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Stefan Schwall
Sartre für Gestalttherapeutinnen und -therapeuten
Ein Vortrag


Aus der Gestaltkritik 1/2012:

Gestaltkritik - Die Zeitschrift mit Programm aus dem Gestalt-Institut Köln
Gestaltkritik (Internet): ISSN 1615-1712

Themenschwerpunkte:

Gestaltkritik verbindet die Ankündigung unseres aktuellen Veranstaltungs- und Weiterbildungsprogramms mit dem Abdruck von Originalbeiträgen: Texte aus unseren "Werkstätten" und denen unserer Freunde.

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Praxisadressen von Gestalttherapeuten/-innen

  Hier folgt der Abdruck eines Beitrages aus Gestaltkritik 1/2012:

Stefan Schwall
Sartre für Gestalttherapeutinnen und -therapeuten
Ein Vortrag

Stefan Schwall (Foto: Horst ter Haar, 2011 im GIK)
Stefan Schwall (Foto: Horst ter Haar, 2011 im GIK)

Auf der Förderkreistagung Gestaltkritik, 9. – 10. 9. 2011 hielt ich einen Vortrag über die Philosophie Jean Paul Sartres. Stefan Blankertz hielt einen Tag zuvor einen Vortrag über die Kritik Adornos an der Philosophie Martin Bubers. Und Bruno Schleeger hielt einen Vortrag über den Begriff des Seins im Buddhismus [Der in der kommenden Ausgabe der „Gestaltkritik“ – 2/2012 erscheinen wird].

Im Workshop danach boten Stefan Blankertz und ich die Möglichkeit an, die Inhalte unserer Vorträge mit uns zu diskutieren. Diesem Angebot kamen viele Zuhörer nach, und es entstand eine lebhafte Diskussion. Diese Diskussion zeigte, dass das Interesse an den theoretischen Grundlagen der Gestalttherapie hoch zu sein scheint. Die Qualität der Beiträge zeigte auch, dass sich die Teilnehmer intensiv mit diesem Thema beschäftigten.

Ich beziehe mich auf alle drei Vorträge, weil sie sich in gewisser Hinsicht überschnitten haben und ein Grundproblem aufzeigten: Kontakt.

Der Vortrag von Bruno nahm uns mit auf den Weg, die schwierige Begrifflichkeit des Wortes SEIN zu ergründen. Ein Wort, welches, da es der allgemeinste Begriff ist, in seiner Erfassung besondere Schwierigkeiten macht. Ein ähnliches Problem macht der Begriff des Kontaktes oder Beziehung, dem sich Buber in seiner Ich-Du Metapher nähert. Beide Begriffe kreisen um das zentrale Phänomen der Gestalttherapie: Heilung durch Kontakt. Die Kritik an den Personen, die sich diesen Begriffen nähern, ist häufig die des Metaphysikvorwurfes oder die der Esoterik: ein Vorwurf der beinhaltet, dass die vorgelegte Erklärung an einer Stelle nicht mehr argumentativ angebunden werden kann. Dieses ist auch der Vorwurf Adornos an Buber: durch einen spezifischen Tonfall der Sprache würde das Phänomen verdeckt, ja vielleicht erst gebildet. Diese Vorwürfe wiegen doppelt schwer. Zunächst weil den Autoren damit unterstellt wird, sie verfolgen kein epistemologisches Motiv. Weiter, weil damit natürlich die Grundthemen der Gestalttherapie desavouiert werden. Eine Rehabilitation ist daher nötig.

Gibt es eine Alternative zur esoterischen Behandlung der Grundbegriffe der Gestalttherapie - die theoretische Frage? Gibt es eine Möglichkeit, die Ergebnisse Bubers argumentativ anders darzustellen, also die gleichen Phänomene in einem anderen Begriffskontext darzulegen - die didaktisch-methodische Frage. Und letztlich, ist es möglich die Begriffe so zu schärfen, dass sie praktisch werden können - die pragmatische Frage.

Ich denke, dass dieses möglich ist. Ich denke aber auch, dass es sehr schwierig ist. Aus diesem Grund habe ich für diesen Aufsatz auch nur ein eng umrissenes Ziel: einen Abriss der Ontologie Sartres als Grundlage für weitere Diskussionen in diesen Fragen. Weiter bietet diese Untersuchung die Möglichkeit zu verstehen, wie die Ontologie auch praktisch werden kann. Letztlich ist es eine wissenschaftliche Darstellung von philosophischen Grundbegriffen, die aus meiner Sicht, gestalttherapeutische Grundbegriffe fundiert.

Um den Gedankengang Sartres nachzuvollziehen, werde ich einige Positionen, die im Vortrag zu kurz kamen, genauer darlegen, da in der Schriftform die Belastbarkeit der Argumentation erfahrungsgemäß höher sein muss als im Vortrag. Weiter beziehe ich mich auf einige wenige Aspekte meines Vortrages im Jahr 2010.

Vorträge sind eine eigene Form der Vermittlung von Wissen - geschriebene Texte eine andere. Von daher sei mir nachzusehen, dass ich mich nicht sehr genau an meinen Vortrag halte, sondern mich bemühe, die Argumentation und mein Ansinnen des Gesagten hier nun schriftlich wiederzugeben.

