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Erinnerungen an Laura Perls,
die Mitbegründerin der Gestalttherapie


Aus der Gestaltkritik 1/2006

Gestaltkritik - Die Zeitschrift mit Programm aus dem Gestalt-Institut Köln
Gestaltkritik (Internet): ISSN 1615-1712

Themenschwerpunkte:

Gestaltkritik verbindet die Ankündigung unseres aktuellen Veranstaltungs- und Weiterbildungsprogramms mit dem Abdruck von Originalbeiträgen: Texte aus unseren "Werkstätten" und denen unserer Freunde.

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Praxisadressen von Gestalttherapeuten/-innen

  Hier folgt der Abdruck eines Beitrages aus der Gestaltkritik 1-2006:

Erinnerungen an Laura Perls,
die Mitbegründerin der Gestalttherapie

 

Foto: Laura PerlsLaura Perls, Foto Mitte der 1980er Jahre, © Theo Skolnik

Mit der Geschichte der Gestalttherapie wird immer noch fast ausschließlich Fritz Perls verbunden. Der Beitrag seiner Frau Laura (1905 - 1990) bleibt häufig unerwähnt, obwohl sie von Anfang an maßgeblich an der Entwicklung dieses psychotherapeutischen Verfahrens beteiligt war.
Und nicht nur das. Laura Perls steht für einen ganz besonderen Stil: für liebevolle Aufmerksamkeit, für Wohlwollen, Einfühlungsvermögen und Unterstützung der KlientInnen in einer sehr bodenständigen Arbeit. Eben für die »mütterliche« Dimension der Gestalttherapie.
Im Folgenden drucken wir aus unserem neuen Buch »Meine Wildnis ist die Seele des Anderen« die Erinnerungen von bekannten US-amerikanischen Gestalttherapeuten an Laura ab.

Der Herausgeber

P.S. In unserer Zeitschrift "Gestaltkritik" sind zahlreiche Beiträge von, mit und über Laura Perls erschienen, die alle in voller Länge online verfügbar sind.

Erinnerungen an Laura Perls,
die Mitbegründerin der Gestalttherapie

Anne Leibig

Workshop im Gestalt Institute of Cleveland, Ostern 1986. Ein Kreis von 16 Teilnehmern. Laura saß direkt mir gegenüber auf einem gemütlichen Sofa; ihre nackten Füße ruhten auf zwei dicken Kissen. Eine kleine Frau von 81 Jahren mit kurzen, nach hinten gekämmten Haaren.

Zu Beginn unseres Treffens sagte sie, was sie sah: einige der Anwesenden wirkten aufmerksam, interessiert und neugierig, andere ließen ihren Blick in die Ferne schweifen. Einen Mann sprach sie darauf an, dass er einen Fuß auf dem Boden, den anderen über das Bein gelegt hatte. Dann sah sie mich an und sagte, ich hätte nicht genügend Unterstützung für meine Wirbelsäule. Jeder Mensch hätte zwar eine Fassade, aber um zu sehen, wie jemand sich unterstützt, müsste man auf die Wirbelsäule achten. Ich setzte mich aufrecht hin und war glücklich, dass Laura mich gesehen und aufgefordert hatte, mich besser zu unterstützen. Ein guter Anfang für mich!

Nachdem einige Teilnehmer gearbeitet hatten, sagte ich, dass auch ich gerne arbeiten würde. Sie bat mich, näher zu kommen, weil sie mich aufgrund der Lichtverhältnisse schlecht sehen könne. Ich erzählte ihr, dass ich mich zu diesem Workshop angemeldet hatte, um sie zu sehen. Sie forderte mich auf, meine Sprechweise zu übertreiben – lächelnd, aber mit geschlossenen Zähnen. Ich sagte, dass ich bei dieser Art zu sprechen das Gefühl bekäme, sie auffressen zu wollen. Sie lächelte und sagte, sie wisse nicht, ob sie ein so leckeres Häppchen sei.

An diese Anfangsszene erinnere ich mich noch sehr gut, während die darauf folgenden 30 Minuten in meiner Erinnerung verschwimmen. Ich kaute und verdaute ein paar Happen. Sie meinte, ich ginge zu schnell vom »Ich-Du« zum »Wir« über. Als ich mich innerhalb der Gruppe an eine schwangere Frau wandte, hatte ich den Wunsch, ihren Bauch zu berühren und ihr Kind zu spüren. Danach wandte ich mich wieder Laura zu und wollte ihre Zehen berühren, mit denen sie hin und her wackelte. Mir fiel auf, dass ihre Finger und Zehen permanent in Bewegung und voller Energie waren. Ich berührte sowohl den Bauch der schwangeren Frau als auch Lauras Zehen. Ich fühlte Scham und Erregung, und mir wurde klar, dass Kontaktaufnahme für mich mit dem Wunsch nach Essen und Berührung verbunden ist.

 

Bruce Eckman

Laura turned perils into pearls. [Laura verwandelte Risiken in Juwelen.]

In Dankbarkeit

 

Yaro Starak

Toronto, Kanada, September 1974. Ich bin im dritten Jahr meiner gestalttherapeutischen Ausbildung am Gestaltinstitut Toronto. Einmal im Monat trifft sich die Ausbildungsgruppe für ein Wochenende. Diesmal steht allerdings etwas Besonderes auf dem Programm: Laura Perls kommt zu uns in die Gruppe.

