitzung von Erving Polster
Mit Kommentaren aus der Sicht der Intersubjektiven Psychoanalyse von Donna Orange

Foto: Erving PolsterErving Polster

Bitte beachten Sie auch die Beiträge von Erving Polster in früheren Ausgaben unser Gestalttherapie-Zeitschrift "Gestaltkritik", sowie seine Buchveröffentlichungen in unserer "Edition GIK des Gestalt-Instituts Köln". Danke.

Einer der erfahrensten Gestalttherapeuten der Welt, Erving Polster, gibt bei einer Konferenz über Psychotherapie eine Demonstration seines Ansatzes. Seine Arbeit zeigt, wie lebendig seine beziehungsbezogene Methode ist. Die Intersubjektive Psychoanalytikerin Donna Orange hat dazu einen Kommentar für die Zeitschrift „Studies in Gestalt Therapy“ verfasst.

 

Vorbemerkung der Herausgeber der Zeitschrift „Studies in Gestalt Therapy“

Erving Polster ist ein Künstler der Gestalttherapie. Er ist seit den fünfziger Jahren als Gestalttherapeut tätig und hat zusammen mit seiner Frau Miriam tausende von Gestalttherapeuten in der ganzen Welt ausgebildet. In seinem persönlichen Stil verwirklichen sich alle entscheidenden Prinzipien der Gestalttherapie, auch wenn seine spielerische und manchmal wie Alltagsgespräch klingende Arbeitsweise über seine außerordentliche Kompetenz hinwegtäuschen kann.

Wir baten Donna Orange, eine Intersubjektive Psychoanalytikerin, zu einer der Sitzungen von Polster einen Kommentar zu verfassen. Bei dieser Sitzung handelt es sich um eine Demonstration während der 5. Konferenz „Evolution of Psychotherapy“ [Weiterentwicklung der Psychotherapie], die vom 7. bis 11. Dezember 2005 in Anaheim (Kalifornien) stattfand. Sie wurde von der Milton H. Erickson Stiftung auf DVD veröffentlicht. Die Transkription ist die erste offizielle Fassung und wurde von Polster autorisiert. Für ihren Beitrag zur Beschreibung nonverbaler Kommunika­tion während der Sitzung danken wir ­Ruella Frank. Ihre Beobachtungen des Nonverbalen haben das Transkript der sprachlichen Äußerungen sehr bereichert.

Der Kommentar von Orange schließt sich dem Transkript an.

Polsters Stil scheint sich aus vielen verschiedenen Richtungen der Psychotherapie zu speisen, von der Verhaltenstherapie bis zu psychoanalytischen Therapien. Kunstfertig stellt sich Polster mit unterschiedlichen Techniken auf die gegebene Situation ein. Doch dahinter steht, wie Orange bemerkte, eine tiefere Gemeinsamkeit in all seinen Arbeiten: „der elementare zwischenmenschliche Kontakt“, wie sie ihn nennt, der die Kraft hat, neue Erfahrungen zu vermitteln. Orange bemüht sich weniger um eine kühle Analyse von Polsters Sitzung, sondern stimmt eher einen kraftvollen Gegengesang an, in dem sie Aspekte zur Sprache bringt, die bei ihrer eigenen Arbeit mit Patienten entscheidend sind. Dabei benutzt sie andere Begriffe, doch sie verfolgt dieselben Ziele wie Polster.

Ist der Unterschied überhaupt nur eine Angelegenheit der Wörter? Keineswegs, denn Orange stellt auch Polsters Sicht in Frage und übt direkte Kritik an ihr. Sie meint, weil Polster das Verhalten der Klientin unbefragt gelten ließ, ohne eine mögliche „Geschichte“ dahinter zu erforschen, könne er auch nicht erkennen, wie sehr die Klientin den Therapeuten zu verführen sucht. Außerdem denkt Orange darüber nach, welche Risiken die Direktivität birgt, die für manche Gestaltarbeiten typisch ist. Sie hält Deutungsangebote für ein geeigneteres Mittel, um den Klienten bei der eigenständigen Formulierung von (Be-) Deutungen zu fördern. Dagegen könne die Direktivität mancher gestalttherapeutischer Interventionen dazu führen, dass Bedeutung in vorgefertigte Schemata gepresst werde.

Auf der einen Seite unterstreicht Orange, wie ähnlich auch in ihrem eigenen Stil die therapeutischen Ziele seien und wie grundlegend bei allem die Herstellung eines elementaren menschlichen Kontakts sei. Auf der anderen Seite verweist sie auf grundlegende Unterschiede in den Methoden, insbesondere darauf, wie direktiv unser Ansatz im Vergleich mit psychoanalytischer Deutungsarbeit sei. Insgesamt könne die Psychoanalyse allerdings von der Gestalttherapie lernen, wie wertvoll es ist, nahe an den Erfahrungen des Klienten zu bleiben. Die Brücke, die Donna Orange und Erving Polster zwischen den verschiedenen Sichtweisen errichten, ist außerordentlich interessant für unsere therapeutische Praxis.

 

Demonstrationssitzung von Erving Polster

Polster: (Setzt sich in seinem Lehnstuhl so zurecht, dass er sich an die Rückenlehne anlehnt. Seine Arme ruhen auf den Armlehnen, sein Brustraum ist geöffnet, ein Bein hat er über das andere geschlagen.) (1)

Klientin: (Sitzt senkrecht in ihrem Lehnstuhl. Ihre Schultern sind vorne leicht zusammengezogen, ihr Brustraum um die Schlüsselbeine ist eingeengt, ihre Arme und Hände ruhen auf den Oberschenkeln.)

Polster: Wo sollen wir anfangen?

Klientin: Tja, ich weiß nicht.

Polster: Tja, dann sitzen wir im selben Boot, nicht wahr? Es ist schön, wenn man unter gleichen Bedingungen startet.

Klientin: Ja, das fühlt sich ganz gut an.

Polster: Ja, auch wenn es nicht lange so gleich bleiben wird, denn dies muss Ihr „Ding“ werden.

Klientin: Ok, ja, das vermute ich auch.

Polster: Es gibt keinen Grund zur Eile. Ich meine, die Zeit muss nicht das erste sein, woran Sie denken. Wir haben einige Zeit zur Verfügung, eine halbe Stunde. Doch Sie müssen auch verstehen, dass wir nicht mehr als diese halbe Stunde haben. Und ich kann mir vorstellen, dass für Sie einige interessante Einsichten entstehen könnten. Aber es ist wie es ist, ok.

Klientin: Also, ich meine, was ich bisher schon mal mit einem Therapeuten besprochen habe, ist die Beziehung mit meinem Vater. Über die könnten wir jetzt reden.

(Sie atmet flach.)

Polster: Wir könnten? Aber wollen wir das auch?

Klientin: Also, es ist – ich möchte es. Ich meine, ich denke sowieso dauernd über sie nach.

Polster: Das ist die Frage. Sie sagten, dass wir darüber sprechen könnten. Ich kann also nicht sicher sein, dass Sie es wirklich möchten. Wer weiß, vielleicht nehmen sie nur den nächstbesten Hafen, wenn ein Sturm aufzieht.

Klientin: Oh, ja. (Nickt ein wenig.)

Polster: Ok. Ich bin kein Seemann, aber ich kenne das Phänomen.

Klientin: Es ist etwas, was ich früher schon getan habe, und es fühlt sich so an, als würde es sich fortsetzen.

Polster: Etwas, was Sie früher schon in Ihrer eigenen Therapie taten oder in einer Situation wie dieser hier?

Klientin: Nicht in so einer Situation, sondern in meiner eigenen Therapie. (Hände liegen auf den Oberschenkeln und halten einander fest.)

