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Katharina Stahlmann
Gestalttherapie und Anarchie


Aus der Gestaltkritik

Gestaltkritik - Die Zeitschrift mit Programm aus dem Gestalt-Institut Köln
Gestaltkritik (Internet): ISSN 1615-1712

Themenschwerpunkte:

Gestaltkritik verbindet die Ankündigung unseres aktuellen Veranstaltungs- und Weiterbildungsprogramms mit dem Abdruck von Originalbeiträgen: Texte aus unseren "Werkstätten" und denen unserer Freunde.

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Praxisadressen von Gestalttherapeuten/-innen

  Hier folgt der Abdruck eines Beitrages aus der Gestaltkritik 1-2003:

Katharina Stahlmann
Gestalttherapie und Anarchie

 

 

»Anarchie gibt´s nicht auf Krankenschein« (Doubrawa/Blankertz 2000, 50). Dies ist die Begründung eines Gestalttherapeuten, warum gerade Gestalttherapie nicht von den Krankenkassen übernommen wird.

Wer, irritiert durch einen solchen Satz, sich in der Literatur der Gestalttherapie auf die Suche macht, findet mehr als nur Spuren von Anarchie, sondern entdeckt, daß der Anarchismus die Gestalttherapie deutlich beeinflußt hat. So ist zum Beispiel das Grundlagenwerk Gestalt-Therapy von 1951 stark von der Haltung des Mitautors und anarchistischen Soziologen Paul Goodman geprägt.

Anarchistische Strömungen zwischen 1840 und 1930

Anarchie bezeichnet »Ordnung ohne Herrschaft von oben oder außen... Ordnung ohne Heteronomie, sondern Ordnung durch Autonomie.« (Portele 1993, 23) Sie zielt darauf, jede Herrschaft von Menschen über Menschen zu beseitigen und ein autoritäts- und herrschaftsloses Zusammenleben herbeizuführen. Dazu fordert sie die Abschaffung des Staates und seiner Organisationen. Während der Anarchismus anfänglich von rein individualistischen Prinzipien bestimmt ist und extreme Gewaltlosigkeit lehrt, verbindet er sich später mit kollektivistisch-kommunistischen Ideen und propagiert teilweise den individuellen und kollektiven Terror als Mittel revolutionärer Umsturzbewegungen (Brockhaus 1999, Band 1).

Mit der Industrialisierung erfährt der Anarchismus, den es als politisch-philosophische Strömung schon in der Antike gab, im 19. Jahrhundert eine Bedeutungserweiterung und wird in ganz Europa, aber vor allem in Frankreich, der Schweiz, Italien, Spanien und Rußland zu einer wichtigen politischen Strömung. 1838 veröffentlicht Pierre J. Proudhon ein Buch mit dem Titel Was ist das Eigentum. Darin kommt er zu der auch heute sehr aktuellen These, daß es »sowohl durch die Arbeitsteilung, als auch durch das bestehende Kreditsystem (...) eine ökonomische Notwendigkeit (sei), daß die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher würden« (Was ist eigentlich Anarchie? 1986, 69). Er sagt »Eigentum ist Diebstahl«, vertritt einen genossenschaftlichen Ansatz und gründet eine Volksbank ohne Eigenkapital, die mit zinslosen Krediten arbeitet.

In seiner Haltung »niemandes Gesetz, Verantwortlichkeit eines jeden nur vor sich selber« trifft er sich mit Max Stirner. Max Stirner (Pseudonym für Johann Caspar Schmidt) gilt als Individualanarchist. In seinem Hauptwerk von 1843 Der Einzige und sein Eigentum schreibt er: »Meine Sache ist weder das Göttliche noch das Menschliche, ist nicht das Wahre, Gute, Rechte, Freie usw., sondern allein das Meinige, und sie ist keine allgemeine, sondern ist - einzig, wie ich einzig bin...«. Über ihn heißt es: »Seine Lehre war eine wortgewandte Absage an alle politischen, religiösen und sozialen Institutionen, die den Menschen führen, beeinflussen und beurteilen. Sie propagiert eine ich-bezogene, absolut autonome Moral. ‚Wer außer mir und den Menschen auf deren Meinung ich Wert lege, hat das Recht, über mich zu bestimmen?'« (a.a.O., 73/74).

Wendet sich Proudhon gegen die ökonomische Herrschaft einzelner über andere, so bezieht Stirner sich auf die philosophischen Strömungen seiner Zeit, die fast durchgängig fordern, daß das Individuum sich einer moralischen Macht - sei es nun Gott, der Staat, das Gute oder das Vaterland - bedingungslos zu unterwerfen habe. Konsequenterweise beteiligt sich Stirner auch nicht an der 48er Revolution, denn »nicht die Veränderung von Staatsformen war sein Ziel, sondern die freiwillige Vereinigung von einzelnen Individuen. (...) Die Möglichkeit des Einzelnen, sich aus freiem Entschluß mit anderen zu assoziieren« (a.a.O., 75), findet sich später bei anderen anarchistischen Autoren unter dem Begriff Föderalismus wieder. Max Nettlau schreibt 1925 über Stirner: »für mich gehört er (Stirner) keineswegs dem engen Individualismus an, der nur Individualist sein will und dadurch vom Bourgeois oder Tyrannen nicht zu unterscheiden ist, sondern er begründete jenen breiten, echten Individualismus, der die Grundlage jedes freiheitlichen Sozialismus ist, die Selbstbestimmung eines jeden über die Beziehungen, in die er mit anderen zu treten wünscht: diese können mutualistisch oder kommunistisch sein, eng oder entfernter, kurz oder lang usw. daß der einzelne hierüber aus eigenem Wissen und eigener Kraft entscheide, das hat Stirner gewünscht, und dazu suchte er ihn aus den Fesseln und Netzen der Autorität zu befreien.« (zitiert nach a.a.O.)

Als Vorgriff sei bemerkt, daß hier bereits viele Elemente der späteren Gestalttherapie anklingen: Der Glaube daran, daß Menschen grundsätzlich in der Lage sind selber zu entscheiden, was für sie gut ist, der Blickwinkel, der das Individuum in den Mittelpunkt setzt, der aber auch davon ausgeht, daß zu den Grundbedürfnissen des Menschen nicht nur ich-bezogene, sondern auch soziale Bedürfnisse gehören, und das Wissen, daß äußere sowie internalisierte Autoritäten der Selbstbestimmung im Wege stehen können. Aber bis zur »Geburtsstunde« der Gestalttherapie vergehen nach der Veröffentlichung von Der Einzige und sein Eigentum noch rund 100 Jahre.

Neben Proudhon und Stirner gehört Michail Bakunin zu den treibenden anarchistischen Kräften jener Zeit. Er ist der Revolutionär, um den sich Massen von Bauern und Industriearbeitern scharen, der in ganz Europa immer wieder anarchistische Vereinigungen ins Leben ruft, dessen Briefe und Aufrufe aufschlußreicher sind als seine fragmentarischen Bücher.