Wir haben natürlich schon etliche Geschichten, Anekdoten und Erzählungen über Laura gehört. Die Gruppe besteht aus vierundzwanzig Teilnehmern, und als wir am Samstagmorgen mit ihr zusammenkommen, fühle ich mich mit einem Mal überwältigt von dieser kleinen Person, die so ungeheuer viel Energie ausstrahlt – vor allem durch ihre Augen. Ihre Augen sind lebendig, wach, suchend, neugierig, sie lächeln und sprechen. In jeder Begegnung mit einem von uns kommt ihre Neugier und ihr tiefes Interesse zum Ausdruck; sie scheint geradewegs in unser Inneres zu blicken, und dieses Interesse zieht sich nicht nur durch ihre Arbeit, sondern ist auch in den Pausen, beim Mittag- und beim Abendessen noch spürbar.

Sonntagmorgen. Ich sitze hinter einer großen Couch, habe meine Arme und meinen Kopf auf die Rückenlehne gestützt und schaue Laura beim Arbeiten zu. Als sie die Arbeit beendet hat, sieht sie mich mit ihren großen, neugierigen Augen an, und mir wird kalt.

»Junger Mann«, sagt sie, »komm doch bitte hinter dieser Couch hervor und sprich mit mir.«

»Ja«, … ich bemerke, wie leise ich ihr antworte und spüre einen starken Sog von ihr ausgehen. Es ist, als zöge mich ein Band, das in ihren Augen anfängt, direkt zu ihr hin.

»Bitte«, sagt sie, »erzähle mir von deiner Kindheit. Wie bist du aufgewachsen?«

Ohne zu zögern erzähle ich ihr, dass ich im ersten Monat des Zweiten Weltkriegs geboren wurde, wie meine Familie aus Osteuropa fliehen musste, von den Bomben, der Angst meiner Mutter und dem Tod meines Vaters als ich zwei Jahre alt war.

Laura hört aufmerksam zu – mit ihren Augen. Sie lächelt still und sagt: »Und nun zeig mir bitte wie du aufgewachsen bist, aber erzähl mir die Geschichte mit deinem Körper und deiner Bewegung.«

Ich kauere auf dem Boden – in der Haltung eines Embryos, stütze mich allmählich auf meine Hände und Füße und stehe schließlich auf.

Laura sieht mich aufmerksam an und folgt mit ihrem Blick jeder meiner Bewegungen. Als ich schließlich aufrecht stehe, sagt sie:

»Mir fällt auf, dass in deinem Aufwachsen ein Schritt fehlt.«

»Oh«, antworte ich überrascht.

»Ja, du hast die Krabbelphase übersprungen; du bist ein junger Mann in großer Eile.«

»Du kannst dir jetzt mehr Zeit lassen«, sagt sie. »Der Krieg ist vorbei – du brauchst nicht mehr so zu hasten.«

Diese kurze Arbeit mit Laura ist für mich von enormer Bedeutung. Mein ganzes Leben war wie ein Krieg – ein Krieg gegen mich selbst, in dem es nur wenig Befriedigung, aber um so mehr Angst gab. Inzwischen bewege ich mich mehr mit den Gezeiten des Lebens und habe meinen Weg und meine Richtung gefunden. Ich bewege mich ruhiger, langsamer; wenn nötig krabbele ich, und wenn ich will, laufe ich. Ich habe ein Ziel, eine Richtung und lebe ein friedliches und erfolgreiches Leben.

Danke Laura.

 

Steve Hendlin

Meine schönste Erinnerung an Laura geht auf das Jahr 1974 zurück, als ich ihr in einem Workshop in Los Angeles begegnete. Damals war ich fünfundzwanzig Jahre alt und studierte in San Diego. Nach dem Workshop suchte sie eine Mitfahrgelegenheit nach San Diego, wo sie an einer Konferenz der American Psychological Association teilnehmen wollte, also bot ich ihr an, sie zu fahren, hatte allerdings Sorge, dass mein kleines Auto zu unbequem für sie sein könnte.

Wir verabredeten, uns am nächsten Morgen in ihrem Hotel zu treffen. Als ich sie im Café des Hotels traf, fing sie an zu kichern und meinte: »Siehst du den jungen Mann da drüben? Er hat mit mir geflirtet!"

Während der Autofahrt war Laura sehr freundlich und warmherzig und zeigte ein ehrliches Interesse an meinem Studium und meinem Leben. Sie ermutigte mich, Gestalttherapeut zu werden und sagte, dass sie meine Beiträge in der Gruppe sehr geschätzt habe. Ich erinnere mich noch ganz genau, wie mir klar wurde, dass ich das Privileg hatte, die exklusive Gesellschaft einer genialen Psychotherapeutin zu genießen, einer Meisterin ihres Fachs, der Mitbegründerin der Gestalttherapie, und dass diese Gelegenheit wahrscheinlich nie mehr wiederkehren würde (ich hatte Recht). Nach einer Weile fing sie an, mir sehr persönliche Dinge über ihre Beziehung zu Fritz zu erzählen. Ich war erstaunt, wie offen sie mir gegenüber war, einem jungen Mann, den sie lediglich als Teilnehmer an einem dreitägigen Workshop kannte.

Ich erinnere mich, wie sinnlich sie war und wie sprudelnd und ungeniert sie ihre Erregung zeigte. Wir sprachen über Meditation, über ihre jungen Jahre, wir redeten über verschiedene Leute aus der Gestaltszene und erzählten uns gegenseitig, wie wir sie sahen und erlebten. Viele dieser Leute waren ihre Schüler gewesen, und ich war jetzt deren Schüler. Ich genoss jede Sekunde dieser Begegnung und als wir schließlich ankamen, wollte ich sie nicht einfach so gehen lassen.