Polster: Gut, ich bin offen für alles im Verhältnis zu Ihrem Vater, wo Sie dran arbeiten wollen. Und Väter sind meiner Meinung nach wichtige Menschen. Ich war selber einer, ich bin es noch heute.

Polster + Klientin: (Beide nicken einander zu und lächeln dabei.)

Klientin: Ja, ich bin auch dafür offen. Also, zurzeit ist der Stand folgender: vor einem Jahr, also etwas mehr als einem Jahr, hatte ich beschlossen, mit ihm keinen Kontakt mehr zu haben. Ich habe ihn nicht mehr angerufen, ihm nicht mehr geschrieben und ihn nicht mehr gesehen. Das schien mir damals auch genau das Richtige zu sein, und ich schlage mich heute mit der Frage herum, ob das immer noch richtig für mich ist. (Nimmt beide Arme von den Oberschenkeln hoch, bewegt sie nach außen, Handflächen geöffnet, lässt sie dann rasch wieder auf die Schenkel herunterfallen und faltet sie zusammen.)

Polster: Liebe Güte, Sie scheinen noch voller Gefühle darüber zu sein, und gleichzeitig sieht es so aus, als wollten Sie sie davonschicken wie etwas, was vorbei ist. Warum kommen Sie darauf zu sprechen? (Macht die gleiche Geste wie die Klientin, nimmt beide Arme hoch, bewegt sie nach oben, die Handflächen geöffnet, lässt sie dann rasch wieder auf die Schenkel fallen und faltet sie zusammen.)

Klientin: Tja, es ist schon ein großes Thema.

Polster: Ja das ist es, ganz sicher.

Klientin: Also, ich hab dabei schon gemischte Gefühle.

Polster: Ja sicher. Erzählen Sie mir davon.

Klientin: Ja, auf der einen Seite möchte ich mit ihm eine Beziehung haben, er ist immerhin mein Vater, und das ist schon etwas Wichtiges. Und auf der anderen Seite ist die Beziehung mit ihm wirklich schmerzhaft, und sie weckt in mir viel Angst und Traurigkeit und Ärger, also lauter Gefühle, über die ich nicht gerade glücklich bin.

Polster: Das ist eine ganze Menge. Was passiert da genau? Was ist der Auslöser von alledem? (Lehnt sich plötzlich mit dem Oberkörper nach vorn.)

Klientin: Also in der Zeit vor diesem letzten Jahr – jedes Mal, wenn wir mit­-

einander telefonierten, und jedes Mal, bevor ich ihn traf, aber besonders dann, wenn ich mit ihm zusammen war, und manchmal sogar jetzt, wenn ich bloß an ihn denke … (Hebt die Brauen, zieht die Augenlieder leicht zusammen, öffnet immer wieder die gefalteten Hände und beweg die Handflächen für einen kurzen Augenblick nach außen, und schließt sie dann wieder.)

Polster: Was tun Sie, wenn Sie mit ihm Zeit verbringen?

Klientin: Das letzte Mal, als wir eine Zeit zusammen verbrachten, waren wir auf einer Rucksackwanderung unterwegs. (Öffnet und schließt weiterhin ihre Hände. Währenddessen bleibt ihr Körper weitgehend unbewegt.)

Polster: Oh, eine Rucksackwanderung. Und wie war die?

Polster: Klientin: (Lächeln sich an.)

Klientin: Sie war sehr (lachend) intensiv.

Polster: „Intensiv“, aha.

Klientin: Intensiv, denn nur wir beide waren unterwegs, so … (Beißt sich auf die Unterlippe.)

Polster: Mhm, ja. Aber erzählen Sie mehr über intensiv. Auf welche Weise intensiv?

Klientin: Also meine Gefühle ihm gegenüber – die Gefühle, die ich schon immer ihm gegenüber hatte – kamen bei unserer gemeinsamen Wanderung natürlich wieder hoch. (Streckt beide Unterarme nach vorne, die offenen Handflächen waagerecht.) Diese bekannten Gefühle von Frust und Ärger und (Lässt die Arme wieder in den Schoß sinken.)

Polster: (Erhebt sich halb aus dem Sessel, beugt sich leicht vor, setzt sich neu zurecht, unterbricht.) Wovon waren Sie frustriert?

Klientin: Naja, um nur ein Beispiel zu geben: wir waren in der Wildnis. Und er hatte vergessen …

Polster: (Unterbricht) Das war sehr mutig von Ihnen, mit einem Mann in die Wildnis zu gehen, mit dem Sie so viel Probleme haben.

Klientin: (Gedehnt) Jaaa, damals war es – (Breites Lächeln.)

Polster: (Unterbricht) Woher hatten Sie diesen Mut genommen?

Klientin: (Lacht.) Naja, damals hatte ich gedacht, es würde leichter, wenn ich mit ihm unterwegs bin, als wenn ich mit ihm da zusammen bin, wo ich wohne, nämlich in der Stadt. Zurückblickend beinhaltete diese Idee auch ein bisschen Angst und Befürchtungen – und vielleicht auch etwas Mut. (Gestikuliert mit den Unterarmen nach außen rechts und nach außen links, nimmt sie dann wieder auf die Oberschenkel zurück. Kneift abschließend die Lippen zusammen.)

Polster: Ja. Und vielleicht auch etwas Entschlossenheit.

Klientin: Die Entschlossenheit, dass es gelingen soll, dass die Zeit miteinander gut wird.

Polster: Die Entschlossenheit, dass es gut werden solle. Aber ich weiß nicht, ob Sie auch daran geglaubt hatten, dass es gut werden kann und wird?

Klientin: Ich glaube, einen gewissen Zweifel hab ich schon. Aber damals glaubte ich es einfach, und eigentlich glaub ich es heute noch.

Polster: Was an ihm ist es genau, worüber Sie so frustriert sind?

Klientin: Ich glaube, dass er sich nicht so ändert, wie ich es gerne hätte.

Polster: Oh, das ist typisch für Väter!

Klientin: (Lächelt)

Polster: Ihr Lächeln ist ein sehr wissendes Lächeln. Es ist interessant, wie wissend Sie dabei ausschauen, und wie überrascht sie darüber einen Moment lang waren. Vielleicht haben Sie mehr Ahnung als sie ahnen.

Klientin: Manchmal fällt es mir sehr schwer, was ich eigentlich weiß, auch auf diese besondere Beziehung anzuwenden.

Polster: Gut, ich würde gerne wissen, was dabei so schwer ist. Was ist es, was Sie in die Schwierigkeiten bringt?

Klientin: Also, ich würde gerne glauben, dass er sich ändern kann, weil er mir selber sagte, dass er sich geändert hätte.

Polster: Ändern in welcher Hinsicht? Das ist bisher alles so abstrakt, verstehen Sie? Und eines der Probleme im Leben ist gerade, von der Abstraktion loszukommen und sich den Besonderheiten und realen Gegebenheiten zuzuwenden, die das Leben bestimmen. (Öffnet die Arme und streckt sie der Patientin entgegen.)

Klientin: Ja, stimmt.

Polster: Und mir scheint, Sie sind an Abstraktionen hängen geblieben.

Klientin: (Lacht.) Ja, glaub ich auch.

Polster: Sie lächeln dabei. Aber ich bin mir nicht sicher, ob Sie verstehen, was ich meine.

Klientin: Gut, um in die Einzelheiten zu gehen, steht uns eine halbe Stunde zur Verfügung. (Hebt die Arme von den Oberschenkeln hoch, bewegt sie weit nach außen, nimmt sie dann schnell zurück und legt sie wieder auf dem Schoß zusammen.)