Immer wichtiger wird es, sich zusammen zu schließen, »um den Kampf gegen die Unterdrückung gemeinsam zu führen und sich gemeinsam gegen die Verfolgung aller Sozialisten in den verschiedenen Ländern zu wehren.» (a.a.O., 82) Als es in London 1864 zum Zusammenschluß und zur Gründung der Ersten Internationalen kommt, werden jedoch schon bald die Unterschiede in der heterogenen Bewegung deutlich. Der autoritäre Flügel um Marx und Lenin will den neu geschaffenen Generalrat zu einem machtvollen Führungsinstrument der Internationalen ausbauen und zielt inhaltlich auf die Eroberung politischer Macht und die Durchsetzung praktischer Forderungen wie Lohnerhöhungen. Die Marxisten gehen davon aus, daß die sozialen, ökonomischen und politischen Konflikte Machtkonflikte sind, die nur durch die Eroberung der Macht entschieden werden können. Die Antiautoritären sprechen sich »für eine revolutionäre Internationale aus, deren Ziel es nicht sein könne mit politischen Parteien politische Ziele zu verfolgen, sondern Staat und Kapital zum Aufbau eines freien Sozialismus ein für alle mal abzuschaffen« (a.a.O., 84). In der Folge schließen die Autoritären 1872 die Antiautoritären aus, es kommt zur Spaltung - und zur Geburtsstunde der Feindschaft zwischen Marxisten und Anarchisten: Die einen wollen die Macht übernehmen, die anderen sie abschaffen. Gemeinsam ist ihnen jedoch zu jener Zeit das Ziel einer klassenlosen Gesellschaft. Bei Proudhon noch mit der grundsätzlichen Bejahung von Privateigentum für alle als Ergebnis von Umverteilung, später als Vergesellschaftung der Produktionsmittel und bei Kropotkin (1888) auch der Konsumgüter mit dem Ziel von »Wohlstand für alle« und Enteignung als Mittel, wobei die freie Verteilung den individuellen Bedürfnissen entsprechend sein soll. Die Anarchisten stellen sich den Kollektivbesitz nicht in »Form zentralistisch-bürokratischer Verstaatlichung, sondern als Gruppen- d.h. Gemeinde-Eigentum« (a.a.O., 96) vor. Sie gehen von einer Entwicklungstheorie aus, die besagt, daß soziales Verhalten für Tier und Mensch im Kampf ums Dasein von Vorteil ist und daß die natürliche Tendenz zur Solidarität durch gesellschaftlich-politische Organisationsformen blockiert wird; deswegen sind diese abzuschaffen.

Viele praktische Erfahrungen werden in den Jahren zwischen der Revolution von 1848 und dem Aufstand der Kronstädter Matrosen 1921 gemacht und theoretisch ausgewertet: von der Gründung von Kollektiven, über Aufstände bis hin zu terroristischen Einzelaktionen. Diskutiert wird, ob kleine konspirative Organisationen die Revolution »machen« und das Volk befreien sollen, oder ob mit Aufklärungs- und Bildungsarbeit das Volk zur eigenen Befreiung angeleitet werden soll. Kropotkin zum Beispiel engagiert sich bei der Herausgabe von Zeitschriften, in persönlichen Gesprächen, durch die Gründung von Produktions- und Verbrauchsgenossenschaften in Fabriken und Dörfern - lokale Bewegungen mit weitgehend sozialen Zielen, um so gegen lokale Unterdrücker vorzugehen.

Das Individuum in der Gesellschaft: Zwischen Gesellschaftskritik und Psychotherapie

Die Wegbereiter der Gestalttherapie haben als Literaten, Politiker, Philosophen und Psychoanalytiker sich mit dem Verhältnis zwischen dem Individuum und der es umgebenden Gesellschaft beschäftigt. In welcher Form man die wechselseitigen Einflüsse von Individuum und Gesellschaft beschreibt und bewertet, hat entscheidenden Einfluß auf die Frage, ob eine am Einzelnen ansetzende Psychotherapie darüber hinaus einen gesellschaftlichen Auftrag hat.

Als Beispiele für die Verzahnung von Individuellem und Gesellschaftlichem werden hier die Ideen von Gustav Landauer, Martin Buber und Wilhelm Reich besprochen. Sie haben durch ihren geistigen und teilweise persönlichen Einfluß auf die Gründergeneration der Gestalttherapeuten das Gerüst dieser Therapierichtung stark mitgeprägt.

Gustav Landauer und Martin Buber

»Landauers Idee war unsere Idee. Es war die Erkenntnis, daß es nicht darauf ankommt, Einrichtungen zu ändern, sondern das menschliche Leben, die Beziehungen der Menschen untereinander zu verwandeln. Daß Sozialismus nicht etwas ist, was aus der Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse heraus entsteht, sondern daß Sozialismus etwas ist, das nie kommen wird, wenn es nicht jetzt und von uns getan wird« (Buber, zitiert nach Doubrawa 1999, 183).

Da stehen nun nicht mehr der Aufstand und die Mobilisierung der Massen, nicht mehr soziale Ungerechtigkeit und der Zorn auf die Unterdrücker im Vordergrund der Betrachtung, sondern der Einzelne mit seinen Beziehungen in seinem täglichen, selbst verantworteten Handeln.

Martin Buber und Gustav Landauer haben sich 1900 kennen gelernt und befreundet. Der Religionsphilosoph Buber gilt als einer der geistigen Väter der Gestalttherapie und Doubrawa zeigt in seinem Aufsatz Die Politik des Ich-Du, daß Buber seine Philosophie als politische Lehre verstanden hat.

Buber wie Landauer glauben an und kämpfen für ein gesellschaftliches Zusammenleben ohne Staat. Unter Staat verstehen sie eine Vereinigung aus Zwang, der sie den Begriff der Gesellschaft gegenüberstellen als Vereinigung aus dem Geist, gegründet auf das freie, selbständige Individuum. Diese neue Gesellschaft kann nur entstehen, wenn wieder wirkliche Gemeinschaft und lebendige Unmittelbarkeit in den Beziehungen möglich ist. Sie stellen sich das sozialistische Gemeinwesen als einen »Bund von Bünden« vor, wobei wesentlich ist, daß die tragende Grundeinheit nicht größer ist als der Personenkreis, den ein Mensch persönlich kennen kann und daß »die Wendung zum anderen wirklich ihn, in seinem Sein, in seinem Sosein, meint.« (Doubrawa 1999, 184)

Buber und Landauer sind überzeugte Zionisten; sie hoffen, daß Menschen in Palästina ein Gemeinwesen aufbauen können, ohne daß sie auf eine schon vorhandene herrschaftliche Struktur stoßen. So kämpft Buber auch vehement gegen die Errichtung des Staates Israel - hofft dann zumindest auf einen säkularen Staat. Und Landauer weitet in seinem Aufruf zum Sozialismus 1911 das zionistische Ideal aus, indem er schreibt, »überall auf der Welt sollten sich Menschen vom Staat lossagen und freie Siedlungen errichten...« Dabei geht es um freiwilliges (nicht nach sowjetischem Vorbild erzwungenes) »Gemeineigentum an Boden und die freie Bestimmung der Siedler über die Normen des Gemeinschaftslebens« (a.a.O., 179).