Ich nahm ihre Koffer und brachte sie in die Empfangshalle des Hilton Hotels. Da sie nicht reserviert hatte, fragte der Portier nach ihrem Ausweis. Laura antwortete, sie habe keinen Ausweis, was mir ein bisschen merkwürdig vorkam, denn immerhin befand sie sich auf einer längeren Reise quer durch das ganze Land. Dennoch war ich drauf und dran zu sagen: »Mann, wissen Sie nicht wer das ist? Das ist Laura Perls, also geben Sie ihr sofort ein Zimmer!« – Ich sagte es nicht, Laura bekam ihr Zimmer auch so und lud mich dann zum Mittagessen ein, was ich freudig annahm.

Als es Zeit wurde, uns zu verabschieden, küsste ich sie auf den Mund, und das brachte sie in Verlegenheit. Auf dem Weg zu meinem Auto fiel mir auf, dass ich meinen Tabakbeutel auf dem Tisch liegengelassen hatte – natürlich ein unbewusster Ausdruck meines Wunsches, den Kontakt nicht zu beenden. Als ich also wieder hereinkam, um den Beutel zu holen, gab ich ihr noch einen Abschiedskuss.

 

Zelda Schemaille

Laura Perls – Eindrücke

(Von Oktober 1988 bis Februar 1990 nahm ich bei Laura an einer Intensivgruppe für Therapeuten teil. Ich vermisse dich, Laura.)

Das Apartment – 7 West 96th Street – 7C – Die Tür – Renate Perls.

Laura Perls.

Der Eingang – ein überlebensgroßes Foto von Fritz, mit geschwollenen Augen. Die Küche – klein, bewohnt – ein Topf mit heißem Wasser, Dosen mit Kräutertees, Keksen, Käse, Trauben und Bananen – alles für uns zum essen.

Das Wohnzimmer, in dem sie arbeitet – in der Ecke der Stutzflügel – darauf die Notenbücher vom Schirmer-Verlag, ein rostroter Teppich und ein rostrotes Samtsofa – und »ihr« Platz in der gegenüberliegenden Ecke, mit einem übergroßen Sessel, auf dem sie ihre Beine ausstrecken kann, und einem Kissen für ihren Rücken. Die Bücher aufgereiht auf dem Regal – Gestalt, Psychologie, Spiritualität etc. Auf dem Regal steht ein Bilderrahmen mit einem kleinen Foto von Fritz. Ich sehe keins von Laura. Einige moderne Gemälde an den Wänden und vereinzelt ein paar Plastiken. Wenig Ordnung – wenig Farbe – ein paar Begrenzungen. Es ist einfach.

Der Raum ist kein Ausdruck von Reichtum – auch nicht von Armut, sondern eher von einer vergangenen Zeit, als sein Inhalt wichtiger gewesen sein mochte.

17. Februar 1990 (Ihre letzte Sitzung mit uns)

Laura sagt: »Der größte Teil des Universums ist unbekannt. Michael Vincent Miller sprach im Institut über die ›Psychologie des Unbekannten.‹ Ich weiß nicht genau, was er damit gemeint hat. Wollt ihr es wirklich wissen?«

Wusste sie es? Was wusste Laura an diesem Tag, was sie nicht wissen wollte? So weit ich weiß, war es ihr letzter Tag als Trainerin.

Bevor Laura an diesem Tag kommt, berichten S. und A. der Gruppe, dass sie Renate getroffen hätten, die gesagt habe: »Laura stirbt.« Sie gab ihnen die Schlüssel für das Apartment und fuhr zum Workshop.

S. fängt an mit Laura an einem Traum zu arbeiten. Während der Arbeit schläft Laura ein. Ist das echt, oder will sie R. frustrieren und ihre Aggression hervorlocken?

Es ist echt. Sie verlässt uns, um sich auszuruhen. Wir lachen, haben Angst, werden wütend und traurig. Wir tauschen Gedanken aus: über den Tod und was danach kommt.

Eine Stunde später. Laura taucht wieder auf. Ihr Gesicht ist rosig und voller Energie. Sie nimmt ihren Platz auf der Couch ein und fängt an, mit A. zu arbeiten. Es geht um Trennung, um Dunkelheit und Nicht-wissen. Laura ist präzise. B. kann ihr negatives Introjekt externalisieren und wird für kurze Zeit zum »Kind«, das auf natürliche Weise zu wissen weiß.

Wollen wir es wirklich wissen? – Oder wollen wir es uns nur vorstellen, phantasieren, raten und mutmaßen. Zu wissen erscheint – in mancher Hinsicht – so endgültig. Laura sagt: »Du bist erst fertig, wenn du tot bist.« Ihre Neugier auf das Leben, auf andere Menschen und ihre kindliche Verwirrung haben mich immer beeindruckt. Ich vermisse ihre Gegenwart – eine stille Art des Wissens – und des Nicht-wissens. Ich glaube, dass sie an diesem Morgen wusste, dass das Leben im Begriff war, sich zu verändern, für sie – und für uns. Und doch, mit einem ganzen Universum des »Unbekannten« vor ihr wird selbst das Unbekannte vielversprechend. Zu wissen und nicht zu wissen heißt so etwas wie: stetig zu sein im Wandel. Laura Posner Perls starb etwa fünf Monate später, am 13. Juli 1990.

 

Eileen Abigail Wright

Einmal sah ich, wie eine Frau forschen Schrittes aus dem Provincetown-Inn-Hotel herauskam, den Kopf hob und ihr Gesicht in den Wind streckte. Da dachte ich »Ich wette, das ist Laura Perls.« – Sie

war es.