Polster: Haben Sie verstanden, was ich Ihnen sagte? Dass Sie möglicherweise mehr wissen, als Ihnen bewusst ist. Und dass Sie überrascht reagieren, wenn sie auf so etwas stoßen, das Sie vermutlich schon ahnten. Und dass Sie da, wo Sie abstrakt werden, von dem nichts wiederfinden, was Sie eigentlich wissen.

Klientin: Ich muss also konkreter werden, damit ich weiß, was ich weiß. (Gestikuliert ein wenig mit der Hand, während sie im übrigen unbewegt bleibt.)

Polster: Ganz genau, Sie haben es verstanden.

Klientin: Danke. (Breites Lächeln.)

Polster: Die Frage ist jetzt, bringen Sie das auch fertig?

Klientin: (Lacht, Publikum lacht auch.)

Polster: Ich werde Sie sicher nicht mit der Peitsche dazu antreiben. Aber OK.

Klientin: Also, um etwas genauer zu werden, ich, mein Vater war übergriffig und … (Bewegt Ihre Hände an den Handgelenken mehrmals nach außen und zurück, während sie auf den Beinen aufgelegt bleiben. Ihre Arme bleiben dabei unbewegt.)

Polster: Ein verletzender Vater, noch eine Abstraktion. Offenbar hat dieser Mann Sie verletzt. Doch was tat er? Warum titulieren Sie ihn als verletzend anstatt zu sagen, was er tat?

Klientin: (Presst mehrmals die Lippen zusammen) Er …

Polster: Ich will Sie nicht schelten. Aber verstehen Sie, wir müssen in einer solchen kurzen Sitzung eine Abkürzung nehmen.

Klientin: Er war, also er sagte absichtlich bestimmte Sachen zu mir, damit es mir schlecht ging.

Polster: Wie beispielsweise?

Klientin: Er machte sich immer lustig darüber, ich würde die ganze Zeit weinen. Er sagte, ich wäre zu gefühlvoll. (Lächelt.)

Polster: Oh je, was für ein Dummkopf war er da! Gefühle sind doch wunderbar. Ich mag sehr, wenn Sie lächeln. Leider weiß ich nicht genau, ob Sie auch selber Ihr Lächeln so mögen, denn es erscheint ziemlich automatisch. Und ich weiß nicht, ob Sie Ihr Lächeln überhaupt bemerken, und ob Ihnen klar ist, welch ein Segen Ihr Lächeln ist.

Klientin: (Atmung wirkt flach.) Das haben mir andere auch schon gesagt.

Polster: Andere haben das auch gesagt? Und, haben Sie es ihnen geglaubt?

Klientin: (Lächelt.) Ja.

Polster: OK.

Klientin: Es war ein Segen für mich, dass andere Menschen an mein Lächeln glaubten, anders als er.

Polster: OK, ja gut. Er sagt dagegen, Sie wären zu gefühlvoll.

Klientin: Genau.

Polster: Und dafür hat er Sie gescholten?

Klientin: Er machte sich darüber lustig, er riss darüber Witze, er gab mir Namen wie „armes kleines Häschen“. Und über so was muss ich immer weinen. (Bewegt die Hände an den Handgelenken, öffnet und schließt sie ein wenig ).

Polster: Ach, armes kleines Häschen.

Klientin: (Lacht.) Ja das hört sich irgendwie nett an, aber es war nicht nett, sondern …

Polster: Wirklich herabsetzend?

Klientin: Es war wirklich herabsetzend, und er wollte, dass ich hart würde.

Polster: Er wollte, dass Sie hart würden, ah ja, ah ja. Ich glaube, dass er – wenn er das einmal begreifen sollte – es bitterlich bereuen wird. (Lehnt den Oberkörper ein klein wenig vor, bewegt sich seitlich. Lehnt einen Ellbogen auf die Armlehne, stützt den Kopf in die Hand.)

Klientin: Das glaub ich auch.

Polster: Ja. Und können sie denn hart sein?

Klientin: Ja, das bin ich.

Polster: Oh, das sind Sie? (Richtet sich plötzlich höher auf, rückt im Sessel wieder in die Mitte und lehnt sich zurück)

Polster: Das hatte ich nicht gewusst. Wie? Auf welche Weise?

Klientin: Ja, in meiner Beziehung mit ihm. Ich war an dem Punkt angekommen, dass ich eine Grenze zog und sagte: So, wie unser Verhältnis ist, will ich es nicht. Darum (wegwischende Geste mit der Hand) will ich nun keine Beziehung mit dir haben.

Polster: Wie haben Sie das gesagt?

Klientin: So ähnlich wie ich das eben zu Ihnen sagte. Ich rief ihn an und sagte …

Polster: Das klingt wie eine klare Entscheidung, aber es klingt nicht hart. Wenn ich „hart“ höre, dann – denken Sie daran, ich wuchs in der Zeit der „Dead End Kids“ (2) auf.

Klientin: Gut, ich meine, ich nehme an, wir reden gerade darüber wie man „hart“ definiert? (Die Hände bewegen sich an den Handgelenken leicht nach außen und wieder zueinander zurück.)

Polster: Naja, wir reden darüber, wie weit Sie sich mit Ihrer Stärke Respekt verschaffen können, egal ob Sie das als „hart“ bezeichnen oder nicht, und ob Ihnen diese Stärke beim Umgang mit Ihrem Vater helfen kann, ohne dass Sie ihn zu jemandem machen müssen, der er gar nicht ist.

Klientin: (Gestikuliert mit Armen und Händen. Jetzt scheint ihr Rücken in die Bewegung einbezogen zu sein. Nickt mit dem Kopf.)

Polster: Ist es möglich (beugt sich vor), dass sich Ihr Vater nicht ändern wird?

Klientin: Ja.

Polster: Ist es wahrscheinlich?

Klientin: Ja.

Polster: Dann sollten wir – also das ist die Realität? Stört Sie ein bisschen Realität?

Klientin: Nein, keineswegs.

Polster: Ok, also was wollen Sie tun? Sie wissen, dass Sie einen Vater haben, mit dem Sie eine Beziehung unterhalten wollen, und dass er so ist wie er ist. Was machen Sie mit einem Kerl wie ihm?

Klientin: Ich glaub, wenn ich mit ihm in Beziehung sein will, muss ich das so hinnehmen. (Öffnet die Hände und schließt sie wieder, während sie die Augenbrauen kräuselt und den Kopf ein wenig nach vorne bewegt.)

Polster: Was heißt das für Sie, es so hinzunehmen? Bedeutet es, dass sie plötzlich zu einem Opfer seiner … (stockt, sucht nach den rechten Worten ) …Neckereien und dergleichen werden müssen?

Klientin: Genau das ist meine Zwickmühle. Deswegen bin ich so stutzig. (Wendet Arme und Hände nach außen und streckt sie Polster entgegen.)

Polster: Ich bin froh, dass wir dahin gefunden haben, wo Ihre Zwickmühle liegt. Sagen Sie etwas dazu. Finden Sie für Ihre Zwickmühle ein paar Worte.

Klientin: Ja weil das Aushandeln einer Beziehung mit ihm, wo ich zu ihm sage – also verstehen Sie, wo er etwas tut, was ich nicht leiden kann, wo er mich aufzieht, meinen Beruf durch den Kakao zieht, mich als Psychotante bezeichnet.

Polster: (Lacht. Publikum lacht.) Jetzt haben Sie einen Bündnispartner gefunden.

Klientin: Ich will das sagen. (Lacht, lehnt sich mit dem Oberkörper aus dem Sessel.)