 

Erste Überlegungen

Ich möchte in dieser Untersuchung darlegen, dass der Begriff des Kontaktes im Sinne Bubers im Rahmen einer Besprechung der Ontologie Sartres argumentativ zugänglicher gemacht werden kann. Ich möchte weiter den Begriff des Seins in diesem Kontext schärfen und ihn als Fundierung zum Kontaktbegriff entwickeln.

Meine Beiträge am GIK im Rahmen der Ausbildung und der Vorträge sind Teil einer intensiven Beschäftigung mit den philosophischen Grundbezügen der Gestalttherapie. Ich halte diese Beschäftigung für nötig, da ich persönlich der Meinung bin, und dieses ist zunächst eine reine persönliche Sicht der Dinge, dass die Gestalttherapie keine fundierte philosophische Verortung hat, bzw. sie scheint sich, wenn man sich die Literatur anschaut, eher eklekzistisch verschiedenen Positionen zuzuwenden, die allerdings kontradiktorisch sind: d.h. nichts anderes, als dass sich die Gestalttherapie zur Erläuterung ihres Ansatzes mal auf die eine Position, mal auf die andere bezieht. Betrachtet man aber nun diese Positionen genauer, so fällt auf, dass sie sich in ihren Grundbezügen ganz grundsätzlich unterscheiden, ja geradezu elementar ontologisch abgrenzen. Als ein Beispiel sei die Rückbesinnung mal auf die Position des Konstruktivismus oder die Position der Phänomenologie erwähnt, die sich fundamental in ihren ontologischen Annahmen widersprechen.

Um dieses an dieser Stelle kurz zu beantworten: die Phänomenologie würde die Annahme, die der Konstruktivismus macht, nämlich dass es eine Welt außerhalb von uns gibt, als eine metaphysische Spekulation bewerten und sich dieser Spekulation enthalten.

Wie auch immer diese unterschiedlichen Positionen bewertet werden, auf welche Position auch immer man sich bezieht: sie sind inkompatibel. Entweder bezieht man sich auf die eine oder die andere Position - sich auf beide zu beziehen würde bedeuten die metaphysischen Grundpositionen beider Denksysteme nicht ernst zu nehmen.

Warum ist dieses so? Vielleicht aus historischen Gründen, vielleicht aus der Not heraus, sich überhaupt ein Konzept zu geben. Ich vermute, dass die Gestalttherapeuten bemüht waren und sind, die Phänomene ihres Tuns auch theoretisch zu erklären. Und so wird, historisch betrachtet, mal diese mal jene Theorie bemüht, um diese typischen Phänomene zu erläutern. An dieser Stelle scheinen wir, so meine ich, zu stehen: in einer Phase der noch unentschlossenen Betrachtung von Erklärungen.

 

Ontologie in der Gestalttherapie am Beispiel der Ontologie Jean Paul Sartres

Was ist eine Theorie?

Eine Theorie zeichnet sich dadurch aus, dass sie die unterschiedlichen Phänomene eines Sachgebietes, also eines umrissenen und umschriebenen Phänomenbereiches, mit einheitlichen Erklärungsmodellen und Konzepten, sowie Begriffen beschreibt und eben dadurch erst einem Phänomenbereich eine Einheit gibt. Dieses wird meist notwendig, wenn insbesondere andere Theorien diesen Phänomenbereich erläutern und den Erklärungsanspruch für sich beanspruchen. Wissenschaft ist auch diese Dynamik von Ab- und Eingrenzung.

Ein Beispiel: in der Psychotherapie beanspruchen verschiedene Therapierichtungen für sich Heilung umzusetzen. Jede dieser Richtungen hat für sich eine Erklärung warum sie dieses überhaupt umsetzen kann. Im Fall der Verhaltenstherapie haben wir ein spezifisches Lernkonzept und Verständnis von Verhalten. Dieses ist wiederum naturalistisch ontologisch fundiert. Wenn nun die Verhaltenstherapeuten emotionale Aspekte, z.B. Beziehungsaspekte mit in ihre Arbeit aufnehmen, dann nicht deshalb, weil sie einen sogenannten Paradigmenwechsel vollzogen hätten und meinten, dass Beziehungen oder Emotionen heilen, sondern, weil ihr Lernkonzept beinhaltet, dass Lernprozesse stabiler und effektiver ablaufen, wenn sie emotional positiv begleitet werden - Zentrum der Theorie ist weiterhin das Lernkonzept.

An diesem Beispiel kann man das Prinzip einer Theorie beschreiben. Phänomene werden durch Begriffe beschrieben. Welche Phänomene zu einem Sachgebiet gehören, ist abhängig von den Grundüberzeugungen, die eine Gemeinschaft von Forschern oder in diesem Bereich Tätigen haben. Diese Gemeinschaft wird nun versuchen, die Begriffe in größeren Kontexten widerspruchsfrei zu verbinden. Dabei werden die konkreten Erfahrungen und Phänomene in Stufen der Abstraktion immer weiter verallgemeinert. Am Ende dieses Prozesses stehen Grundbegriffe, die entweder nicht weiter verallgemeinert werden können, oder deren Verallgemeinerung zur Auflösung des konkreten Sachgebietes führen. Zum Beispiel sind Moleküle und Bienen Entitäten im ontologischen Sinn. In biologischer und chemischer Hinsicht bedeutet die Verallgemeinerung zur Entität allerdings eine Auflösung der Sachgebiete Biologie und Chemie.