Für mich personifiziert Laura Perls das, was Buber als den Höhepunkt der Ich-Du-Beziehung beschreibt – ihr Kommen geschieht »von Gnaden« und ihr Gehen hinterlässt eine »heilige Traurigkeit«. Ein reiches Vermächtnis!

In den Herzen derer zu leben, die man zurücklässt, heißt nicht zu sterben.

 

Rob Bloemhoff

»Rob, du liest Detektivgeschichten – wie Fritz. Dafür hasse und liebe ich dich.«

 

Sol S. Rosenberg

Ich begegnete Laura Perls zum ersten Mal im Juli 1961 auf einer Konferenz der American Academy of Psychotherapists in Lake Arrowhead, Kalifornien.

Damals bot Laura einen Workshop zum Thema Gegenübertragung an, und ich nutzte die Gelegenheit, um meine Arbeit mit einer Patientin vorzustellen, die mich zwei Jahre lang weder angeschaut, noch mit mir gesprochen hatte. Noch heute, fast dreißig Jahre später, erinnere ich mich an ihre vorsichtige, überaus gewissenhafte und einfühlsame Art, meine stille Reise mit dieser Patientin zu betrachten.

Im Laufe der Jahre entstand eine herzliche und freundschaftliche Beziehung zwischen uns; wir trafen uns bei A.A.P.-Konferenzen, bei Gestalt-Workshops und anderen Veranstaltungen in Cleveland, und ich brachte sie nach Peoria, wo sie Workshops mit Therapeuten durchführte. Meistens tanzten wir zusammen.

Laura war eine Frau und Therapeutin von tiefer Weisheit; sie strahlte eine stille Schwingung aus und bewegte sich mit eleganter Würde und Anmut.

Unser letzter gemeinsamer Tanz war 1988 in Cleveland. Ich werde diese Tänze vermissen.

 

Micki Balaban

Laura war sanft und anmutig, aber gleichzeitig war sie etwas, das weit jenseits dieser beiden Eigenschaften liegt. Sie war eine hervorragende Leiterin mit einem Hang zu Präzision und außerordentlicher Qualität. Mit einem stillen Nicken, einem bestimmten Blick oder einer einfachen Geste konnte Laura unsere Bemühungen unterstützen. Indem sie uns ein sicheres Umfeld gab, ermutigte sie uns, bis an die Grenze zu gehen.

Diese zierliche, liebenswerte und unprätentiöse Frau war jemand, der ich wirklich nacheifern wollte. Sie begegnete mir zu einer Zeit, als das Chaos mein treuester Begleiter war und ich nach einem anderen, besseren Weg Ausschau hielt. Sie sah meinen Wunsch zu wachsen und führte mich mit großer Sorgfalt durch unsere wenigen gemeinsamen Sitzungen. Denjenigen unter uns, die sich wirklich verändern wollten, stellte sie sich auch wirklich zur Verfügung.

Ich werde immer voll Dankbarkeit und Liebe an Laura Perls denken.

 

Gloria Feitelson

Wir alle wissen, dass Laura Perls eine sehr bodenständige Frau war, die sich gegen jeden, auch noch so kleinen Versuch, idealisiert zu werden, wehrte. Sie tat das auf ihre ganz eigene Art: mit einem Heben der Augenbrauen oder auch mit einem intensiven, durchdringenden Blick. Ich möchte nur ein paar kleine Beispiele ihrer menschlichen Wärme geben – ich glaube, mehr wäre ihr nicht recht.

Laura hatte ein wunderschönes, faltenfreies Gesicht. Einmal sprach ich sie darauf an, natürlich in der Annahme, dieser Teint sei auf ihre ausgezeichnete körperliche, geistige und seelische Verfassung zurückzuführen. Eigentlich hätte ich mir vorher denken können, dass ich auf diese Bemerkung eine vernünftige, durchaus ernst gemeinte Antwort bekommen würde, nämlich dass sie bereits als junge Frau darauf geachtet hatte, sich regelmäßig einzucremen.

Einmal erzählte ich ihr, dass mein Mann sich darüber beklagte, dass ich ihm gegenüber manchmal zu psychologisch aufträte. Mit einem glucksenden Lachen antwortete sie: »Fritz hat mir so oft gesagt, ich solle aufhören, ihn zu therapieren.«

Als ich ihr sagte, dass ich als Steinbock mich auf meinem Weg nach oben eher wie eine Ziege fühlte, sagte sie: Hast du schon mal eine Bergziege gesehen? Das sind sehr geschmeidige Tiere, die den Berg hinauf tanzen.« – Diese Antwort hat mich tief berührt.

Ich werde nie vergessen, wie wir einmal zur Gruppe kamen, während Laura am Klavier saß und Mozart spielte. Sie war so in die Musik vertieft, dass sie uns erst bemerkte, als wir am Ende des Stücks applaudierten. Daraufhin erzählte sie uns, wie traurig sie sei, dass sie nicht mehr so gut spielte wie früher – das war eines der wenigen Dinge, die ihr das Älterwerden schwer machten.

Lauras Blicke und ihre Worte haben einen festen Platz in meinem Herzen.

 

Stella Resnick

Eine Reminiszenz auf Laura Perls. Anfang der siebziger Jahre arbeitete ich zusammen mit Elaine Kepner am Gestalt Institute of San Franzisko. Wir wohnten zusammen in einem Haus, und wann immer Laura das Institut besuchte, um dort Workshops zu machen, war sie unser Gast. Manchmal saßen wir dann zusammen am Küchentisch bei einer Tasse Kaffee und plauderten. Laura war damals Ende sechzig.