Polster: Er zieht Sie mit Ihrem Beruf auf (breites Grinsen auf dem Gesicht), das ist ja eine ziemlich große Hänselei. Was sagt er denn?

Klientin: Also er ist Mikrobiologe, da hält er Psychologie für gar keine richtige Wissenschaft. (Öffnet und schließt ihre Hände, während sie auf dem Schoß liegen bleiben.)

Polster: Und wäre das für Sie nötig?

Klientin: Ja nein, aber weil ich es von ihm möchte, natürlich doch. (Die Klientin zieht die Brauen und den Mund zusammen.)

Polster: Sie sagen, Sie möchten es von ihm, und Sie sagen „natürlich“. Wieso?

Klientin: Weil er mein Vater ist, und ich will seine …

Polster: Da gibt es keine feste Kopplung. Väter mögen nicht immer, was ihre Töchter tun.

Klientin: Tut er auch nicht.

Polster: Mein Vater hat nie gewusst, was ich eigentlich mache. (Gelächter.)

Klientin: Er muss es ja nicht gleich mögen. Aber ich will, dass er es respektiert.

Polster: Wieso?

Klientin: Weil ich meine, dass mein Beruf mich ausmacht, und ich will, dass er mich respektiert. (Hebt beide Hände hoch und lässt sie schnell wieder auf den Schoß zurückfallen.)

Polster: Ihr Beruf macht Sie aus? (Großes Staunen im Gesicht.)

Klientin: Ein Teil von dem, was ich bin.

Polster: Einen Teil – das ist ein großer Unterschied. Lassen Sie uns diesen Unterschied im Blick behalten. Wie fühlen Sie sich eigentlich bei der Art, wie ich zu Ihnen spreche?

Klientin: Ich find sie gut. (Zieht den Mund zusammen.)

Polster: Sie finden sie gut. Und sie stellt etwas in Ihrem Inneren in Frage.

Klientin: Es fühlt sich wie eine behutsame Prüfung an.

Polster: (Lacht.) Eine behutsame Prüfung.

Klientin: (Nickt. Gestikuliert frei mit den Händen.) Ich empfinde es so, als würden Sie mich prüfen. Ich denke das ist ein Teil von Ihnen, der die Dinge ziemlich klar sieht.

Polster: Und selbst wenn ich nicht gerade behutsam bin, sind Sie mit meiner Art trotzdem ziemlich einverstanden. Was ist denn der Unterschied zu Ihrem Vater, wa-rum kommen Sie mit Ihrem Vater nicht aus, wenn er nicht behutsam ist?

Klientin: Er ist halt … (Nimmt den oberen Brustkorb zurück, wobei eine leichte Höhlung am Schlüsselbein entsteht.)

Polster: … mein Vater. (Lacht.)

Klientin: Er war … (stolpert über ihre Worte; weitet und öffnet nun ihren Brustrum wieder) überhaupt nie behutsam gewesen, er machte sich über mich lustig, er hatte keine Sanftheit für mich übrig. Es war boshaft.

Polster: Aber Sie sind jetzt kein Kind mehr.

Klientin: (Nickt.)

Polster: Und welche Wirkung könnte er heute auf Sie haben? (Zeigt mit Zeigefinger auf Klientin.)

Polster: ... und das ist eine andere Frage als die, wie er Ihrer Meinung nach heute sein sollte. Wie hört sich das für Sie an?

Klientin: Das klingt … nach der Wahrheit, glaub ich, ja. Ich hab wohl einen Teil in mir, der auf Prinzipien herumreitet, der kämpfen muss. Ich will Rache für die Fünfjährige. (Bewegt ihre Hände frei und macht gleichzeitig eine kleine Bewegung mit dem Oberkörper.)

Polster: Das ist eine unglaubliche Einsicht, die Sie gerade hatten. Sind Sie sich dessen bewusst? Könnten Sie das noch einmal sagen, damit Sie sich daran erinnern, dass Sie es gesagt haben? Sagen Sie es noch mal. Können Sie sich noch erinnern, was Sie sagten, es ist gerade 30 Sekunden her?

Klientin: Ich muss darum kämpfen, es geht ums Prinzip. So empfinde ich das.

Polster: Jaa.

Klientin: Irgendwie nehme ich heutzutage Rache für das Kind.

Polster: Genau. Das war ein Volltreffer. Und wie fühlt sich das an, wo Sie es jetzt ausgesprochen haben?

Klientin: Voller Kraft fühlt sich‘s an. Also, das ist ja auch ein großes Ding, was ich da gesagt habe.

Polster: Wie groß ist das Ding auf einer Skala von 1 bis 10?

Klientin: Es fühlt sich an wie eine 9.

Polster: Oho, ja, das ist groß.

Klientin: Ja, denn das ist der Kern unserer Beziehung.

Polster: Ja. Und nun, wo wir das Wissen, was müssen wir jetzt tun?

Klientin: Ich muss irgendwie herausfinden, wie Versöhnung möglich ist – irgendwie nicht, das oder vielleicht – ich will wirklich keine Rache. (Hebt die Arme vom Schoß, öffnet die Handflächen zu Polster hin.)

Polster: Tief in Ihnen drin ist eine Seite, die es will, und eine andere, die es nicht will, weil sie weiß, es hat keinen Wert für Sie. Es ist wirklich ein liegen gebliebenes altes Geschäft. Was mich jetzt sehr interessiert, ist nicht nur, wie Sie das in Bezug auf Ihren Vater lösen werden. Denn das ist zwar wichtig, aber nicht entscheidend. Wichtiger ist, ob es Sie sonst noch irgendwo im Leben bewegt, (setzt sich ein wenig weiter vor, drückt die Handflächen gegeneinander, wobei die Finger auf die Klientin weisen.) dieses Bedürfnis nach Rache, dieses Gefühl der Verletzbarkeit durch Abwertungen und ähnliches. Wir wolle ja nicht ihren Vater zu Ihrem ganzen Leben machen. Wie sehen Sie das?

Klientin: Ich glaube, das zieht in meinem Leben weite Kreise. (Zieht die Brauen zusammen.)

Polster: Weite Kreise, ja. Ist es Ihnen recht, darüber mehr zu sagen?

Klientin: Ich glaube, dass ich schon auf gewisse Weise in der Lage bin, Kritik anzunehmen und Rückmeldung anzuhören. Und ich kann auch, wenn Leute zu mir ge-mein werden und mich schlecht behandeln, dies aus einem gewissen Abstand sehen und dem den Raum zuweisen, der ihm gebührt. (Öffnet und schließt die Hände auf dem Schoß.)

Polster: Geben Sie ein Beispiel dafür.

Klientin: Ich messe ihm kein zu großes Gewicht bei.

Polster: Ah ja, gut ausgedrückt.

Klientin: Und ich meine auch, dass ich den Teil in mir ganz gut annehmen kann, der so ähnlich ist wie er. Den Teil, der Rache will und der es ok findet ein wenig ein Krieger zu sein. Ich kann es ok finden, wenn ich Rache will.

Polster: Ein Krieger, ah ja. Steckt in Ihnen also ein Krieger?

Klientin: Ja.

Polster: Ja. Du lieber Himmel. Immer wieder erlebe ich, wie sich direkt vor meinen Augen ein anderer Mensch entpuppt und man davon überrascht wird. Wobei ich übrigens den Krieger in Ihnen sehr gerne erlebe. Wissen Sie, der Krieger in Ihnen gibt mir Sicherheit. Denn wenn Sie ein Krieger sind, brauche ich mir keinen Kopf zu machen, wie ich Sie richtig behandle.