Buber und Landauer »erkannten, daß sich eine revolutionäre Umwälzung der Gesellschaft nicht allein auf einen politischen und sozialen Vorgang reduziert. Bedeutsamer erschien ihnen die Bewußtseinsrevolution. Beide sahen vor allem den Einzelmenschen und dessen persönlichen Neuanfang.« (a.a.O., 180) Es geht darum, menschliches Leben nicht auf einen fernen Zeitpunkt zu verlegen, in welchem die ideale Gesellschaft erkämpft sein wird, sondern es kommt auf das Wollen zum »freiheitlichen Sozialismus« und das Beginnen an. Die Revolution ist da, am gegebenen Ort und unter den gegebenen Bedingungen, und zwar immer dort, wo Momente der Unmittelbarkeit zwischen Menschen möglich sind. Wo das »wesenhafte Wir« waltet, da stehen wir bereits auf dem »Boden von Utopia«. Dies ist nach Buber die Aufgabe eines jeden Menschen: zu erkennen, wo in der stetig zunehmenden Ich-Es-Welt Ich-Du-Begegnungen möglich sind und für diese mit ganzer Seele bereit zu sein. Allerdings ist damit für Buber auch die Forderung nach einer öffentlichen politischen Stellungnahme verknüpft, denn die Ich-Du-Begegnung (Buber: »Alles wirkliche Leben ist Begegnung.«) braucht ein bestimmtes gesellschaftliches Klima, in dem sie stattfinden kann. Dieses gesellschaftliche Klima sehen Buber und Landauer in der Anarchie oder dem »freiheitlichen Sozialismus«. So läßt es Buber auch an deutlichen Stellungnahmen auf die Fragen seiner Zeit nicht fehlen.

Hier liegt der Berührungspunkt von Politik und Therapie. Gestalttherapie will fähig machen zu selbstbestimmtem Leben. Das tut sie, indem sie im therapeutischen Kontakt soweit möglich eine Ich-Du-Beziehung herstellt. Diese ist jedoch durch mehrere Faktoren begrenzt: Zum einen kann der Therapeut nicht von einer umfassenden Kontaktfähigkeit seines Klienten ausgehen, da psychische Probleme zumeist mit Kontaktstörungen einhergehen. (Umfassende Fähigkeit zu Ich-Du-Kontakt könnte Ergebnis einer erfolgreichen Therapie sein). Zum anderen bewirkt der funktionale Aspekt des therapeutischen Settings, nämlich die Tatsache, daß Therapeut und Klient einander brauchen, eine nur unvollständige Einlösbarkeit des Anspruchs auf Ich-Du-Begegnung. Das, was im Rahmen des Gegebenen möglich ist, beinhaltet immer noch weniger an Funktionalisierungen als die Kontakte, die Klienten sonst zumeist in ihrem Leben erfahren. Aufgrund der Begrenzungen therapeutischen Kontaktes wird deutlich, daß wirkliche Heilung mehr braucht als heilsame Therapie. Insofern ist die Aussage »Wenn ich mich ändere, dann hat das Auswirkungen auf meine Umwelt und dann verändert sich auch das gesellschaftliche System« zwar richtig, aber nur der erste Schritt, der alleine nicht ausreicht. Denn nach Buber ist es die Ich-Es-Welt, die den Menschen krank macht. Wer es als Gestalttherapeut ernst meint damit, daß es darum geht, Menschen zu einem selbstbestimmten Leben hin zu unterstützen, für den ist es nicht nur nötig dem Klienten so weit als möglich einen herrschaftsfreien Ich-Du-Kontakt anzubieten. Wenn Buber recht hat, daß es das Übermaß an Ich-Es-Kontakten, an Funktionalisierungen ist, das krank macht, dann muß der Gestalttherapeut sich darüber hinaus für Veränderungen einsetzen, so daß mehr Ich-Du-Kontakt in der Gesellschaft möglich wird. »Darum brauchten wir, um eine dialogische Haltung leben zu können, dialogische Beziehungen untereinander - natürlich auch eine Gesellschaft, die den Dialog lebt, also eine herrschaftsfreie, anarchistische....« (Doubrawa/Blankertz 2000, 46)

Zu einem selbstbestimmten Leben gehört auch die Fähigkeit und das Bedürfnis, seine Belange in der »polis« einzubringen. Also geht mit einer erfolgreichen Gestalttherapie auch eine erweiterte Politikbereitschaft der Klienten einher.

Wilhelm Reich

Ein weiterer Wegbereiter der Gestalttherapie ist Wilhelm Reich. Von Freud her kommend setzt er sich immer stärker mit der »vom sozialen Standpunkt hoffnungslose(n) Stellung der individuellen Psychotherapie (auseinander), die sich aus der gesellschaftlichen massenhaften Produktion von Neurosen ergibt« (Reich 1993, 11). Er sieht Neurosen als »Ergebnisse der patriarchalisch-familiären und sexualunterdrückenden Erziehung« und ist überzeugt, daß »ernsthaft nur eine Neurosenprophylaxe in Frage kommt«. Um die Voraussetzungen für eine umfassende Neurosenprophylaxe zu schaffen und diese praktisch durchführen zu können, sei allerdings »erst eine grundsätzliche Umstülpung der gesellschaftlichen Institutionen und Ideologien (nötig), die von dem Ausgang der politischen Kämpfe unseres Jahrhunderts abhängt.« (a.a.O.)

Reich grenzt sich von der psychoanalytischen Auffassung ab, welche die Kultur und Geschichte der menschlichen Gesellschaft aus den Trieben erklärt, indem er sagt, daß umgekehrt die gesellschaftlichen Verhältnisse auf die menschlichen Bedürfnisse einwirken und diese verändern, ehe die veränderten Triebe und Bedürfnisse als geschichtliche Faktoren zu wirken beginnen können. Das heißt, »daß jede Gesellschaft sich diejenigen Charaktere schafft, die sie zu ihrem Bestande benötigt. In der Klassengesellschaft ist es die jeweils herrschende Klasse, die mit Hilfe der Erziehung und der Familieninstitution ihre Position sichert, indem sie ihre Ideologien zu den herrschenden Ideologien aller Gesellschaftsmitglieder macht.« (a.a.O., 13) Die gesellschaftliche Ordnung formt die psychischen Strukturen der Gesellschaftsmitglieder und reproduziert sich so in ihnen. Besonders fest verankert werden Strukturen, wenn sie im Kontext libidinöser Interessen und Energien geformt werden. Die charakterlichen Strukturen der Menschen sind also nicht nur Spiegel eines gesellschaftlichen Systems, sondern auch dessen Verankerung. Dies erklärt die Duldsamkeit der unterdrückten Schichten gegenüber den Herrschenden, die sich gelegentlich bis hin zur Bejahung der autoritären Unterdrückung gegen das eigene Interesse steigert. Reich faßt das in dem Satz zusammen: »Die charakterliche Struktur ist erstarrter soziologischer Prozeß einer bestimmten Epoche« (a.a.O., 17). Aus dieser Bestimmung des Verhältnisses von Individuum und Gesellschaft ergibt sich, daß die therapeutische Arbeit mit einzelnen nicht losgelöst von der Gesellschaft betrachtet werden kann. Sie »steht notwendigerweise den neuroseproduzierenden gesellschaftlichen Faktoren kritisch gegenüber.« (Bock 2000, 124). Dies sind die Voraussetzungen, unter denen sich Wilhelm Reich mit Charakteranalyse und individueller Therapie beschäftigt. Er tut es, weil er durch sie jene Einsichten in die menschlichen Strukturen gewinnen kann, die für die Neurosenprophylaxe wichtig sind.