Einmal diskutierte ich mit Laura über ein Thema, das mir damals vorkam wie ein Fluch im Leben jeder Frau – Männer. Wir hatten beide etwas auszusetzen; ich beschwerte mich darüber, dass es überhaupt keine netten, alleinstehenden Männer zu geben schien, aber Laura war anderer Meinung. Das war nicht ihr Problem. Sie sagte, dass sie mit ihren achtundsechzig Jahren eine Menge Männer kenne, die sich für sie interessierten. Sie habe das Problem, dass all diese Männer erst Mitte fünfzig oder höchstens Anfang sechzig seien, also viel zu jung für sie. »Ich will einen Mann in meinem Alter«, sagte sie und schlug dabei energisch mit der Hand auf den Tisch, »jemanden, zu dem ich aufschauen kann.« In der Tat – das war nicht einfach.

Ein andermal sprachen wir mehr über Frauenthemen: Figur und Fitness. Ich sagte, wie schwer ich es fände, einen flachen Bauch zu bekommen. Laura meinte: »Vielleicht machst du nicht die richtigen Übungen.« Dann stand sie auf, ging zum Kühlschrank, legte sich auf den Boden und zeigte mir, wie man richtige Sit-ups macht. Dabei stieß sie mit dem Kopf fast an den Futternapf der Katze. Erschrocken sprang ich auf, um ihr von meinem nicht gerade sauberen Küchenboden aufzuhelfen. Laura wehrte ab. »Sei nicht albern«, schimpfte sie ungeduldig. Da stand ich nun, in einer Mischung aus Entsetzen und Bewunderung, während die Grand Dame der Gestalttherapie auf meinem kalten, harten und ungeputzten Linoleumboden saß und ganz routiniert ihre Bauchmuskelgymnastik machte.

 

Jerry Kogan

Meine Erinnerung an Laura.

Der Himmel ist grau, nur hier und da ein blauer Fleck in der Wolkendecke über der Skyline von Frankfurt. Laura hatte uns einmal erzählt, dass Frankfurt vor dem Krieg auch »Klein Paris« genannt wurde. Jetzt sind es fast zwei Monate, seit sie in Pforzheim beerdigt wurde.

Wenn sie im Sommer kam, um in unserem Trainingsprogramm Workshops zu machen, wohnte sie immer bei uns. Vor ein paar Jahren wurden ihr die 83 Stufen, die zu unserer Wohnung führen, dann zuviel. Laura war ein sehr angenehmer Gast; Willy und ich freuten uns auf die Gespräche mit ihr. Manchmal bereitete sie in der Küche kleine Häppchen vor oder machte es sich auf dem Sofa bequem, las und streichelte dabei unseren Hund Shorty, den sie »mein Hundele« nannte, oder sie hörte Edith Piaf und tanzte dazu.

Ich denke an einen Workshop in San Franzisko Ende der sechziger Jahre, der Blumenkinder-Zeit. Nachdem sie die Teilnehmer den ganzen Tag zu Ruhe und Aufmerksamkeit ermahnt hatte, platzte ihr schließlich der Kragen. Und dennoch war ich erstaunt über den Unterschied zu den Workshops mit Fritz, in denen meistens eine gespanntere Atmosphäre herrschte und die Leute ängstlich und viel ernsthafter wirkten. Als ich Jahre später an diesen Workshop zurückdachte, hatte ich das Gefühl, dass Laura viel gewährender war. Es entstand so etwas wie eine selbstregulative Dynamik, die von Lauras Geduld, Toleranz und ihrer Zugänglichkeit getragen wurde.

Als ich ein paar Jahre später meine Dissertation schrieb, erwähnte ich Laura als Mitbegründerin der Gestalttherapie. 1972 wurde die Bedeutung von Lauras Arbeit noch sehr unterschätzt. Dies lag zum einen an Fritz’ Popularität, zum anderen aber auch an ihrem Unwillen, ihren eigenen Beitrag zur Entwicklung der Gestalttherapie gebührend anzuerkennen. Sie schrieb mir einen Brief, in dem sie mir dankte und mitteilte, dass ihr die Rolle als Mitbegründerin bis dahin noch von niemandem zuerkannt worden war. Sie schrieb weiter, dass auch Paul Goodman ein Mitbegründer der Gestalttherapie sei, denn ohne ihn gäbe es keine Theorie der Gestalttherapie. Ihre Berücksichtigung Goodmans machte mir deutlich, wie loyal und ehrlich sie war.

1981 wurde Laura von der Universität Frankfurt anlässlich des 50. Jahrestages ihrer Promotion geehrt. Geplant war ein kleines Fest, das eine gute Freundin von ihr, die Erziehungswissenschaftlerin Dr. Annedore Prengel, organisiert hatte und zu dem etwa 40 Gäste erwartet wurden. Tatsächlich kamen ungefähr 500 Gäste, so dass die ganze Veranstaltung in einen großen Hörsaal verlegt werden musste. Als es losging, wurde Laura ziemlich nervös und bat mich, ihre Hand zu halten, was ich natürlich gerne tat. Sie hielt eine Ansprache und machte eine kleine Demonstration. Es gab keinen heißen Stuhl. Keine Katharsis. Keine Dramatik. Viele Leute im Publikum ärgerten sich und protestierten. Einige schlugen auf die Tische, andere standen auf und verließen den Saal. Das war doch keine Gestalttherapie! Mit ganz wenigen Ausnahmen basierte die Vorstellung von Gestalttherapie in Deutschland damals auf der Karikatur der Technik mit dem Heißen Stuhl und der Person Fritz Perls. Laura war von der Ablehnung und Feindseligkeit, die ihr hier entgegengebracht wurde, sehr erschüttert, bewahrte aber ihre Haltung und blieb hartnäckig. An diesem Tag schlossen wir Laura in unser Herz.