Klientin: (Legt die Ellbogen auf die Sessellehnen hoch, lässt die Hände gefaltet im Schoß. Sie lacht, das Publikum lacht.) Was wollen Sie damit sagen?

Polster: Aus Ihrem Lachen würde ich schließen, dass Sie schon etwas verstanden haben. Was meine ich wohl. Was glauben Sie, was ich meine? (Lächelt.)

Klientin: Also, als allererstes dachte ich: Lieber Himmel, will er jetzt wirklich gemein zu mir werden (lacht) und testen, wie ich reagiere?

Polster: Nein nein, gemeiner als ich schon war, werde ich zu Ihnen nicht werden. Andere mögen das wohl schon als gemein erlebt haben, Sie aber nicht. Ich kann etwas von Ihrer Stärke als Krieger spüren und weiß deshalb, dass Sie auf sich selbst aufpassen. Nicht gerade, dass Ihnen egal wäre, was ich hier alle Minute von mir gebe, aber Sie stehen an einem eigenen Standort jenseits von mir und jenseits Ihres Vaters, selbst dann, wenn Sie mit ihm und auch mit mir verbunden sein möchten, was ja durchaus möglich ist. Was meinen Sie, wie würde sich Ihr Vater fühlen, wenn er wüsste, dass Sie von seiner Art nicht so leicht verletzt werden können? (Zeigt mit den Fingern auf die Klientin.)

Klientin: Wenn ich nicht so verletzlich wäre durch seine Gedanken, oder …

Polster: Nein, nicht so verletzlich durch seine Spötteleien oder .. ich hab das Wort vergessen, das Sie vorhin benutzt haben.

Klientin: Gut, also ich glaube, einen gewissen Respekt vor mir hat er schon. Ich hab zum Beispiel noch eine Zwillingsschwester, mit der ging er ähnlich um, aber sie reagierte ganz anders darauf. Und ich hab erlebt, wie er vor ihr eine Menge Respekt hatte, weil sie ihm die Stirn bot. (Presst die Lippen zusammen.)

Polster: Ja (beugt sich vor), ja, was Sie noch finden müssen, ist also eine Form, ihm „die Stirn zu bieten“, wie Sie es gerade nannten. Das wird nicht einfach ein allgemeines Handlungsmuster sein, sondern Ihre ganze persönliche Art des Stirn-Bietens. Was würden Sie Ihrem Vater gerne sagen, um Ihre Standfestigkeit zum Ausdruck zu bringen?

Klientin: Ich würde ihm sagen: „Ich möchte mit dir ein gutes Verhältnis haben. Und jetzt, wo ich erwachsen bin (streckt sich nach oben, reckt das Kinn), jetzt möchte ich unsere Beziehung auch zum Teil nach meinen Bedingungen. (Zieht die Brauen zusammen.)

Polster: Können Sie fühlen, wie sich Ihr Kinn nach vorne reckt?

Klientin: (Lacht.)

Polster: Oh, wenn wir das auch in Ihrer Stimme umsetzen könnten, würde das viel helfen. Dieselbe Qualität, die sich im Kinn ausdrückt. Das würde ich gerne auch von Ihnen hören. Versuchen Sie es mal.

Klientin: Ich will eine Beziehung mit Dir, und ich will sie zu meinen Bedingungen.

Polster: Ja, und wir sollten das mit noch etwas mehr Betonung probieren, wenn es Ihnen recht ist. Sagen sie es, und machen Sie dabei etwas, was es unterstreicht und verstärkt. Stampfen Sie mit dem Fuß auf oder schlagen Sie auf den Sessel oder gehen Sie ein paar Schritte auf diese Art und Weise (macht es mit einer Faust in der Luft vor.). Machen Sie etwas, was das Gefühl verstärkt. Ich hätte gern, dass Sie es selber fühlen können und nicht bloß in Gedanken durchgehen.

Klientin: Ich will eine Beziehung mit Dir, und ich will sie zu meinen Bedingungen. (Lehnt sich nach vorn, stampft ein wenig mit dem Fuß auf.)

Polster: (Lacht.) Und wie fühlt sich das an?

Klientin: Das fühlt sich gut an.

Polster: Gut in welcher Weise?

Klientin: Es fühlt sich kraftvoll an.

Polster: Kraftvoll.

Klientin: Auf eine Art, dass ich mich mit meiner Kraft wohlfühle.

Polster: Und Sie haben sich dabei wohlgefühlt … wunderbar. Ok. Und was möchten Sie Ihrem Vater außerdem noch sagen?

Klientin: Welches meine Bedingungen sind.

Polster: Ok.

Klientin: Wobei ich mir bei denen selber nicht so ganz sicher bin. Das ist ja ein Teil meines Problems. (Lacht. Publikum lacht auch. Zieht die Brauen zusammen.)

Polster: Oh ja, das ist sehr wichtig. Denn Ihre Bedingungen sind ja nicht erfüllbar. Ihre Bedingungen sind, dass er nicht so ist, wie er ist.

Klientin: (Lippen schmal, Brauen zusammengezogen. Nickt.)

Polster: Das ist es, was Sie von ihm verlangen: Anders zu werden, als er ist. (Lehnt sich im Sessel nach vorn, drückt beide Hände aneinander und zeigt mit den Fingern beider Hände auf die Klientin.)

Polster: Und diese Bedingungen funktionieren nicht. Aber wir können mal sehen, ob wir nicht andere Bedingungen finden können. (Lehnt sich wieder zurück.) Fällt Ihnen irgendetwas ein?

Klientin: (Nickt.) Ich könnte mir vorstellen, dass wir über meine Bedingungen verhandeln könnten. Und ich denke auch daran, dass er vor mir jetzt öfters weint. Was mich nervt.

Polster: (Bewegt sich im Sessel rasch nach vorn, lässt sich dann zu einer Seite zurücksinken, lässt den einen Arm auf der Sessellehne ruhen, streicht sich mit einer Hand über den Kopf.) Oh mein Gott, was für eine Umkehrung! Erst klagen Sie darüber, dass er Sie als Kind nicht weinen lassen wollte, und jetzt geht der Mann hin, lernt von Ihnen wie von einem Lehrer seine Lektion, weint selber – und nun sagen Sie „Was machst du denn da? Weinst du?“

Klientin: So hab ich das nie zu ihm gesagt.

Polster: Nein nein, das haben Sie nie gesagt. Er weint einfach. (Setzt sich im Sessel wieder zurück.) Eine unglaubliche Entwicklung. (Lehnt sich erneut aus dem Sessel nach vorn, streckt den ganzen Oberkörper in Richtung der Klientin.) Und was sagen Sie dann zu ihm, wenn er am Weinen ist?

Klientin: Also meistens tröste ich ihn, weil sich der Retter in mir angesprochen fühlt. Sie verstehen, da weint jemand.

Polster: Der Retter in Ihnen – auch hier muss wohl wieder eine Abstraktion her, oder? Wäre es nicht genug, ihn zu trösten, wenn er weint, oder?

Klientin: Ich meine, dass noch etwas anderes im Spiel ist. Es entspringt nicht völlig unserer tatsächlichen Beziehung, ich bin innerlich nicht ganz beteiligt. Sondern ich denke mir für mich „was für ein Drama er veranstaltet und wie manipulativ er ist.“ Aber nach außen hin sage ich „Oh, es ist schon alles ok.“

Polster: Jaja. Aber Ihr Eindruck von Unechtheit oder wie Sie es nannten – manipulativ, nein, das sagten Sie nicht …

Klientin: Ich meinte unaufrichtig.