Theorien verallgemeinern also, allerdings nur im Rahmen ihrer Wissenschaft, auf die sie sich beziehen. Diese Regel ist notwendig zu beachten, wenn wir uns dem Sachgebiet der Gestalttherapie zuwenden und deren Grundbegriffen. Ich möchte hier nicht zwischen Grundbegriffen und Prinzipien unterscheiden. Im Grunde sind sie dasselbe. Ein Begriff ist eine Beschreibung einer Fülle von Regeln, mit der man eine Mannigfaltigkeit der Realität unter ihn subsumiert. Zum Beispiel der Begriff Katze ist ja so weit gefasst, dass man in der Tat Hauskatzen und Löwen unter ihn fassen kann - aber eben keine Hunde. An dieser Stelle schließt der Begriff also aus. Die Regel könnte lauten: alle Tiere, die miauen, sind keine Hunde - oder so ähnlich. Dies ist nicht erschöpfend, aber ich will ja auch nur erläutern, dass Begriffe keine reinen Wörter sind, sondern eher Regeln, die uns sagen, wie wir die Phänomene einzugruppieren haben.

 Stefan Schwall (Foto: Horst ter Haar, 2011 im GIK)
Stefan Schwall (Foto: Horst ter Haar, 2011 im GIK)

Was sind Grundbegriffe der Gestalttherapie

Grundbegriffe der Gestalttherapie sind sicherlich neben dem Begriff der Gestalt, solche wie Figur Hintergrund, Paradoxie der Veränderung, Kontakt, Awareness, Beziehung, Aggression, Hier und Jetzt, organismische Selbstregulation etc. Diese Reihe ist vielleicht nicht vollständig und vielleicht ist der eine oder andere Begriff kein Grundbegriff. Aber diese Begriffe unterscheiden sich von den, ich nenne sie mal technischen Begriffen: Konfluenz, Projektion, Egotismus etc. Technische Begriffe sind nur über die Grundbegriffe sinnvoll zu nutzen. Nehmen wir zum Beispiel den Begriff Projektion. Dieser Begriff ist auch in der Psychoanalyse zu finden, auch im alltäglichen Leben, wir finden ihn in der Abweisung von Auseinandersetzungen, wie im strategischen Schuldzuweisen. Technische Begriffe verändern ihren Sinn im Rahmen einer Theorie, also im Kontext von bestimmten Grundbegriffen. So drücken wir in der Gestalttherapie mit Projektion aus, dass etwas, was zu mir gehört, umgangssprachlich meines ist, als Eigenanteil des Anderen gesehen wird. Wir beschreiben damit also das bekannte Phänomen, dass mir jemand zum Beispiel etwas unterstellt. Nun ist es aber ein Unterschied, ob ich grundsätzlich davon ausgehe, dass es einen echten und wirklichen Kontakt zu einer anderen Person gibt, wie auch immer wir dieses zu verstehen bemüht sind - ich vermute ja, dass das Konzept von Buber Ich-Du Beziehung dieses ausdrückt - oder nur einen wahrscheinlichen, d.h. grundsätzlich unmöglichen, Kontakt zu einem anderen Menschen gibt und dieser immer durch Introjektionen und anschließenden Projektionen vermittelt ist. Die letztere Position unterstelle ich z.B. der Verhaltenstherapie, da sie zum Beispiel keine Konzeption für solche Begriffe wie Kontakt oder Berührung oder Beziehung hat, außer die Vorstellung von einer, nennen wir sie mal sekundären Wahrnehmung durch Interpretationsschemata - wie natürlich auch die Systemiker, aber, so denke ich, auch die Analytiker.

(Wenn ich behaupte, diese Therapierichtungen hätten keine tragfähige Konzeption für Kontakt oder Beziehung (im Sinne der Ich-DU Beziehung), dann meine ich damit keine tragfähige Konzeption hinsichtlich eines realen unvermittelten und direkten Kontaktes mit einem anderen Menschen ohne Hilfsformationen wie Projektionen, Introjektionen, Analogieschlüssen oder Interpretationen sowie Konstruktionen.)

Da dieses eine starke Aussage ist, benötige ich natürlich ein starkes Argument für diese Position. Ich werde nun im Folgenden eine kurze Argumentationslinie nachzeichnen, die sich auf typische phänomenologische Argumente bezieht und einem starken ontologischen Realismus entsprechen, um dann im Anschluss eine alternative Sichtweise darzulegen, die ich versuchte auf der Förderkreistagung zu referieren.