In Kleinich, einem Dorf im Hunsrück, das sie sehr mochte, veranstaltete sie Workshops. Es war Sonntagmorgen, wir waren vielleicht 16 Teilnehmer. Zu Beginn fragte Laura: »Wer will was?« In der Nacht davor hatte ich geträumt, Shorty wäre gestorben – ich war still geworden. Laura bat mich, mich mit dem toten Shorty zu identifizieren, doch das wollte ich nicht. Sie fragte, wie alt ich sei. »Zweiundfünfzig.« Sie sagte: »Du willst dich nicht mit der zweiten Hälfte des Lebens identifizieren.« Ich sagte etwas – sehr leise – und dann weinte und weinte ich. Diese Arbeit dauerte drei oder vier Minuten und endete damit, dass ich neben Laura saß und immer noch weinte. Ich werde die Begegnung mit Laura an diesem Morgen nicht vergessen. Es war eine Erfahrung von hellem, klaren Licht.

 

J. Randolph (Randy) Burnham

Ich begegnete Laura zum ersten Mal 1971 in meiner ersten Gestalttrainingsgruppe. Zu dieser Zeit hatte ich zwar schon die gesamte Gestalt-Literatur gelesen, aber dies sollte nun meine eigentliche Einführung in die Gestaltpsychotherapie werden, eine Art Initiation. An diesem Wochenende kam Laura zu uns, und den ganzen Freitagabend saß ich wie angewurzelt da und beobachtete, wie Laura mit einem ziemlich schwierigen Paar arbeitete. Als sie die Gruppe für diesen Tag zum Abschluss brachte, hatte ich als einziger nichts gesagt. Ich stand auf und fing an, durch den Raum zu gehen und zu tanzen, um Laura für eine brillante Einführung in die Gestalttherapie zu danken. Ich war noch nicht ganz angekommen, da sah sie mich mit einem etwas koboldhaften Blick an und sagte: »So, du bist also einer, der die anderen gern überrascht. Ich hab mich schon den ganzen Abend gefragt, was du wohl für ein Mensch bist."

In diesem Augenblick war mir klar, dass ich wissen wollte, was diese Frau wusste. Während der vergangenen 20 Jahre bin ich diesem Wunsch gefolgt. Danke, Laura, du hast mir geholfen, meinen Weg zu finden. Ich trauere dir nach und trage die Flamme weiter.

 

Richard G. Erskine

1976 begannen meine Frau Rebecca Trautmann und ich mit der gemeinsamen Leitung von Therapie- und Trainingsgruppen. Anfangs hatten wir Schwierigkeiten, unsere unterschiedlichen Arbeitsstile zu koordinieren; Rebecca fand, dass ich mit meinen Interventionen zu schnell sei, ich dagegen fand Rebecca viel zu langsam. Wir beschlossen, uns Supervision zu holen und wandten uns an Laura Perls. Nachdem wir ein paar Stunden mit ihr gearbeitet hatten, berichteten wir von unseren Schwierigkeiten, in der Therapie und in der Trainingsgruppe harmonisch zusammenzuarbeiten. »Ach, arbeitet lieber in getrennten Praxen«, sagte Laura. »Ein Paar kann unmöglich zusammenarbeiten.« Enttäuscht von Lauras Bemerkung gingen Rebecca und ich zusammen essen. Später setzten wir das gemeinsame Gespräch fort, und auf diese Weise haben wir im Laufe der Jahre eine wunderbare Zusammenarbeit entwickelt.

Einige Jahre später kamen auf einer Konferenz mehrere Teilnehmer auf mich zu und sagten mir, dass ihnen der Arbeitsstil, den Rebecca und ich gemeinsam entwickelt hatten, sehr gefiele. Ich erzählte ihnen, wie sich das Problem aus dem anfänglichen Frust heraus für Rebecca und mich entwickelt und gelöst hatte. Irgend jemand meinte, dass Lauras Bemerkung wohl eine paradoxe Intervention gewesen sei. Ich hielt dagegen, dass paradoxe Interventionen nicht zum Gestaltansatz passten und dass Laura es so nicht gemeint haben könne. Mein Gegenüber meinte jedoch, dass das Paradox sehr wohl zur Gestalttherapie gehöre und dass Laura es sehr bewusst eingesetzt habe.

Als ich Laura ein paar Monate später anlässlich eines Abendessens traf, sprach ich sie auf die Situation vor ungefähr zehn Jahren an und fragte sie, ob das damals eine paradoxe Intervention gewesen sei, oder ob sie etwas anderes im Sinn gehabt habe. Sie lächelte und sagte: »In der Gestalttherapie gibt es keine paradoxen Interventionen. Fritz und ich konnten einfach nicht zusammenarbeiten, und ich wusste nicht, was ich euch sonst hätte sagen können. Deshalb habe ich einfach gesagt, wie Fritz und ich das Problem gelöst haben.«

 

Rosemary Becker Hickey

Persönlich bin ich Laura Perls nur einmal begegnet, und zwar auf einem Gestaltwochenende in New Orleans. Auf der Rückfahrt nach Houston hatte ich die Zeit das Erlebte noch einmal Revue passieren zu lassen, und so meine Neigung zur Gestalt zu bereichern und zu verstärken. Ich genoss sogar den Schauer, das Glück gehabt zu haben, dieses Wochenende mit ihr verbracht zu haben.