»Seine Erkenntnisse als Analytiker über die Entstehung der Neurose führten ihn direkt zu einer Kritik der gesellschaftlichen Verhältnisse und entsprechenden praktisch-politischen Aktivitäten. Er begründete die sogenannte Sexpol-Bewegung, in der konkrete Aufklärung über sexuelle Fragen mit politischer Arbeit verbunden wurde.« (a.a.O., 112) Nicht das Analysieren und »Reparieren« der Menschen, um sie zur reibungsloseren Reproduktion der Herrschaftsverhältnisse zu befähigen, ist sein Weg, sondern das Bewußtmachen derselben. Später wendet er sich gänzlich von der individuellen Therapie und damit auch von seinem politischen Engagement ab. In einem Interview sagt er 1952: Es gibt »keinen Nutzen bei der individuellen Therapie (..). Oh ja, einen positiven Nutzen, um Geld zu machen und um hier und dort zu helfen. Aber vom Standpunkt des sozialen Problems gibt es keinen Nutzen. Deshalb gab ich es auf« (zitiert nach a.a.O., 123). Reich hat lange um eine Verbindung von Gesellschaftskritik und Psychotherapie gerungen. 10 Jahre nach dem erwähnten Interview scheint Herbert Marcuse ihm eine späte Antwort zu geben. In einem Vortrag beschreibt er die Verbindung zwischen beiden folgendermaßen: »die Psychoanalyse kann nicht die politischen Tatsachen erhellen, sondern das, was sie denen antun, die diese Tatsachen erleiden« (Marcuse 1965, 100).

Der amerikanische Soziologe Paul Goodman hat sich intensiv mit Wilhelm Reichs Therapieform auseinandergesetzt. Genauso wie Reich sieht er einen Abbau sozialer Unterdrückung als wesentliche Aufgabe von Psychotherapie an; er kritisiert allerdings Reichs rein positive Sichtweise der Triebe. Goodman sieht darin eine simple Umkehrung von Freuds Triebmodell: Bei Freud werden die Triebe (das Es) als zerstörerisch angesehen und müssen durch das Ich, auch in Form sozialer Repression, kanalisiert werden. Reich hingegen sieht das Es als stets gut an. Bei ihm stehen die Triebe in einem Verhältnis natürlicher Harmonie, die nur durch die soziale Unterdrückung, die das Ich schaffe, gestört wird. Dagegen wendet Goodman ein, daß wir von einer automatischen Harmonie der Es-Triebe jedenfalls nichts wissen. Er weist »auf die seiner Meinung nach notwendig aktive Rolle des Ich hin, nämlich mit moralisch-verantwortlichem Verhalten die Triebe untereinander in ein lebensfähiges Gleichgewicht zu bringen und zu einer sozialen Verträglichkeit zu finden.« (Blankertz, 2000, 48) Goodmans kritische Aufarbeitung von Reichs Positionen fließt später in die Theoriebildung der Gestalttherapie ein.

Wesentliche Elemente der Gestalttherapie im Spiegel anarchistischer Ideen

Anhand der Gestalttherapie-Elemente »kreative gegenseitige Anpassung von Organismus und Umwelt«, »organismische Selbstregulation«, »Ich-Du-Kontakt« und »selbstbestimmtes Leben« soll im Folgenden überprüft werden, wie die Grundlagen gestalttherapeutischen Handelns mit anarchistischen Grundsätzen korrellieren.


Kreative gegenseitige Anpassung von Organismus und Umwelt

»Aller Kontakt ist kreative gegenseitige Anpassung von Organismus und Umwelt« (Perls/Hefferline/Goodman zitiert nach Portele 1993, 34).

Perls sieht den »gut integrierten Menschen« als Ziel der Psychotherapie. Darunter verstand er einen Menschen, »der in lebendigem Kontakt mit der Gesellschaft leben kann, der sich weder von ihr verschlingen läßt, noch sich völlig aus ihr zurückzieht, sondern sie im Sinne einer schöpferischen Anpassung mitgestaltet« (zitiert nach Bock 2000, 125).

»Anarchismus gründet sich auf einen geradezu endgültigen Lehrsatz: Daß wertvolles Verhalten nur geschieht durch die freie und direkte Antwort der Individuen oder freiwilligen Gruppen auf die Bedingungen, die durch die historische Umwelt gegeben sind« (Perls/Hefferline/Goodman zitiert nach Portele 1993, 23).

Die Umwelt gibt Bedingungen vor und das Individuum verhält sich dazu. Der Spielraum des Individuums mag begrenzt sein, aber er ist nicht gleich Null. Egal wie dominant die Bedingungen wirken mögen, der Mensch hat letzten Endes die Möglichkeit frei zu sein - frei sich so oder anders zu verhalten, diese oder jene Haltung einzunehmen; er ist es, der die Bedeutung für die Dinge vergibt, die ihm widerfahren und für die Gefühle, die er hat. Für diese Bedeutungszuschreibung ist er verantwortlich, soweit er sich seiner Freiheit bewußt ist. Diese existentielle Freiheit - so unbequem und ängstigend sie sein mag, von der Sartre sagt, der Mensch sei verurteilt zu ihr - ist wesentliche Grundlage für die Gestalttherapie wie für den Anarchismus. Watzlawick drückt das Spannungsfeld zwischen gegebener Freiheit und der Möglichkeit zur Freiheit so aus: »Wer sich des Umstands voll bewußt wäre, der Erfinder seiner Wirklichkeit zu sein, wüßte um die immer bestehende Möglichkeit, sie anders zu gestalten.« (1985, 312) Unbestreitbar ist jedoch, trotz aller berechtigter Gesellschaftskritik und allem Anerkennen, daß die Bedingungen die Menschen einschränken, festlegen und auch formen, daß der Mensch sich nicht auf ein festgelegtes Reiz-Reaktions-Schema reduzieren läßt.

Goodman geht von einem schöpferischen Selbst aus, das im Anpassungsprozeß von Individuum und Gesellschaft eine aktive Rolle spielt.

Nach seinem oben zitierten »geradezu endgültigen Lehrsatz« hat ein Mensch die Möglichkeit, »frei und direkt« oder unfrei auf die Bedingungen der Umwelt zu antworten. Unfrei zu antworten bedeutet, sich der Herrschaft der Gewohnheit zu unterwerfen oder die Umweltbedingungen wie einen Befehl zu erleben, dem man bedingungslos gehorchen muß. In Gestalt-Termini heißt das »aus einer Rolle heraus zu handeln«. Wer in Rollen verhaftet ist, wie sie von Perls im »Schichtenmodell der Neurose« beschrieben sind, verhält sich gesellschaftlich angepaßter und ist stärker manipulierbar als jemand, dessen spontane Figur-Hintergrund-Bildung im Hier und Jetzt funktioniert und der Kontakt zu seinen eigenen Bedürfnissen hat.