Polster: Unaufrichtig, ok. Aber die Sache ist die: Es gibt Momente der Echtheit, die sich durch alle Verkleidungen der Unaufrichtigkeit hindurch entfalten. Sie müssen ihn nicht zurückweisen, weil seine Geschichte nicht vollkommen stimmt. Ich wüsste gerne mehr über Ihre Reaktionen darauf, dass er heutzutage weint. Was haben Sie dazu gesagt? Und weil Sie sich schon als Retter bezeichneten: was haben Sie getan?

Klientin: Also, das letzte Mal als er vor meinen Augen in Tränen ausbrach, da ging ich zu ihm hin, verstehen Sie, und habe ihn in die Arme genommen.

Polster: Das haben Sie wirklich gemacht? Würden Sie mal sagen: „Erv, ich habe meinen Vater wirklich in die Arme genommen. Ja, wirklich.“

Klientin: Ich habe meinen Vater wirklich in die Arme genommen. Ja, wirklich“ (Ihre Stimme klingt sanft und heller.)

Polster: Überzeugen Sie mich. Das war noch nicht überzeugend.

Klientin: Ich habe meinen Vater in die Arme genommen, ganz wirklich. (Reckt die Stirn nach vorn, Oberkörper und Hände bleiben unbewegt.)

Polster: Ja, ja, ja. Und hat er es angenommen?

Klientin: Ja.

Polster: Wie hat er es angenommen?

Klientin: Er hat seine Arme um mich gelegt.

Polster: Oh wie schön. Wissen Sie, ich wäre in einer Million Jahre nicht im Traum darauf gekommen, dass es so weiter ging. Aber so war es. Das hört sich sehr schön an. Können Sie diese Schönheit selber empfinden?

Klientin: Das fällt mir echt schwer. (Presst die Lippen zusammen.)

Polster: Ja. Denn mit einem Teil von Ihnen passt sie nicht recht zusammen. Sie können sich nicht als ganz empfinden, etwas ist geteilt. In Ihnen ist noch so viel Empörung und Ärger, dass damit die Liebe nicht zusammenpasst. Aber jeder möchte sich ganzfühlen. Wohin also damit? Und wohin mit dieser Liebe?

Klientin: Was Sie gerade sagten.

Polster: Was?

Klientin: Was Sie gerade sagten, schätze ich sehr. Ich hatte das vorher nicht so gesehen …

Polster: Ja.

Klientin: … dass es da Platz für unsere Liebe gibt. (Öffnet die Hände, macht leichte Drehbewegungen.)

Polster: Ja. Ja. Sie können nicht Ihr ganzes Sein verändern, damit diese eine Sache mit hinein passt, die Sie zwar haben und die Sie auch wollen, die sich aber nicht damit verträgt. Wenn Sie sie annehmen, wird sie den Rest im Lauf der Zeit verändern, nicht auf einmal. Wenn Sie dieser Liebe eine eigene Wirklichkeit einräumen können, ohne dass damit Ihr ganzes bisheriges Leben neugeschrieben werden müsste.

Klientin: (Nickt.)

Polster: Ich glaube, es ist schön, Sie als Tochter zu haben. Und Ihr Vater sollte das wissen.

Klientin: Das weiß er. (Presst die Lippen aufeinander.)

Polster: Das weiß er? Ahaa, ja. Wie fühlt es sich an, das zu sagen?

Klientin: Ich weiß, dass er es weiß.

Polster: Sie wissen, dass er es weiß.

Klientin: (Neigt den Kopf nach rechts.) Ich meine, genau wie Sie sagten, dieser Teil von mir weiß das.

Polster: Ein Teil von Ihnen weiß das, der andere Teil von Ihnen weiß das, und jetzt weiß ich es, und alle Leute da draußen wissen es – wir alle wissen es. Vielleicht wird Ihnen das helfen, es selber noch umfassender zu wissen. Ja, versuchen Sie auszusprechen, was in Ihnen ist. Sagen Sie …

Klientin: Ich glaube, da liegen ein paar schwere Schritte vor mir, also ein paar echte Herausforderungen, was die Beziehung mit meinem Vater betrifft. (Presst die Lippen zusammen.)

Polster: Die Herausforderung besteht worin?

Klientin: Einen Raum zu schaffen für unsere Beziehung und für diese Liebe.

Polster: Ja, die Herausforderung besteht darin, die Liebe zuzulassen, bevor die ganze Änderung in Gang kommt, nicht erst danach. Wissen Sie, was ich meine? Die Liebe, die da ist, wird an Ihrer sonstigen Wandlung mitwirken. Würden Sie dagegen glauben, diese Wandlung müsse zuerst zustande gekommen sein, dann wird die Reise sehr lang.

Klientin: Sie war es schon.

Polster: Ja. Und Sie können sie jetzt abkürzen. Können Sie etwas sagen, was zu dieser Abkürzung passt, auch wenn es nicht dem Gesamtproblem völlig gerecht wird? Wenn Ihnen nichts einfällt, kann ich dabei helfen.

Klientin: Mein Vater ist unglaublich stolz darauf, dass ich meine Universitätsabschlüsse habe. (Nickt und lächelt.)

Polster: Oh ja. Ja, wie schön. Können Sie das annehmen? Können Sie es irgendwo in Ihrem Körper spüren?

Klientin: (Atmet zum ersten Mal tief ein, hebt eine Hand und legt sie leicht an die Brust.)

Polster: Jaa, das rührt Sie fast zu Tränen. Können Sie dem Weinen nachgeben? Sagen Sie „Ja“. (Lächelt.)

Klientin: (Lächelt. Atmet jetzt wieder flacher.)

Polster: Sie fühlen es, aber es kommt noch nicht heraus.

Klientin: (Nickt bestätigend.)

Polster: Das muss er auch nicht. Das muss er auch nicht. Ich spüre die Feuchtheit der Tränen in Ihnen, ich spüre den Wunsch nach dieser Offenheit, den Wunsch zur Überwindung des Grolls, und dass das Neue in Sie eintreten möge. Was möchten Sie mir gerne sagen?

Klientin: Ich danke Ihnen. Ich bin wirklich beeindruckt. (Nickt.)

Polster: Beeindruckt? (Blickt erstaunt.)

Klientin: Wie viele andere Therapiesitzungen habe ich schon mitgemacht, und das war auch gut so. Aber Sie haben mir dazu verholfen, dass ich die Dinge auf ganz andere Weise sehen kann. Sie wissen sicher selbst, was für ein großes Geschenk das ist. (Nickt.)

Polster: Ja. Aber dabei sollten Sie in Erinnerung behalten, dass Sie es sind, die das tut. Ich habe es nur festgestellt. Sie sind schon auf dem Weg der Weiterentwicklung. Lassen Sie sich davon weiterführen. Ich danke Ihnen sehr.

Klientin: Ich danke Ihnen so sehr.

 

Fragen aus dem Publikum

Wie kann man Gestalttherapie mit anderen Psychotherapien vergleichen?

Darauf kann ich keine ganz genaue Antwort geben. Aber ich weiß noch, wie es war, als ich zum ersten mit Gestalttherapie in Berührung kam. Das war, Entschuldigung, das war 1953. Damals wurde eine Reihe Workshops angeboten, und ein Freund von mir, der in der gleichen Stadt als Psychologe arbeitete, fragte mich: Diese Gestalttherapie, glaubst Du, dass die Zukunft hat? Und ich antwortete: Ja, ich glaube, das ist etwas mit Zukunft, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es beim Namen Gestalttherapie bleibt.