 

Hypothese

Ich halte den Begriff der Beziehung für einen metaphysisch problematischen Begriff. Metaphysisch problematisch heißt, er benötigt eine Fundierung im grundsätzlichen Sinne, damit er nicht konturlos wird. Konturlos wird dieser Begriff, weil er ein Phänomen beschreibt, welches sich eben nicht mehr so unproblematisch auf einen abstrakteren Begriff reduzieren lässt. Und dieses ist deshalb problematisch, weil er so sehr in unserer Alltagssprache verankert ist und dort ein Grundbegriff ist, so dass eine weitere Beschreibung schwierig ist.

Beziehung wird oftmals als Unterbegriff von Kontakt benutzt, d.h. dass in der Beziehung die Aspekte von Kontakt enthalten sein müssen. Durch das Ausweichen auf den Begriff des Kontaktes haben wir also nichts gewonnen.

Weiter behaupte ich, dass die Gestalttherapie ihre Heilung eben durch die Herstellung von Kontakt umsetzt. Ich denke, dass Sie den Klienten mit sich selbst, dem Therapeuten (also dem Anderen) und seiner Umwelt wieder in einen Kontakt bringt, der zuvor unterbrochen, gestört oder was auch immer gewesen ist. Kurz: Kontakt heilt.

 

Die Fragestellung

Wenn nun Kontakt heilen soll, wie ich es oben behaupte, dann muss die Gestalttherapie erklären

a) wie dieses gehen soll
und grundsätzlicher
b) was Kontakt eigentlich sein soll?

Um diese vielleicht selbstverständlich zu sein scheinende Frage zu pointieren, ist es vielleicht sinnvoll die Gegenposition genauer darzustellen, die Position der Systemiker oder Verhaltenstherapeuten, denen ich eben unterstellte, sie hätten keine begriffliche Fassung für einen echten Kontakt.

 

Die Gegenposition

Ich beziehe mich an dieser Stelle auf die Position der Konstruktivisten, da diese erkenntnistheoretische Position doch am weitesten bekannt ist (Watzlawick z.B.) und durch den Siegeszug der Systemiker auch einen hohen Bekanntheitsgrad erlangt hat. Außerdem würden die meisten Verhaltenstherapeuten vielen grundsätzlichen Aspekten dieser Theorie zustimmen (das Konzept der Black Box z.B.), obgleich die Annahme einer äußeren Realität bei beiden etwas unterschiedlich gesehen wird.

Die grundsätzliche Position dieser Theorie ist die Vorstellung, die ich zu Beginn als metaphysische Spekulation bezeichnet habe, dass es eine äußere Welt gibt. Gleiches würden auch die Verhaltenstherapeuten als überzeugte Empiristen und damit Naturalisten sagen. Wenn ich dieses nun so sehe, dann muss ich erklären, wie die äußere Welt zum Beispiel wahrgenommen werden kann. Dieses führt zum Problem der Übersetzung der äußeren, nennen wir sie mal Reizen, zur inneren Verarbeitung und Interpretation. In diesem Denken spielt die Vorstellung einer Welt, in der der Mensch ein Objekt unter anderen Objekten ist und als solcher auch objektiv betrachtet werden kann, eine gewisse Rolle. Nun geht der Konstruktivist davon aus, dass die durch die äußere Welt ausgelösten Reize von dem aufnehmenden Subjekt interpretiert werden müssen und dann zu einer Konstruktion der äußeren Wahrnehmung, der sozialen Wirklichkeit etc. führen. Der Andere ist zum Beispiel eine Konstruktion eines Individuums, welche allerdings durch korrigierende Erfahrung ständig angepasst wird (sogenannte Pertubation). Es ist nie DAS Individuum, sondern immer nur eine gerade bestehende, durch aktuelle und bereits gemachte Erfahrungen und Erwartungen geformte Konstruktion, die, und dieses bitte ich an dieser Stelle zu beachten eine von MIR ausgehende Konstruktion ist.

Zusammengefasst: der Konstruktivist ist durch einen Schleier der Sinnesapparate und der Denkorgane von der Wirklichkeit, wie sie eigentlich ist, getrennt. Diese Trennung ist nur durch eine sinnvolle Konstruktion, die sich im Laufe der Menschheitsgeschichte und individuellen Lebensgeschichte verringert, aber nicht aufgehoben worden - und wird auch niemals aufgehoben werden. Damit befindet sich der Konstruktivist in der langen Tradition von Philosophen, die davon ausgehen, es gäbe so etwas wie eine Welt an sich, die sich uns entzieht und die wir niemals erkennen können (z.B Kant). Kontakt ist dann nichts weiter als eine Form der Oberflächenberührung, eines Zusammentreffens verschiedener Sichtweisen und Kommunikationsmuster, die miteinander bemüht sind sich zu verständigen.

 

Der Einspruch

Die Konsequenz ist meines Erachtens nun die, dass der Konstruktivist den Anderen nicht als dem absolut Anderen begegnet, begegnen kann, sondern nur einer, im Sinne der bereits bestehenden Erfahrungen gemachten Projektion oder Konstruktion, die aber doch bedeutet, dass ich dem Anderen meine Erfahrungen und Konstruktionen “unterstellen” muss, damit ich überhaupt Erkenntnis von ihm erlangen kann.