»Ein therapeutischer Fortschritt kann sich daran zeigen, daß eine Person sich als Urheber von etwas entdeckt, von dem sie sich vorher betroffen fühlte« (Russel 1989, 3). Das heißt, daß eine Therapie dazu beitragen kann, dem Menschen mehr das Gefühl der Handlungsfähigkeit zu vermitteln, statt sich nur als Opfer der Umstände zu erleben. Aber auch umgekehrt: Dinge, die außerhalb seines Einflußbereiches liegen, als solche zu erkennen und nicht den Anspruch zu haben Dinge zu verändern, die man nicht verändern kann.

Organismische Selbstregulation

»Die Anarchie, die die Herrschenden gewöhnlich fürchten, ist keine Anarchie ohne Sinn. Im Gegenteil, sie bedeutet, daß der Organismus sich selbst überlassen wird, damit er sich ohne Einmischung von außen um sich selbst kümmern kann« (Perls zitiert nach v. Bialy 1998, 39).

Unter organismischer Selbstregulation versteht die Gestalttherapie »den Prozeß, in dem die vorherrschenden Bedürfnisse, sobald sie aufkommen, in den Vordergrund des Gewahrseins treten« (a.a.O., 342).

Goodman schreibt: »Viele Therapeuten sprechen jetzt von der ›organischen Selbstregulierung‹ und meinen damit, es sei nicht notwendig, die Impulse Appetit, Sexualität usw. im Interesse der Gesundheit oder Moral zu reglementieren, zu ermutigen oder zu unterdrücken. Wenn diese Dinge sich selbst überlassen wären, dann würden sie sich spontan selbst regulieren« (a.a.O.).

Da das Individuum die Umwelt für die Befriedigung seiner Bedürfnisse braucht, handelt es sich nicht nur um einen Regulationsprozeß innerhalb des Individuums, sondern auch zwischen Individuum und Umwelt. Dieser ist nötig, da den Aussagen der traditionellen Sozialphilosophie (Aristoteles, Kant) zufolge die natürlichen Impulse des Menschen fehlbar sind. »Die Vernunft - das »Selbst« - muß ebenso spontan wie die Impulse entscheiden, welche von ihnen zu verwirklichen im eigenen Interesse erlaubt sein kann. Sonst werden wir vom Auto überfahren« (Blankertz 2000, 127). Situationen, in denen wir auf die Selbstregulation nicht vertrauen, gibt es in unserer Gesellschaft sehr viele. Aber wir zahlen einen hohen Preis für die Begrenzung der Selbstregulation: Wir »müssen im Sinn behalten, daß wir in dem Maße, in welchem wir uns Situationen aussetzen, die nur ein Minimum an Selbstregulation zulassen, auch Energie und Lebenslust verringern. Die Frage, die sich jeder normale Mensch stellen sollte, lautet, wie viel Selbstregulation unter den gegenwärtigen Bedingungen von Gesellschaft, Technik und sogar Zustand der Natur möglich oder erlaubt und zu riskieren wäre. Wir glauben, die Selbstregulation ist viel tragfähiger, als gegenwärtig zugegeben wird.« (Perls/Hefferline/Goodman zitiert nach Blankertz 2000, 127).

Wenn der Anarchismus von »Ordnung durch Autonomie«, das heißt durch Selbstbestimmung redet, dann ist das nichts anderes als die organismische Selbstregulation der Gestalttherapie. Beide gehen davon aus, daß ein vernünftiges Aushandeln dessen, was an ausgelebter Individualität sozial verträglich ist, nur als aggressiver Akt zwischen Individuen möglich ist. Sobald ein Staat mit starren Institutionen vorschreibt, was gelebt werden darf und was nicht, ist keine freie und spontane Antwort des Individuums mehr möglich.

»Gesellschaftspolitisch zeigt sich die gesunde Seite immer in kreativen Veränderungsprozessen, die neurotische dagegen in institutioneller Verfestigung. Goodmanns Sicht dieser Dinge deckt sich mit Zivilisations- und Geschichtstheorien des 20. Jahrhunderts: Sie ist nicht mehr fortschrittsgläubig, sondern pessimistisch gegenüber dem Zivilisationsprozeß, allerdings optimistisch gegenüber den Kräften des Organismus als einer leib-seelisch-geistige Einheit mit Selbstregulationspotential.« (Slunecko/Sonneck 1999, 238/239)

Bereits Wilhelm Reich hatte sich mit dem Prinzip der organismischen Selbstregulation beschäftigt und »damit ein für ihn auch politisch wichtiges Ergebnis seiner Therapie formuliert. Denn in diesen sich selbst steuernden Individuen sah Reich die Keimzellen »einer anderen Sozialität« (Bock 2000, 128).

Es geht also nicht um das »Recht des Stärkeren«, nicht um die Überwindung ethischer Werte, sondern um die Gewinnung einer selbstbestimmten Ethik.

Herrschaftsfreier, das heißt anarchistischer Ich-Du-Kontakt

Wer als Gestalttherapeut einem Klienten einen Ich-Du-Kontakt anbietet, der tut dies aus der Grundannahme der Gleichheit und Autonomie eines jeden Menschen. Was er damit tut, ist nichts anderes als einen herrschaftsfreien Raum zu schaffen, in dem wahrhafte Begegnung stattfinden kann. Dabei fühlt man sich an Bubers Betonung des Beginnens erinnert: nicht zu warten, bis die ideale Gesellschaft erkämpft worden ist, sondern zu erkennen, wo bereits heute anarchistisches, also herrschaftfreies Tun möglich ist.

Diese Räume und Möglichkeiten zu nutzen, hat ganz konkrete Auswirkung auf therapeutisches Handeln. So verzichtet der Gestalttherapeut etwa auf eine einseitige Deutungsmacht über den Klienten. Er weiß keine Lösungen für den Klienten, sondern stellt sich ihm in seinem Sosein zu Verfügung, damit dieser herausfinden kann, was für ihn ein angemessenes Verhalten ist - angemessen der tatsächlichen Umwelt gegenüber und angemessen sich selbst gegenüber, wie er nun einmal ist. So gibt es kein richtig und falsch, keine feststehende über die gemeinsame Situation hinaus Bestand habende und einseitig festgelegte Diagnose und keine inhaltlichen Ratschläge in der Gestalttherapie. Die Haltung der »kultivierten Unsicherheit« (Staemmler 1994) gibt dem Therapeuten Orientierung und läßt ihn dabei neugierig und sich seiner subjektiven Wirklichkeitskonstruktion bewußt sein, die nicht mehr Gültigkeit hat als die Sicht der anderen.