Ich war dieser Ansicht, weil es sich dabei um Leute handelte, die an Organisa­tion überhaupt kein Interesse hatten. Ihre Mentalität war die einer Gegenkultur. In ihr lag ein großer Reichtum, ich wurde von ihr sehr befruchtet und hatte auch viel Freude daran. Aber sich auf den Rhythmus der Dinge einzulassen, das war nicht ihr Ding.

Und dann begannen Leute, Fritz Perls als Musterbeispiel der Gestalttherapie hinzustellen. Sie pickten sich Einzelheiten heraus und meinten beispielsweise, wenn ich nicht mit der Technik des leeren Stuhls arbeite, mach’ ich gar keine Gestalttherapie. Doch es gibt nicht einen einzigen Moment, da ich keine Gestalttherapie mache. Alles, was Sie mich tun sehen, ist Gestalttherapie. Warum stelle ich das heraus? Weil das, was man tut, aus der Orientierung an einer Theorie erwächst, nicht aus der Imitation bestimmter Verfahren und Techniken. So ermöglicht mir z.?B. das Konzept der Kontaktgrenze, mit anderen Menschen in Verbindung zu stehen und mit ihnen verbunden zu sein und dabei eine Grenze zu wahren, die von beiden Beteiligten wechselseitig eingehalten wird.

Ein anderes wichtiges Konzept ist das Gewahrsein, das eine enorme Erweiterung gegenüber dem Konzept der Einsicht darstellt, denn Einsicht ereignet sich nur von Fall zu Fall, Gewahrsam kann aber einen Moment nach dem anderen stattfinden. Und ebenfalls grundlegend für Gestalttherapie ist das Experiment. Es bedeutet, dass man etwas, was sich bereits ereignet, hernimmt und durch eine gezielte Aktivität ausführen lässt – als ein Ausprobieren, wie man sagen könnte. Heutzutage wird das von vielen eingesetzt, und das ist auch nur richtig. Dabei könnte ich nicht einmal sagen, ob es speziell durch Gestalttherapie dazu kam, denn in vielen Dingen entwickeln sich die Therapiekultur und die Gesellschaft im Großen parallel zueinander. Die Dinge passieren gleichzeitig. So wurde auch das Konzept der Empathie gleichzeitig bei Rogers und bei Kohut ausgebaut. Die beiden wohnten sogar in derselben Stadt, haben sich aber vermutlich nicht einmal gekannt, zumindest gibt es darüber keine Klarheit. Eine bessere Antwort kann ich nicht geben, außer, dass dies Teil der Antwort ist.

 

Wodurch wird Erfahrung bedeutsam?
Kommentar von Donna Orange zu der Sitzung von Erving Polster

Es ist eine Ehre und Freude für mich, dass ich als Psychoanalytikerin und Philosophin mit einer intersubjektiven Sichtweise und der klinischen Sensibilität der Selbstpsychologie eingeladen wurde, zusammen mit Gestaltkollegen bei der Arbeit eines langjährigen und legendären Gestalttherapeuten teilzunehmen. Ich bin auch den Herausgebern dankbar, dass Sie mir das Transkript und den Video-Mitschnitt der Sitzung zur Verfügung stellen. Der multimodale Zugang, der wohl sowieso immer bedeutsam ist, war mir hier ganz besonders hilfreich.

In seiner Arbeit mit der Klientin vereint Dr. Polster seine Gestalt-„techniken“ – Kommentare zu Körperausdruck, Ansprache abwesender Anteile, Aufmerksamkeit auf unmittelbares Gefühlserleben, usw. – und den grundlegenden menschlichen Kontakt, der menschliche Erfahrung zu ändern und umzuformen vermag und sie „zur Geltung bringt“, wie er in einer Phase der Workshop-Diskussionen sagt, die nicht mehr transkribiert wurde (Polster 2005). Seine menschliche Wärme, sein begnadetes Timing und seine Gewandtheit in den verschiedenen Modalitäten – Sprache, Körper und Ausdruck – schaffen einen durchgehaltenen Kontrapunkt zu den Themen, Variationen und Melodien, ja sogar Dissonanzen, die für die Klientin und für uns Zuschauer, Zuhörer oder Leser in den Vordergrund treten.

Manche Annahmen, die ich aus dieser Arbeit, allerdings nicht aus gründlicher Kenntnis der Gestalttherapie erschließe, haben wir durchaus gemeinsam. Seine starke Konzentration auf die Patientin – „sie war meine ganze Welt“, sagt er später darüber (Polster 2005) – ähnelt sehr dem ungebremsten Wunsch zu verstehen und zu begleiten, der hoffentlich auch meine eigene Arbeit kennzeichnet. Wie Dr. Polster glaube auch ich, dass der Patient diese aufgreift und dann mit uns arbeitet. Dabei muß unser Verständnis gar nicht perfekt sein, vielmehr kommt es auf unseren Wunsch zu einfühlsamer Einschwingung an, oder wie er es wohl ausdrücken würde, zu Begegnung an der Kontaktgrenze. Das bedeutet auch, dass es nicht den einen richtigen Weg zu Reagieren gibt, keinen vorgegebenen Königsweg. Wir nehmen das, was uns in einem gegebenen Moment als wirksam erscheint, und wir bauen darauf, dass andere erforderliche Zugänge sich später eröffnen oder sich ihren eigenen Weg bahnen. Durch die Beziehung, die wir miteinander aufbauen und die immer im Hintergrund weiterläuft, wird die Erfahrung zur Geltung gebracht.

Wo nun könnte ich – ohne für andere Psychoanalytiker mitreden zu wollen - anders arbeiten? Die Antwort hierauf ist vielschichtig, und sie betrifft einerseits mich selbst – wer anderes könnte ich sein als ich, fragt Dr. Polster –, andererseits meinen Hintergrund in der Psychoanalyse der Beziehungen und der Selbstpsychologie, aber auch in der Philosophie. Oft frage ich mich, wie ich mich fühlen würde, wenn ich eine Patientin des Theoretikers oder Klinikers wäre, den ich lese bzw. höre. Bei Dr. Polster hätte ich mich abwechselnd geschmeichelt und gelähmt gefühlt. Ich hätte in dieser Situation gewußt, daß ich vor Publikum mit einer Legende von Thera-peut arbeite, und ich hätte seine persönliche Wärme und sein Bedürfnis nach menschlichem Kontakt gespürt. Doch mit hoher Wahrscheinlichkeit hätte ich auch starke Gegenreaktionen gehabt – wegen der Unterbrechungen, dem scheinbaren „Fahrplan“ der Arbeit, den Schuldzuweisungen und der Wissenheit des Therapeuten. Ich glaube, als seine Patientin hätten diese Verhaltensweisen für mich bedeutet, daß er mich mit kritischen Augen betrachtet und mit meiner Verletzbarkeit unfreundlich umgeht. Was seine Überzeugung betrifft, daß die Patientin eigentlich schon wisse, was sie wissen muß, und nur noch ihr Wissen zur Anwendung bringen müsse, mag in diesem speziellen Fall berechtigt sein. Sie mag in einer Demonstration gut funktionieren.