Ich denke, dass jeder Konstruktivist hier nun einwenden würde, dass ja durch die beständige Konfrontation mit der realen Person, wir erinnern uns, dieses kann ja nur eine Annahme sein, weil Realität ja nicht erfahrbar ist, abgewandelt und angepasst wird und somit man sich durch die Erfahrung der Wirklichkeit nähert. Hierzu ist zu bemerken: da der Konstruktivist mit seinem erkenntnistheoretischen Primat in sich selbst eingekapselt ist, kann er sich nicht anders als über eine Konstruktion dem Anderen nähern. Wie nah auch immer man dem Anderen sich nähert, nie erfährt man die Andersheit des Anderen, da dieser ja immer schon in der Konstruktion eingefangen wird, mag diese auch noch so genau sein. Diese erkenntnistheoretische solipsistische Konsequenz gilt es zu berücksichtigen. Hierin unterscheidet sich denn dann auch der Konstruktivist von einer kantischen Position.

Beispiel: Ist es so, dass ich überrascht bin, weil der andere so und nicht so wie ich dachte ist? Oder weil er SO ist, wie er gerade ist? Wenn das letztere der Fall ist, dann weiß ich doch immer schon, dass der andere nicht so ist, wie ich ihn meine. Natürlich ist, soviel erfahren, wissen, verstehen wir schon immer in dieser Welt, der Andere nicht meine Projektion, auch nicht meine Konstruktion. Nein die Überraschung bezieht sich auf sein SO-Sein. Der Andere entbirgt sich mir und deshalb bin ich überrascht, vorher wusste ich es noch nicht, jetzt weiß ich es.

Wenn es nun so ist, dass der Andere mir etwas zeigt, was völlig unabhängig von meiner Erwartung ist, also etwa so ausgedrückt, der Andere entbirgt einen Teil der Welt, der sich mir bis dahin entzogen hat, dann, und nur dann erfahre ich DURCH den Anderen einen anderen mir fremden Teil der Welt und nicht meine verfehlte Projektion. Enttäuschung entsteht durch eine Täuschung im Sinne der Vorannahme - Überraschung im plötzlichen Auftauchen von etwas.

 

Abschluss

Die Überlegung, dass eine konstruktivistische oder aber ganz allgemein eine Position, die sich dem Anderen, wenn überhaupt nur über eine Konstruktion oder Analogie oder Interpretation nähert, in letzter Konsequenz den Anderen in seiner Andersheit verfehlt, sollte damit deutlich geworden sein. Indem diese Positionen vom Subjekt aus den Anderen konstruieren, interpretieren oder per Analogie versuchen zu erfassen, verfehlen sie das spezifisch Fremde an dem Anderen und damit den Anderen selber. Sie erfassen, wenn überhaupt, sich selber im Anderen.

Nun ist eine solche Position solange unkritisch, solange sie nicht aussagt, dass es eben genau dieser Kontakt mit dem jeweils anderen sei, der einen Effekt haben muss. Dieses tun ja nun auch diese Positionen nicht. Deren Vorstellung von Heilung basieren ja im weitesten Sinne auf einer Reorganisation der Interpretationen, Konstruktionen und der Lernprozesse. Somit gilt meine Kritik auch nicht deren Erklärungsmodellen, die ich natürlich für berechtigt halte - im Kontext ihrer Ansätze. Meine Kritik richtet sich gegen systemisch, konstruktivistisch, lerntheoretisch oder analytisch argumentierende Gestalttherapeuten, die offensichtlich die Grundbegriffe der Gestalttherapie vor erkenntnistheoretischen Hintergründen thematisieren, die dem Grundbegriff des Kontaktes nicht entsprechen können. Nämlich im Sinne eines echten Kontaktes mit der Fremdheit des Anderen, sei es die andere Person, die uns umgebende sich entziehende Welt oder auch ihm selber. Diese Forderung nach einem echten Kontakt mit der Welt als Bedingung für Heilung erfordert eine Konzeption, eine Theorie, in der dieser Prozess auch grundsätzlich möglich ist. Im Konstruktivismus ist dieses so sicherlich nicht möglich. Man kann sich an dieser Stelle fragen, wie zum Beispiel das Konzept der Awareness im Sinne eines Konstruktivismus gesehen werden sollte. Man erinnere sich:

Durch Bewertung und Absichtlichkeit wird ebenso wie durch Gewohnheit und Angst die Menge dessen, was wahrgenommen oder bewusst wird oder dem Aufmerksamkeit geschenkt wird, eingeschränkt bzw. »zensiert« (Projektion). Demgegenüber hilft die »Awareness«, sich den Dingen zu öffnen, wie sie sind, und demzufolge angemessener handeln zu können. Heute wird für die deutsche Übersetzung meist auf das eher altertümlich klingende Wort »Gewahrsein« zurückgegriffen. (Lexikon der Gestalttherapie - Blankertz/Doubrawa)

Es geht also darum “sich den Dingen zu öffnen”! Warum? könnte man sich fragen. Worin liegt der Wert? Doch wohl darin, da sich in diesem Kontakt eine Begegnung fern von einer Projektion oder Konstruktion erwarten lässt. Denn sonst tausche ich doch nur eine Konstruktion gegen eine andere und bin im Sinne der popperischen Falsifikation auf dem gleichen Stand wie vorher. Oder anders ausgedrückt: Warum sollte die Konstruktion des Therapeuten besser sein, als die des Klienten - eine Frage, die sich hinsichtlich des Psychomarktes in der Tat verstärkt aufdrängt.