Immer wieder ist postuliert worden, Gestalttherapie sei nicht eine bestimmte Methode sondern ein »philosophischer Bezugsrahmen« (Lore Perls zitiert nach Blankertz 2000, 17), bei dem es entscheidend auf die Haltung ankommt. Dahinter verbirgt sich ein hoher Anspruch. Wer es ernst meint mit der herrschaftsfreien Ich-Du-Beziehung und mit dem Ziel eines freien, nicht in Rollen verhafteten Selbst, der wird nicht umhin kommen sich damit auseinander zu setzen, ob und inwieweit er sich einmischt in einer Gesellschaft, in der authentisches Verhalten kaum vorgesehen ist. Gestalttherapie versteht sich immer schon als »Therapie in Gesellschaft« (Doubrawa 1999, 177). Auch Lore Perls erlebt ihre Arbeit als eine politische: »Ich denke, wenn man Menschen dabei unterstützt, authentischer zu werden - in Gesellschaften, die mehr oder weniger autoritär oder autoritätsorientiert sind, ist das immer politische Arbeit, in der Therapie, in der Erziehung, in der Sozialarbeit« (Lore Perls zitiert nach Perls 1998, 10).

Ziel einer Gestalttherapie ist die Befähigung zu selbstbestimmten Leben

Die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und die nötigen Schritte zu ihrer Umsetzung tun zu können, authentisch und nicht in Rollen verhaftet zu sein, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen: das heißt als freier Mensch zu leben. Über einen solchen Menschen sagt Kathleen Höll: »Der freie Mensch oder Anarchist baut auf die natürlichen Kräfte. Es geht nicht darum, Organisationen zu beherrschen, sondern den Raum natürlicher Handlungen zu erweitern. (....) Anarchistisch handeln heißt nicht, sich den Zugzwängen der etablierten Politik zu unterwerfen, sondern die Grenze der Kooperation mit dem System festzulegen: bis hierher und nicht weiter« (Höll 1993, 34). Die Grenze bewußt zu setzen ist nicht einfach und macht Angst. Die Arbeit an der Grenzziehung - egal wem gegenüber - und die subjektiven Hindernisse, Schuldgefühle etc., die dabei auftauchen, sind häufig Teile therapeutischer Prozesse, die das Ziel eines selbstbestimmten Lebens haben. Denn, den »eigenen Möglichkeiten zu folgen, führt nicht ab vom rechten Weg, sondern läßt ihn klarer erkennen. Laßt uns unsere Grenze ziehen und es durchstehen.« (Goodman zitiert nach a.a.O.)

Dabei ist Goodman »generell ein Feind von Kompromissen, weil seiner Ansicht nach das Akzeptieren des kleineren Übels verhindert, nach einer innovativen, wahrhaft befriedigenden Lösung zu suchen.« (a.a.O., 33) - Das klingt anstrengend und herausfordernd, fördert aber die psychische Gesundheit, ist kreative, gegenseitige Anpassung und führt zu selbstbestimmtem Leben.

Das Aggressionsmodell und seine politischen Konsequenzen

Das Aggressionsmodell der Gestalttherapie vollzieht eine Analogie zwischen der Aufnahme physischer Nahrung einerseits und geistiger beziehungsweise seelischer andererseits. Goodman überträgt dies von der individuellen Ebene auf die gesellschaftliche und kommt so zu Aussagen darüber, wie eine Gesellschaft aussehen muß, damit sie die psychische Gesundheit ihrer Mitglieder fördert. Dies soll im Folgenden nachgezeichnet werden.

Das Aggressionsmodell

Sich nähren heißt, Ungleiches gleich zu machen, sagt Aristoteles. Um ein Bedürfnis zu befriedigen, z.B. den Hunger zu stillen, muß der Organismus auf aggressive Weise mit der Umwelt in Kontakt treten. Etwa so: Hunger spüren, Steak kaufen, braten (=verändern), kauen (=zerstören), verdauen (=assimilieren) und ausscheiden (=aggressive Abwehr dessen, was sich als nicht assimilierbar herausstellt). Damit ist das Bedürfnis befriedigt, die »Gestalt ist geschlossen« und tritt in den Hintergrund. Dieses Muster bezieht sich nicht nur auf Steaks, sondern kann genauso gut auf Bücher, den Einfluß der Eltern oder den Unterschied zwischen den Gewohnheiten des Partners und den eigenen übertragen werden. Wird nicht richtig »gekaut«, so kann nicht assimiliert werden und das Ergebnis sind Introjekte, die als Fremdkörper »schwer im Magen« liegen - eine mögliche Art der Kontaktstörungen, mit denen sich die Gestalttherapie beschäftigt. Aggression wird also als positiver Begriff gefaßt. Sie ist nichts Schlechtes, sondern richtet sich darauf, sich das eigene Leben wirklich anzueignen. Wenn ein Mensch das Gefühl hat, mit seinem Leben nicht gut zurecht zu kommen, dann führt die Gestalttherapie dies auf eine Unterdrückung der Aggression zurück, also auf eine Unterdrückung der Möglichkeit, seine Umwelt mit zu prägen.

Unsere Gesellschaft basiert laut Goodman auf folgender Struktur: Sie stellt dem Individuum vieles zur Verfügung: Nahrung, Unterkunft, Sicherheit, Bildung und Sinnlichkeit. Dafür verlangt sie einen sehr weitgehenden Verzicht des Individuums auf Konflikt und Aggressivität, da diese das Ziel von Ruhe, Ordnung und Harmonie bedrohen würden. Die Folge ist, daß dem Individuum die Möglichkeit genommen wird, sich über Begehren, Zerstören und Neugestalten die Gegenstände der Umwelt so anzupassen, daß sie für ihn passend werden. Sie bleiben äußerlich, fremd und unbefriedigend. Die gesellschaftliche Ächtung und Unterdrückung der individuellen Aggressivität, die behauptete Harmonie, setzt das Individuum mit seiner Wahrnehmung von sich selber und seinem Bedürfnis ins Unrecht, weil es so »den sozialen Frieden störe, und berechtigt die organisierte Gesellschaft im Namen des Friedens zu praktisch jeder Aggression« (Blankertz 2000, 110). Das erzeugt Angst. Diese latente, chronische Angst führt zum ständigen vorzeitigen Abbrechen der Konflikte und in der Konsequenz zur Neurosenbildung. Wer seine Bedürfnisse nicht einbringen kann, versucht sie dann mehr und mehr gar nicht erst zu spüren. Nicht die individuelle Aggressivität, sondern die vorzeitige Befriedung der Konflikte ist das Problem; sekundär richtet sich die Energie entweder nach innen gegen das Individuum oder in Form von - nun destruktiver - Zerstörungslust nach außen.

So ist in der Gesellschaft »nach gestalttherapeutischer Interpretation nicht etwa eine Zunahme, sondern vielmehr eine Abnahme von Aggression zu verzeichnen. Jedenfalls von Aggression, die zielgerichtet Konflikte zwischen Individuen oder Gruppen um die Gestaltung der Umwelt und die Befriedigung ihrer Bedürfnisse meint. Die organisierte, befriedete und zentralisierte Gesellschaft entfremdet die Menschen ihrer sozialen Konflikte, unterbindet Aggression und schneidet sie so von der Fähigkeit zur Kontrolle über ihr eigenes Leben ab. Anstelle von zielgerichteter Aggression gibt es dann blinde Destruktivität, die von den Menschen wiederum als angstmachende Zunahme der Gewalt erlebt wird« (Doubrawa/Blankertz 2000, 55/56).