Danke für diese Gelegenheit, meine Bewunderung und meinen tiefen Respekt für die großartige Laura Perls zum Ausdruck bringen zu können.

(Auf die Frage der Redaktion der Zeitschrift Contact, was Rosemary denn mit »Schauer« meinte, antwortete sie: »Ein Zittern, ein Schaudern, ein Kitzel. Es ist dieses unglaubliche Gefühl von Erregung, das die Wirbelsäule umspielt, wenn man solche Momente erlebt, wie ich sie oben beschrieben habe.«)

 

Ruth Jacobs

In den letzten Wochen kam mir die Erinnerung daran, wie ich Laura anrief, um zu fragen, ob ich an ihrer Trainingsgruppe teilnehmen könne und zum ersten Mal ihre feste, klare und doch sanfte Stimme hörte. Als ich sie dann beim Vorgespräch sah und ihr erzählte, dass ich auf der Schule einen Deutschkurs belegt hatte, fing sie an, deutsch zu reden, und ich erschreckte mich. Aber Laura hatte eine erstaunliche Art, sich verständlich zu machen.

Als ich auf ihre Büchersammlung schaute und dort ein Buch entdeckte, das mich interessierte, war sie sehr großzügig. Sie gab mir das Buch und sagte: »Bring es mir nächsten Monat wieder mit; ich habe nur zwei Exemplare davon.«

Während des Trainings machte sie einmal eine Demonstration, um zu zeigen, mit welcher Körperhaltung wir durch die Welt gehen. Laura stand auf und bewegte sich hin und her – in verschiedenen Varianten – und strahlte dabei eine Sinnlichkeit aus, dass man hätte meinen können, ihr Körper sei gerade mal dreißig, und nicht über achtzig Jahre alt. Es war zum Staunen – und inspirierend.

Nach unserer letzten Trainingssitzung im März rief ich sie an, um zu fragen, wie es ihr ging. Sie entschuldigte sich dafür, dass es ihr nicht gut ginge. Sie sagte öfter, das Schlimmste am Altwerden sei für sie, dass man nicht mehr alles tun könne, was man früher getan hat.

Als ich ihr sagte, dass mir ihr Kranksein sehr nachginge, antwortete sie mit ihrer sanften, aber direkten Stimme, das habe mehr mit mir selbst zu tun als mit ihr. Sie hatte Recht. In der kurzen Zeit, die ich mit dieser ungewöhnlichen Frau verbrachte, hatte sie mich tief beeindruckt und verändert. Das wollte ich nicht verlieren.

Ich habe eine Bescheinigung über das Training mit Laura. Ihre Unterschrift ist so fein und so zart, als ob sie kaum da wäre – vielleicht ein Zeichen dafür, dass diese Flamme im Begriff war, zu erlöschen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich die Gelegenheit hatte, mich an dieser Flamme zu wärmen, bevor sie endgültig verlosch.

 

Bud Feder

Laura

ist ein Haiku

in Aktion

das leise Heben

einer Braue

spricht Bände

In Liebe

 

Jorge Rosner

Liebe Laura,

ich wünsche dir Freude und Fülle auf deiner Reise. Unsere gemeinsamen Gespräche und die Stunden, in denen wir zusammen philosophiert haben, inspirieren mich noch immer. Ich möchte dir danken für deine Weisheit, die du mit uns geteilt hast, wenn du in Chicago und Toronto bei uns warst.

Vor allem aber: danke für deine Präsenz, die ganz im Jetzt lebt, jetzt und jetzt und jetzt.

Dein Freund

 

Anne Leibig

Laura Perls

1905-1990

Nahrung

Sakrament des Lebens,

Fluss.

Zuweilen hingebend,

Nehmt!

Zuweilen kauend.

Esst!

Zuweilen eine Begegnung!

Nehmt und esst.

Danke,

Laura

 

Anne Simkin

Während ich dir schreibe, Laura, denke ich an dich – auch mit meinem Herzen.

… Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit … Die Zeit in New York, als ich dich und Fritz bei seltenen Gelegenheiten sah. Ich sehe dich Fritz’ Bart stutzen und ihn zurechtmachen für ein Fest in eurem Haus. Die Zeit, als du, Jim und ich in Los Angeles gemeinsam essen und anschließend ins Theater gingen; wir versuchten dich zu überreden, an die Westküste zu kommen, und du meintest: »Nein, in New York haben wir alles, was wir brauchen, und das sogar noch in besserer Qualität.«

Ich denke an die Zeit, die wir gemeinsam mit Paul und Lotte Weisz in New York und New Jersey verbrachten. Ich sehe dich bei uns zu Hause Klavier spielen – wo immer wir wohnten. Du machtest Josefa Mut, mit der Musik weiterzumachen und schenktest ihr ein Musikbuch, das sie sich gewünscht hatte.

Und ich sehe dich auf dem Flughafen – mit deinem Koffer und der kleinen Baskenmütze auf dem Kopf.