Indem die Gestalttherapeuten der ersten Generation genau diesen Kontakt in den Mittelpunkt stellten und sich der Gefahr eines echten Kontaktes auslieferten, machten Sie auch theoretisch ernst mit der Aufforderung nach Veränderung. Nicht nur Veränderung des Anderen, sondern auch und gerade der Veränderung des Therapeuten. Weit entfernt von einer romantischen Postulierung einer konfluenten Gleichheit im therapeutischen Setting, bedeutet die Forderung nach Beziehung im therapeutischen Kontext die Aufgabe der individuellen personalen Position zugunsten einer Reise ins Ungewisse. Dass dieses Ungewisse der Form nach dem Menschen in seinem Mensch-Sein entspricht, das soll im Folgenden an der Position Jean Paul Sartres dargelegt werden.

 

Das Problem des Anderen

Wohin haben uns unsere Überlegungen bisher gebracht? Ich ging davon aus, dass es der Gestalttherapie an einer konsistenten philosophischen Fundierung fehle. Begründet hatte ich dieses damit, dass die Gestalttherapie ontologisch sehr unterschiedliche philosophische Erklärungmodelle bemüht, die einander sogar widersprechen. Diese Unsicherheit war für mich weiter Ausdruck einer Schwäche in der Fundierung der Grundbegriffe der Gestalttherapie. Ein Grundbegriff ist der des Kontaktes. Meine These war nun, dass der Konstruktivismus, der häufig als Erklärung der Phänomene der Gestalttherapie bemüht wird, einen Kontakt im Sinne Bubers, also eine Ich-Du Beziehung, nicht erklären kann, da er in seiner Bewegung zur Welt immer nur im Rahmen eines Konstrukts sich diesem nähern kann. Eine weitere Annahme von mir war, dass die Gestalttherapie ihre Effekte auf eben diesen Kontakt, den Buber beschreibt, zurückführt. Hieraus ergibt sich nun die Frage, ob sich diese Ich-Du Beziehung, dieser echte Kontakt, auf eine philosophische Position zurückführen lässt. Im Sinne unserer Erläuterungen weiter oben bedeutet dieses, dass wir den Grundbegriff Kontakt weiter auflösen müssen.

Aus meiner Sicht müsste diese Theorie Folgendes leisten:

1. Sie müsste erklären können, dass Kontakt invasiv ist, d.h. nicht nur ein Oberflächenphänomen
2. Sie müsste erläutern können, wie diese Form des Kontaktes heilen kann
3. Und letztlich müsste die von uns bemühte Metapher der Ich-Du Beziehung durch diese Erklärung eine argumentative Basis erhalten.

In der Ontologie Sartres findet sich aus meiner Sicht die von mir geforderte Fundierung des Begriffes Kontakt im Sinne einer Ich-Du Beziehung.

 

Solipsismus

Unter dem Begriff des Solipsismus versteht man in der Philosophie die Position, dass das Subjekt in sich abgeschlossen ist und deshalb nicht oder nur vermittelt im Sinne eines Urteilsschlusses der Außenwelt und den Menschen dort begegnen kann. Alles was wir von der Außenwelt wahrnehmen ist von dieser Position aus betrachtet bloß wahrscheinlich. Damit sind die Begegnungen zu den anderen Menschen auch nicht direkt, sondern nur im Rahmen einer von mir ausgehenden Interpretation zugänglich. Diese Position begegnete uns schon bei den Konstruktivisten, denen man ebenfalls den Solipsismus vorwirft. Typisch für diese Position ist die Haltung, dass die anderen um mich herum als Menschen interpretiert werden, weil sie mir ähnlich sind, und ich deshalb von mir auf sie schließe. Das hieße, dass ich den anderen nicht erfahre, sondern ihm ein Bewusstsein zuspreche, weil ich von mir auf ihn schließe. Der Andere als Folge eines Analogieschlusses. Damit bleibt der Andere nur Abkömmling meines Selbst - und natürlich kann man dann auch sagen, man verstehe den Anderen, eben weil er ja von mir aus betrachtet mir ähnlich bzw. gleich ist. Die Konzeption des Anderen als absoluter Andere ist von dieser Position aus betrachtet nicht möglich.

Die Gegenposition ist das, was Buber den Ich-Du Kontakt nannte: also die unvermittelte unmittelbare Begegnung.

Unser Problem des Ich-Du Kontaktes ist also ein Problem des Solipsismus. Sartre zeigt nun auf, dass im Erblickt werden durch den anderen und den daraus resultierenden affektiven Zuständen, der Andere nicht nur bloß als wahrscheinlicher oder geurteilter Anderer auftaucht, sondern gerade weil ich dem anderen in der Scham zum Beispiel ausgeliefert bin, dieses auch affektiv erfahre. Wäre der andere nur wahrscheinlich, dann würde, so die phänomenologische Analyse, die Scham nicht so massiv sein, gar nicht existieren. Die Intellektualisierung ist ja auch deshalb eine Form der Abwehr.