Aber ich würde mich sehr damit zurückhalten, die Behauptung einer Patientin, sie sei verletzt worden, als Abstraktion zu bezeichnen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie ist, unter der Knute eines Vaters zu leben, der mit einem Messer wirft. Und ich glaube, an der Stelle der Patientin hätte ich in diesem Augenblick über den Therapeuten das Urteil gefällt, daß er nicht wirklich kennen lernen will, wie mein Leben aussieht und warum die Beziehung mit solch einem Vater so schmerzlich ist. Ihr anfängliches Zögern, konkreter zu werden, kann unterschiedliche Bedeutungen haben. Als Kliniker würde ich sie einladen mir zu erzählen, ob es dazu noch eine Hintergrundgeschichte gibt, auch wenn wir zu der Entscheidung kommen würden, daß hier nicht der rechte Ort für Details sei. Als Dr. Polster eingangs feststellte, daß er selber Vater ist, hätte ich sogleich die Vermutung gehabt, daß er von mir Reaktionen braucht, durch die er sich als Vater gut fühlen kann – Väter sind nicht wirklich so verletzend, und man kann sie ja sowieso nicht ändern, nicht wahr. Daher kann eine Klientin – und nur sie könnte uns in diesem Fall darüber Auskunft geben – das Gefühl haben, sie müsse sich dem Programm anpassen und ihm folgen, sie müsse dem Therapeuten das sagen, was ihm anscheinend zu hören ein Bedürfnis ist. Sicherlich, auch Väter können weinen, und auch Töchter können trotz Verletztheit und Ärger ihre Väter wirklich lieben. Doch als Kliniker würde ich mich mit Ansichten über das Leben, die Eltern und dergleichen stärker zurückhalten und die Auffassungen und Perspektiven hierzu mehr beim Patienten entstehen lassen.

Natürlich hat die Psychoanalyse sowieso eine Neigung dazu, langsamer vorzugehen. Selbst wenn wichtige Einsichten innerhalb einer halben Stunde auftauchen können, kommen sie üblicherweise nur als Frucht einer langen und sorgsamen dialogischen Einschwingung zweier subjektiver Erfahrungswelten aufeinander zustande. Wir versuchen, uns dessen bewußt zu sein, wie viel an eigener Geschichte und emotionalen Erfahrungen wir in eine Begegnung mitbringen und wie sehr wir ganz unvermeidlich dauernd sieben und deuten. Und so versuchen wir auch auf eine Weise zuzuhören, daß wir merken, wann uns Patienten auf unsere eigenen unreflektiert eingebrachten Auffassungen hinweisen wollen. Wir haben das Verständnis, das jede unserer Antworten auf einen Patienten eine Interpretation in einem Dialog der Bedeutungen darstellt. Für mich lassen sich Gewahrsein und Interpretation nicht trennen. Sich gewahr zu werden ist fast immer das gleiche, wie in einem Kosmos von Bedeutungen zu leben. In Dr. Polsters Abneigung gegen Schubladendenken, die ich mit ihm gemein habe, wird anerkannt, wie sehr unsere Erfahrungen durch unsere Erwartungen vorgeprägt sind. Das ist wohl das, was in der Gestaltpsychologie als Erwartung der Vollständigkeit bezeichnet wird, als ein Empfinden dafür, daß alles zusammen eine Ganzheit bilden sollte, der die Einzelheiten unseres unmittelbaren Gewahrseins als Bestandteile zugehören.

Zusammenfassend bin ich der Meinung, daß man an Dr. Polsters Arbeit mit der Klientin erkennen kann, wieviel Gemeinsamkeiten zwischen Gestalttherapie und einer an Beziehung und Empathie orientierten Psychoanalyse bestehen. Ganz besonders erkenne ich an ihr, wieviel wir Psychoanalytiker von der Erfahrungsnähe und Kontaktorientierung der Gestalttherapie lernen können.

 

Quellen

Polster, E. (2005). The union of humanity and technique [Video]. Therapy demonstration presented at Evolution of Psychotherapy 5th Conference, December 7–11, 2005, Anaheim. Die DVD wurde von der Milton H. Erickson Stiftung produziert und kann direkt bei ihr bestellt werden: http://www.ericksonfoundationstore.com/proddetail.asp?prod=EP05%2DCD9

 

Fußnoten

(1) Anmerkung des Übersetzers: Die Hinweise auf nichtsprachliches Verhalten folgen der englischen Ausgabe. Um zu einem vollständigeren und zutreffenderen Bild zu gelangen, empfiehlt sich, den Videomitschnitt anzusehen. Bezugsquelle der DVD am Ende.

(2) New Yorker Theatertruppe in den dreißiger Jahren. http://en.wikipedia.org/ wiki/Dead_End_Kids

Praxisadressen von Gestalttherapeuten/-innen

Foto: Erving Polster

Erving Polster

Erving Polster, Ph.D., gehört zu den bekanntesten Gestalttherapeuten der Welt. Vor fast 30 Jahren veröffentlichte er - gemeinsam mit seiner 2001 verstorbenen Ehefrau Miriam - das Grundlagenwerk "Gestalttherapie. Theorie und Praxis der integrativen Gestalttherapie" (als erweiterte Neuauflage 2001 in unserer Edition des Gestalt-Instituts Köln im Peter Hammer Verlag erschienen).

Doch schon weit länger ist er - u.a. im Rahmen des Gestalt Training Center, San Diego/Kalifornien - als Gestalttherapeut und Ausbilder tätig.

Aus seiner intensiven Therapie- und Lehrtätigkeit sind zahlreiche weitere Veröffentlichungen hervorgegangen - so auch die folgende Sammlung seiner Artikel zur Praxis der Gestalttherapie - wieder gemeinsam mit seiner Ehefrau: "Das Herz der Gestalttherapie. Beiträge aus vier Jahrzehnten" (erschienen 2002 ebenfalls in unserer Edition).

Erving Polsters neuestes Buch „Uncommon Ground: Harmonizing Psychotherapy & Community To Enhance Everyday Living“ wird im Frühjahr 2009 als deutsche Übersetzung von Ludger Firneburg in unserer „Edition GIK des Gestalt-Instituts Köln im Peter Hammer Verlag erscheinen (dt. Titel: Zugehörigkeit. Eine Vision für die Psychotherapie).

 

Donna Orange

Donna Orange ist Lehrtherapeutin, Supervisorin und Leitungsmitglied des ISIPSe in Rom (Istituto di Specializzazione in Psicologia Psicoanalitica del Sé e Psicoanalisi Relazionale) [Institut für die Spezialisierung auf die psychoanalytische Selbstpsychologie und die Psychoanalyse der Beziehungen], und sie ist Lehrtherapeutin und Supervisorin am Institute for the Psychoanalytic Study of Subjectivity in New York [Institut für psychoanalytische Studien der Intersubjektivität]. Sie ist Verfasserin von Emotional Understanding: Studies in Psychoanalytic Epistemology (Guilford Press, 1995) und schrieb zusammen mit George Atwood and Robert Stolorow Working Intersubjectively: Contextualism in Psychoanalytic Practice (Analytic Press, 1997).

 

Zum Beitrag auf dieser Seite

Der nebenstehende Beitrag basiert auf einem Workshop, den Erving Polster 2005 auf einer Konferenz der Milton H. Erickson Foundation gegeben hat und der bei der Foundation als DVD erhältlich ist. Weitere Infos dazu am Ende des Beitrags. Er ist zuerst erschienen in „Studies in Gestalt Therapy: Dialogical Bridges“, Volume 1, Issue 2 – 2007 (Titel der Ausgabe: Contact and Intrapsychic Perspectives). Aus dem Englischen von Thomas Bliesener.

Für die freundliche Genehmigung der deutschen Erstübersetzung danken wir den Herausgebern der Zeitschrift „Studies in Gestalt Therapy“ (Hg. Dan Bloom, Margherita Spagnuolo Lobb und Frank-M. Staemmler), Donna Orange, sowie der Milton H. Erickson Foundation.

Bibliographische Angaben: Polster, E. (2005). The union of humanity and technique [Video]. Therapy demonstration presented at Evolution of Psychotherapy 5th Conference, December 7-11, 2005, Anaheim, CA. DVD produced and distributed by the Milton H. Erickson Foundation, http://www.erickson-foundation.org.

 

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