 

Aus der Einladung zur Gedenkfeier

Laura Perls lebte an der Grenze, immer präsent, ganz und voller Ausstrahlung. Sie widmete ihr Leben der Therapie, dem Training, der Familie, Freunden, Kollegen, Klienten und Schülern, der Musik, dem Wandern, der Literatur und der Kunst, dem Tanz und der Philosophie; sie gestaltete die Gestalttherapie und baute das New Yorker Gestaltinstitut auf. Das alles tat sie mit Loyalität und Warmherzigkeit. Am meisten aber widmete sie sich der Begegnung mit uns – so wie wir waren. Sie war immer Laura, einfach und ganz und gar Laura, ein liebender und viel geliebter Mensch.

(Aus der Einladung zur Gedenkfeier für Laura Perls am 16. Dezember 1990)

 

Workshop in Cleveland

Ostern 1986 »Kontakt – Orientierung und Manipulation – ist nur so gut wie die vorhandene Unterstützung. Die größte Unterstützung besteht in einer aufrechten Haltung. Alles, was wir angenommen, was wir wirklich gelernt haben, ist Unterstützung. Alles, was wir in uns hineingestopft haben, ist keine Unterstützung. Die wichtigsten Konzepte sind Grenze, Kontakt und Unterstützung. Unterstützung allerdings ist das dringlichste.«

»Verstärkt eure Achtsamkeit in den kleinsten Dingen!« (Workshop in Cleveland, Notizen von Leibig)

 

Stephen Schoen

Laura hatte etwas von der Art des achtzehnten Jahrhunderts. Sie stand für Kultiviertheit und Eleganz, sie genoss es, feine Unterschiede wahrzunehmen und hatte einen Sinn für Anmut. Gleichzeitig hatte sie aber auch den salzigen Humor und die Kraft einer Pionierin, denn auch das war sie – auf dem Gebiet der Psychologie. Und in dieser so technikorientierten Profession führte ihre herzliche Art zu arbeiten uns zu unseren eigentlichen Ursprüngen und zu unserer eigenen Lebendigkeit zurück. Als sie zweiundachtzig Jahre alt war, hatten wir uns in Berkeley einmal zum Abendessen verabredet. Wir unterhielten uns angeregt über Musik, als sie das Gespräch plötzlich unterbrach und ganz entzückt einem dreijährigen kleinen Jungen zulächelte, der ein paar Tische neben uns saß und mit wachem Blick den ganzen Raum inspizierte. Es war, als hätte sie sagen wollen: »Musik und all das, ja, aber da ist etwas.« Sie schien mit diesem Kind verbunden zu sein – mit diesem Kind an dem Nebentisch, oder mit dem, das sie selbst oder andere Erwachsene in sich tragen. Auch in mir ist dieser Teil gewachsen, und das liegt an ihr.

 

Erv und Miriam Polster

Bachelard sagt, dass Erinnerungen einen Ort haben und dass ihr Auftauchen nicht so sehr mit unserer Wahrnehmung dessen zusammenhängt, wann etwas geschehen ist, sondern vielmehr wo.

Unsere letzte Begegnung mit Laura war bei einem Abendessen in Köln. Und das letzte Bild, das wir von ihr haben, ist, wie sie durch die ihr so bekannten Straßen geht – nicht so forsch, wie wir es von ihr gewohnt waren, und trotzdem mit einem Anflug von Leichtigkeit.

Laura Perls Tod vermittelt das Gefühl eines Lebens, das geographisch wieder an seinen Ausgangspunkt zurückgekehrt ist. Sie starb, wo sie geboren wurde – der Kreis schließt sich. Aber was für ein Kreis? Umherwandernd und vertrieben von bösen Kräften, die uns auch heute noch erschrecken lassen, lebte Laura an vielen verschiedenen Orten, wo sie durch ihre Gegenwart das Leben vieler Menschen bereicherte.

Praxisadressen von Gestalttherapeuten/-innen 

Foto: Laura PerlsLaura Perls, Foto Mitte der 1980er Jahre, © Theo Skolnik

Laura Perls (1905 - 1990)

Mitbegründerin der Gestalttherapie - gemeinsam mit Ihrem Ehemann Fritz Perls und dem amerikanischen Sozialpsychologen und Schriftsteller Paul Goodman.

Den obigen Beitrag drucken wir aus unserem neuen Buch »Meine Wildnis ist die Seele des Anderen« die Erinnerungen von bekannten US-amerikanischen Gestalttherapeuten an Laura ab. Sie sind zuerst erschienen in: »Contact. A Newsletter and Networking Tool for the Gestalt Community«, Volume 2, #1, 1991. A Gestalt Journal Publication. © 1991 by The Gestalt Journal Press. Wir danken Joe Wysong und dem Verlag für die freundliche Genehmigung der deutschen Übersetzung. Deutsche Erstveröffentlichung. – Aus dem Amerikanischen von Ludger Firneburg.

Cover: Meine Wildnis ist die Seele des Anderen

Anlässlich des 100. Geburtstages von Laura Perls erscheint nun der Klassiker »Der Weg zur Gestalttherapie« in einer erheblich erweiterten Ausgabe: Die Basis bilden die Gespräche des amerikanischen Gestalttherapeuten Daniel Rosenblatt mit Laura Perls. Hinzugekommen sind weitere Interviews, besonders zum Selbstverständnis der Therapeutin, und zahlreiche Würdigungen der Persönlichkeit und der Arbeit Laura Perls durch Kollegen und Schüler. Mit zahlreichen seltenen Bilddokumenten.

Besonders aufwändig gestaltete Liebhaberausgabe: gebunden und mit Lesebändchen. 248 Seiten, 21,90 €.

Bestellanschrift: GIK Bildungswerkstatt, Fax: 0221 - 447652, eMail: gik-gestalttherapie@gmx.de

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