Die Frage lautet nun, wie so etwas wie die Scham ontologisch fundiert werden kann.

 

Ontologisches Problem

Worin besteht nun das ontologische Problem? Nun, es muss schlicht erklärt werden, wie ein mir Fremdes mich so sehr betroffen werden lassen kann, dass es mich in meiner Selbstbezogenheit oder in meiner Selbstbetrachtung irritiert oder aber verunsichert werden lassen kann. Denn wenn dieses erklärt wird, dann kann auch verstanden werden, wie ein Fremdes mich heilen kann. Denn so scheint es ja zu sein: wir gehen zu anderen doch deshalb, weil wir selbst nicht mehr wissen, was mit uns los ist. Dieses aber, so denken wir, werden wir durch den anderen erfahren. Und so ist es doch auch in Beziehungen jeglicher Natur: wir erklären uns den Anderen, um durch sie zu erfahren, wer oder was wir selber sind. Wäre es anders, wüsste der Andere von mir nichts, weil er die Kluft zu mir nicht überwinden kann, dann wären die Kontemplation, aber nicht der Dialog, der Weg zu Heilung.

Also wie kann der Andere in mich, in mein Sein, in mein Bewusstsein so eindringen, dass ich von ihm betroffen, ja geradezu infiziert werden kann. Um dieses nachzuvollziehen muss geklärt werden, wie Sartre sich das Bewusstsein, also die Form unseres Seins vorstellt.

 

Der Begriff des Seins bei Sartre

Sartre unterscheidet zwischen zwei Formen des Seins: das Ansich Sein und das Fürsich Sein. Das Ansich Sein ist das Sein, das ist, was es ist. Sartre will damit ausdrücken, dass zum Beispiel ein Stein, ein Baum, Wind etc. genau das ist, was es ist, also ein Stein, Baum oder Wind. Es ist nicht etwas anderes. Ansich Sein ist also Sartres Begriff für das Sein der Dinge.

Das Fürsich Sein ist das Sein, welches er für den Menschen bzw. für Wesen benutzt, die ein Bewusstsein haben, egal ob es sich dabei um Maschinen oder Engel oder Menschen handelt. Das Fürsich Sein ist das Sein, das ist, was es nicht ist, und das nicht ist, was es ist. Sartre will damit ausdrücken, das das Bewusstsein eine Form von Sein ist, nämlich das Fürsich Sein, dass sich dadurch auszeichnet, dass es nur ist, weil es auf der Basis eines anderen Seins existieren kann, nämlich dem Ansich Sein. Dazu später mehr.

Sartre benutzt zur Unterscheidung zwei weitere Begriffe: Faktizität und Transzendenz. Faktizität meint dabei, dass etwas ist, was es ist. Zum Beispiel soundso schwer ist oder eine bestimmte Farbe hat etc.. Transzendenz heißt, er übersteigt das Gegebene. So können zum Beispiel Fürsich Seiende ihre Faktizität hinsichtlich Vergangenheit und Zukunft überschreiten. Sartre sieht hierin die ontologische Bedingung für das Phänomen, dass wir uns selber etwas vormachen können.

Fassen wir kurz zusammen: Menschliches Sein, so Sartre, ist Fürsich Sein und damit in der Lage sich zu transzendieren. D.h. wir können uns eine andere Bedeutung geben, bzw. haben einen gewissen Spielraum in der Ausformulierung unserer Faktizität. Warum ist das so, bzw. geht dieses überhaupt?

 

Bewusstsein

Menschliches Sein, so Sartre, ist Fürsich Sein und dieses Fürsich Sein ist in der Form des Bewusstseins vorhanden. Bewusstsein, so Sartre, ist immer Bewusstsein von etwas. Das heißt für Sartre in Anlehnung an Brentano und Husserl, dass es kein leeres Bewusstsein geben kann. Inhalt des Bewusstseins ist für Sartre das Sein, welches nicht Bewusstsein ist, also kurz das Ansich Sein. Dieses bedeutet, dass für Sartre das Bewusstsein auf der Basis von etwas ist, was es selber nicht ist. Damit ist das Bewusstsein sich selbst transzendent, was wiederum bedeutet, dass es nicht ist, was es ist. Hierin liegt dann auch die Bedingung dafür, dass wir ontologisch streng genommen nicht das sind, was wir sind, sondern eigentlich unsere Basis auf etwas steht, was uns fremd ist. Wie können wir uns nun diesem Bewusstsein nähern, welches ja, nach der Argumentation Sartres, uns eigentlich fremd ist.

Sartre unterscheidet zwei Zugangsformen des Bewusstseins zu sich selber: das reflexive Bewusstsein und das präreflexive Bewusstsein.

Im reflexiven Bewusstsein können wir unsere Inhalte als Objekte betrachten. Wir stehen ihnen in einer gewissen Abständigkeit entgegen, und sind sie nicht mehr selber. Quasi von einer abstrakteren Ebene betrachten wir uns selber, in dem was wir machen, ohne dass wir in dem versunken sind, was wir machen.