Mit der Unterdrückung aggressiver Impulse werden die sozialen Konflikte stets im Interesse der bestehenden Ordnung und zu Ungunsten des einzelnen gelöst. Diese »Ordnung, die ja eigentlich das Ergebnis von organisierender freier Tätigkeit des Selbst ... (sein sollte), wird durch die Unterdrückung der Aggressivität immer mehr zur toten Form, an der die lebenden Menschen immer weniger Anteil haben« (a.a.O., 54).

Der Staat als Gewaltzusammenhang

Dies führt zu der Argumentationslinie, mit der Goodman sich grundsätzlich gegen den Staat als solchen ausspricht: Der Staat - egal welcher - ist keine freiwillige Assoziation, kein Bund, der durch Übereinkunft entsteht sondern durch Gewalt. Insofern kann staatlich Organisiertes keine Selbständigkeit enthalten. Eine Organisation selbständig handelnder Menschen hingegen muß sich fortwährend aus freiem Übereinkommen erneuern. Jede staatliche Organisation überformt eine eventuell zugestandene Selbständigkeit durch deren Teilhabe am Gewaltzusammenhang. Die Gewalt des Staates beruht auf seiner Übermacht dem Einzelnen gegenüber, die er durch Enteignung (genannt Steuern) gewonnen hat. Mit diesen Geldern der Menschen baut er Institutionen auf und finanziert Dinge, für die er nicht mehr auf die Zustimmung der Steuerzahler angewiesen ist. Er stellt Dienstleistungen zur Verfügung, deren einziger Anbieter er teilweise ist und zu deren Abnahme er die Menschen zwingt (Schulpflicht, Sozialversicherungspflicht, psychiatrische Behandlung durch Zwangseinweisung). Wenn jedoch der Einzelne einer Regel unterworfen wird, die ihm nicht paßt und auf die er keinen Einfluß hat, dann ist es für die krankmachende Wirkung einerlei, ob diese Regel von einem Diktator oder einer demokratischen Mehrheit erlassen worden ist. Durch Monopolisierung und Zentralisierung kommt es zu einer Machtzusammenballung, die sich unter anderem im »Gewaltmonopol« ausdrückt. Auch Martin Buber hatte schon dagegen opponiert, daß die Herrschenden mehr Macht besitzen, als die Bedingungen erfordern: »Im Staat, selbst in einem demokratischen, gibt es ein Übermaß an Macht« (Doubrawa 1999, 183). Darüber hinaus versucht der Staat sich durch die Okkupation sozial notwendiger Funktionen selbst zu legitimieren. Diese Gefahren müssen nach Bubers Vorstellung durch Dezentralisierung abgewehrt werden.

Dadurch, daß der Staat eine feste Institution ist, - mit Gewaltmonopol und großen Ressourcen ausgestattet - nimmt er der Gesellschaft die Flexibilität, sich nach den Bedürfnissen der Menschen zu formen. Es kommt zu einem Teufelskreis: Je mehr staatliche Reglementierungen es gibt, um so weniger hat der Einzelne das Gefühl, selber etwas gestalten zu können. Er fühlt sich ausgeliefert und ruft immer öfter den Staat um Schutz und Regeln an. Umgekehrt gilt auch, je weniger Autonomie die einzelnen zeigen und leben, um so »objektiv« notwendiger werden staatliche Reglementierungen.

Wir leben heute in einer Gesellschaft, in der der Gewaltzusammenhang wesentlich verdeckter ist, als in anderen Staatsformen. Dennoch sind sich so unterschiedliche Autoren wie Paul Goodman, Herbert Marcuse und Hilarion Petzold einig, daß die »Repression in der Gesellschaft ja keineswegs weniger geworden« (Petzold 1999, 62) ist. Marcuse spricht von »totalitären Demokratien, und totalitär wird hier neubestimmt und bedeutet die nicht nur terroristische, sondern auch pluralistische Aufhebung aller wirksamen Opposition durch die bestehende Gesellschaft.« (Marcuse 1965, 90) Diese geschieht laut Marcuse durch die Integration jener Elemente, die früher die gegebene Wirklichkeit anklagten und transzendierten: Sexualität, Kunst, Philosophie. Damit verlieren sie das »Moment der Befreiung vom Gesellschaftlichen« und die Repression selbst wird verdrängt: »die Gesellschaft hat nicht die individuelle Freiheit erweitert, sondern ihre Kontrolle über das Individuum« (a.a.O., 102).

Laut Goodman sind jedoch nicht Macht oder Machtmißbrauch das Problem, sondern Ohnmacht. Denn Macht ist die Fähigkeit etwas zu bewirken. Ohnmacht ist der Verlust dieser Fähigkeit oder auch die Unfähigkeit, sich gegen die Auswirkung der Handlung eines anderen zu wehren. Auf die Psychotherapie übertragen heißt das: Wer Menschen auf ihrem Weg unterstützen will, hin zu einem selbstbestimmten Leben - was heißt zu mehr Macht - und sich nicht mehr ohnmächtig ausgeliefert zu fühlen, der wird über die Grenzen des Subjektiven hinaus nur dann Erfolg haben, wenn er sich gegen die Strukturen wendet, die Ohnmacht herbeiführen und festigen.

Beispiele des Spannungsfeldes, in dem gestalttherapeutisches Handeln steht

Einige Beispiele aus therapeutischen Praxiskontexten sollen den Schluß dieser Arbeit bilden. Ohne Bewertung werden in kurzen, kritischen Schlaglichtern Spannungsfelder aufgezeigt, die zwischen gestalttherapeutischem Anspruch und praktischem Handeln im gesellschaftlichen Feld entstehen können. Sie werfen die Fragen nach Grenzziehung und Vereinnahmung auf. Ihre ehrliche Beantwortung kann nur jeder für sich leisten. Dies ist oft unbequem und doch gerade im Bewußtsein der politischen Dimension dieses Ansatzes unerläßlich.

Ausbildung von Psychotherapeuten: Anpassung an die Machtinstitution

Das Folgende ist einem Interview aus »Psychologie heute« mit dem Psychoanalytiker Paul Parin entnommen:

»Paul Parin: Sie meinen wohl, ob Psychoanalytiker der Institution gegenüber gehorsam sein müssen. Meiner Ansicht nach sollte ein Prinzip in der Psychoanalyse gelten: Das des Anarchismus. Die Psychoanalyse ist ein sehr spätes Kind der Aufklärung, mit dem Ideal des unabhängigen, niemanden außer seinem eigenen Gewissen und seiner eigenen Menschlichkeit verpflichteten Menschen.

PH: Haben Sie den Eindruck, daß dieses Prinzip in der psychoanalytischen Institution überhaupt wiederzufinden ist?

Parin: Ich glaube, daß die Institutionen ungeeignet sind und es geradezu verunmöglichen, diesem Prinzip im Rahmen der Berufsausübung nachzukommen. Die Institutionen, wie sie heute existieren, sind geradezu kontraproduktiv. (...) Die Opfer sind in erster Linie die Ausbildungskandidaten. Sie werden transformiert, sie werden der Institution angepaßt. Opfer zweiten Grades sind wahrscheinlich die Patienten; sie treffen auf angepaßte oder sogar überangepaßte Angehörige einer Machtinstitution« (Parin 1999, 265/266).