Demgegenüber stellt er das präreflexive Bewusstsein, welches er dem reflexiven Bewusstsein vorstellt. In diesem Bewusstsein haben wir zwar kein Wissen über die Inhalte, aber wir sind in einem Zustand, aus dem heraus wir in den reflexiven Zustand hinübertreten können. Als Beispiel nimmt Sartre das Zählen von Zigaretten. Wenn jemand Zigaretten zählt, so tut er dieses einfach so, ohne dass er sich dessen reflexiv bewusst wäre. Die Person sitzt an einem Tisch und zählt einfach, macht einfach etwas ohne darüber nachzudenken. Wenn wir die Person fragen würden, was sie dort tut, dann würde sie sagen: zählen.

Worin liegt nun nach Sartre der Unterschied? Im ersten Zustand bin ich das, was ich tue, ohne mir aber darüber Rechenschaft zu geben. Im zweiten Zustand gebe ich mir Rechenschaft, bin aber dadurch, dass ich im reflexiven Zustand bin, vom eigentlichen Geschehen schon entfernt. In letzter Konsequenz bedeutet dies, dass ich mir selber niemals transparent sein kann, da ich nie das bin, was ich bin und das bin, was ich nicht bin. In diese Dynamik ist der Einbruch des Anderen ein völlig neues Ereignis. Da der Andere, so Sartre, mich so sieht, wie ich mich niemals sehen kann, bemerkt er Seiten an mir, die ich niemals bemerken würde, besitzt er ein Geheimnis von mir, welches sich mir entzieht. Sartre geht noch weiter. Der Andere ist die Bedingung dafür, dass ich meine Inhalte des Bewusstseins überhaupt reflektieren kann. Indem der Andere mich sieht, darin sieht, was ich tue und mich dann fragt, erst dadurch erhalte ich die Möglichkeit über mich zu reflektieren und in Abständigkeit zu kommen. Dieser Prozess ist für Sartre so allgemeingültig, dass er behauptet, dass wir ohne die Existenz anderer Menschen niemals einen Begriff von ICH entwickeln würden: was wiederum heißt, dass ICH durch den Anderen bedingt ist.

Zusammengefasst: Ich als Bewusstsein bin in doppelter Hinsicht von mir entfernt. Zunächst weil mein Bewusstsein seine Fundierung in etwas hat, was nicht ich ist. Damit ist das Bewusstsein in seinen Inhalten schon fremd. Weiter weil der Zugang des Bewusstseins zu sich selber durch den Anderen vermittelt ist. Die Folge ist, dass nur der Andere mir durch sein Gegenüberstehen eine Vorstellung von mir selber gibt, indem er mich aus der präreflexiven Struktur heraushebt.

Was bedeutet dieses für die Gestalttherapie und ihren Begriff von Beziehung oder Kontakt?

 

Kontakt

Wenn nun das oben gesagte stimmt, dann bedeutet dieses, dass das Bewusstsein sich selber schon immer fremd sein muss. Der Kontakt zum anderen ermöglicht dann zuallererst den Zugang zu mir selber, da er ja die Bedingung meines ICHs überhaupt ist. Damit ist nicht der konkrete Andere gemeint: diese oder jener. Sondern die Position des mir fremden. Vergegenwärtigen wir uns: es war ja nicht der alltägliche konkrete Kontakt der Beziehungen, die therapeutische Wirkungen entfalten, sondern der therapeutische Kontakt, der durch eine gewisse Enthaltsamkeit bei gleichzeitiger echter Begegnung geprägt ist. Genau dieses finden wir in der Vorstellung bei Sartre, dass das Fremde, das Andere im Anderen für mich die Möglichkeit bietet, mich selber zu entdecken. Dieses geht aber nur dann, wenn der Andere etwas über mich weiß, was ich nicht weiß. Und dieses wiederum geht nur dann, wenn ICH nicht aus mir selber heraus kommt, sondern etwas ist, was durch den Anderen erweckt wird. So ist es nicht Ausdruck von Labilität, dass, wenn man uns ständig unsere Wahrnehmung abspricht, wir irgendwann anfangen selber an das zu glauben und zu sehen, was die anderen sagen, sondern Ausdruck unserer Verfasstheit unseres Seins nicht zu sein, was wir sind und das zu sein was wir nicht sind. Hierin nun, so denke ich, liegt die Bedingung dafür, dass Therapie funktionieren kann - wenn sie sich auf die Beziehung als Methode einlässt.

Praxisadressen von Gestalttherapeuten/-innen

Stefan Schwall (Foto: Horst ter Haar, 2011 im GIK)
Stefan Schwall (Foto: Horst ter Haar, 2011 im GIK)

Stefan Schwall, 1969, Gestalttherapeut, Tätigkeit als Lehrer und pädagogischer Gruppen- und Heimleiter, Gründer und Leiter des Instituts Apeiros in Wuppertal.

Das Institut Apeiros ist einer Betreuungs-, Informations- und Netzwerkinstitution im Bildungsbereich, ein annerkannter Träger der Jugendhilfe im Bereich Schulverweigerung und Qualifizierungspartner für Schulen und soziale Einrichtungen

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