Gestaltpädagogik: Selbstbestimmung zwischen Schulzwang und Notengebung

Selbstkritisch fragt Claudio Hofmann auf den Berliner Gestalttagen 1998: »Könnte es also sein, daß die Erfolge von Gestaltpädagogik damit zusammenhängen, wie sie auch dazu beiträgt, die Krise des Bildungssystems humanistisch abzufedern und wie sie ihr von Goodman herrührendes subversives Erbe längst in systemkonformes Bildungskapital umgemünzt hat? (...) Nach Goodman gibt es im Grunde »nur eine richtige Erziehung: das Aufwachsen in einer Welt, in der es zu leben sich lohnt«. Betreiben wir Gestaltpädagogik und Gestalttherapie, weil wir das Vertrauen verloren haben, diese Welt, in der es sich zu leben lohnt, mitgestalten zu können oder ist unser Metier gerade Ausdruck dieses Vertrauens?« (Hofmann 1999, 36).

Noch deutlicher äußert sich Blankertz über die Schule als Zwangssystem und wirft der Gestaltpädagogik vor, einen Weg zu suchen, die Gestalttherapeuten nun endlich mit dem System zu versöhnen (Blankertz 2000, 28).

Suchtklinik: Wiederherstellung der Arbeitskraft

Wer als Gruppentherapeut in einer Rehabilitationseinrichtung für Alkoholkranke arbeitet, sieht sich und seine gestalttherapeutische Arbeit vor folgende grundsätzliche Einschränkung gestellt:

Es wird ihm vom Rentenversicherungsträger ein klares Therapieziel für eine stationäre Therapie mit festgelegter Dauer vorgegeben: Er soll dazu beitragen, daß die Klienten »trocken« bleiben und dem Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung stehen. Als weitergehendes Therapieziel könnte von der Klinikleitung ein »zufriedenes Leben ohne Suchtmittel« festgelegt werden. Der Therapeut wird in seiner Arbeit unter anderem daran gemessen, ob er mit den Klienten das Therapieziel erreicht. Ein von Therapeut und Klient gemeinsames, unvoreingenommenes Erarbeiten dessen, was das Bedürfnis des Klienten ist, wie seine Vorstellungen eines selbstbestimmten Lebens aussehen, ist kaum möglich und endet spätestens an den Grenzen, die Institution und Kostenträger setzen. Es geht auch nicht mehr um gegenseitige kreative Anpassung von Individuum und Gesellschaft, sondern um die einseitige Anpassung des ersteren an zweitere. Darüber hinaus kann der Therapeut durch seine Abhängigkeit von der Klinik und dem gesetzten Arbeitsauftrag dem Klienten nicht mehr wirklich frei von Rollen gegenüber treten. Eine echte Begegnung im Sinne eines Buberschen Ich-Du Kontaktes ist kaum noch möglich und die Therapie wird so, um diesen Wirkfaktor beraubt, weniger heilsam sein, als möglich wäre.

Praxis: Abrechnung über Krankenkasse: Ja oder Nein?

Wer als Gestalttherapeut in eigener Praxis arbeitet, tut dies in letzter Zeit häufig unter »falscher Flagge«. Um der eigenen existentiellen Absicherung willen, oder um nicht ein Therapeut einer gehobenen Mittelschicht zu werden, hat er in einem vielfach demütigenden Verfahren die Erlaubnis erworben, jemand anderer scheinen zu dürfen, als er sein will, und als dieser andere Geld zu verdienen. Dies entspricht restriktiver Handlungsfähigkeit und kann entweder - analog dem »Marsch durch die Institutionen« - gesehen werden als ein Hineintragen gestalttherapeutischer Grundlagen in das staatliche Gesundheitssystem oder als ein Stück Anpassung und Verleugnung der eigenen Wurzeln. Gestalttherapeuten sollten versuchen, die Spannung zwischen den Polen nicht zu verdrängen, sondern sie auszuhalten. Es geht darum, bewußt und eigenverantwortlich die Grenze zu ziehen: persönlich zu entscheiden auf welche der vorgegebenen Strukturen und Kooperationen man sich einlassen will und kann. Die Klarheit, mit der Gestalttherapeuten ihre Position beziehen, wird wegweisend sein für die Zukunft der Gestalttherapie.

Fuhr u.a. formulieren das so: »Die Frage (...) ist, ob ein Teil der Gestalt Community bereit ist, das (r)evolutionäre Erbe der Begründer der Gestalttherapie in einer den heutigen gesellschaftlichen Bedingungen angemessenen Weise weiterzuentwickeln, oder ob die Gestalttherapie zu einem ganz überwiegenden Teil in einem »schulenübergreifenden Paradigma« aufgeht.« (zitiert nach Staemmler 2001, 10).

Wenn die Gestalttherapie als eigenständige Therapieform bestehen bleiben soll, dann müssen die Gestalttherapeuten selber überzeugend begründen, warum ihre Existenz für die Gesellschaft wichtig ist. Nur aus dem Bewußtsein der eigenen Identität heraus und mit all dem, was eine gestalttherapeutische Selbstbestimmung unserer Gesellschaft und ihren entmündigenden Strukturen an »Vision und Methode« anzubieten hat, kann ein Auftreten entstehen, das dem Anspruch dieser Therapierichtung gerecht wird.

Die anarchistischen Wurzeln der Gestalttherapie und die damit verbundene Freiheit zur unabhängigen Analyse sind wesentlicher und zukunftsweisender Anteil konsequenter und selbstbestimmter Arbeit in und für die Gesellschaft.

 

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Praxisadressen von Gestalttherapeuten/-innen

 

Katharina Stahlmann

geb. 1970; Studium der Germanistik, Philosophie und Publizistik; große Heilpraktiker-Prüfung; Gestalttherapieausbildung bei F.-M. Staemmler und W. Bock.

Zunächst Tätigkeiten in Marktforschung und Public Relations; dann die Entdeckung, daß ihre Leidenschaft dem Menschen und seinen Entwicklungsmöglichkeiten gilt. Dies spiegelt sich in den zeitlich folgenden Arbeitsfeldern wider: Ambulante Krankenpflege, Einzelfall- und Sozialpädagogische Familienhilfe.

Als Gestalttherapeutin ist sie jetzt selbständig im Therapiezentrum Berlin e.V. tätig: neben der Einzeltherapie mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen auch als Supervisorin/Coach und Gruppenberaterin auf gestalttherapeutischer Grundlage.

Mit ihrem emanzipatorischen Potential und ihrer Forderung nach gelebter dialogischer Haltung ist die Gestalttherapie in den vergangenen Jahren nicht nur zur Grundlage von Katharina Stahlmanns Tätigkeit sondern ihres Lebens allgemein geworden. Von dieser Entwicklung zeugt auch der vorliegende Text, der an dieser Stelle zum ersten Mal veröffentlicht wird.

Katharina Stahlmann, Therapiezentrum Berlin e.V., Habsburger Str. 9, 10781 Berlin, Tel. (030) 8522478

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