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Kristine Schneider
"Meine Wildnis ist die Seele des anderen"
Erinnerungen an Lore Perls (1905-1990), die Mitbegründerin der Gestalttherapie


Aus der Gestaltkritik

Gestaltkritik - Die Zeitschrift mit Programm aus dem Gestalt-Institut Köln
Gestaltkritik (Internet): ISSN 1615-1712

Themenschwerpunkte:

Gestaltkritik verbindet die Ankündigung unseres aktuellen Veranstaltungs- und Weiterbildungsprogramms mit dem Abdruck von Originalbeiträgen: Texte aus unseren "Werkstätten" und denen unserer Freunde.

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  Hier folgt der Abdruck eines Beitrages aus der Gestaltkritik 2-1994:

Kristine Schneider
"Meine Wildnis ist die Seele des anderen"
Erinnerungen an Lore Perls (1905-1990), die Mitbegründerin der Gestalttherapie

 

(Lore Perls)

 

Ich möchte heute gerne eine angenehme Stunde mit Ihnen verbringen. Falls Sie etwas Wissenschaftliches erwarten, muß ich Sie enttäuschen. Allerdings berichte ich nichts, was nicht stimmt. Ich möchte Ihnen von einem Menschen erzählen, den ich verehre.

Wer war Lore Perls? Kennengelernt habe ich sie 1978 in einem Seminar und habe mich dann gleich für ein weiteres angemeldet. So gewann ich ihr Vertrauen, einige Seminare für sie in Düsseldorf zu organisieren, und so habe ich sie auch gleich von der praktischen Seite her kennengelernt. Ich fing an, Dinge zu lesen, die sie mir empfahl, und da sie in dieser Zeit regelmäßig in Deutschland war, um sich zu erholen, ihre Heimatstadt Pforzheim zu besuchen und in den Alpen Urlaub zu machen, hatten wir jedes Jahr Gelegenheit, uns zu sehen, und ich habe kein Jahr ausgelassen. Zugute kam mir meine Freundschaft mit Anna und Milan Sreckovic, wo sie aufs großzügigste untergebracht war und mit denen sie oft wochenlang in Köln lebte. Meine Legitimation, über sie persönlich zu berichten, bezieht sich daher auf ihre späten Lebensjahre, und all das, was ich aus früheren Zeiten über sie weiß, weiß ich durch Berichte, die sie selbst gegeben hat, aus Interviews und Berichten von Freunden. Erv Polster, bei dem ich gelernt habe, hatte mich sehr neugierig auf sie gemacht. Immer wenn er von ihr und von seinem Lernen in ihrem Institut in Cleveland sprach, bekam sein Mund so einen amüsanten Ausdruck. Er sprach sehr achtungsvoll und heiter von ihr, und ich dachte mir, eine Frau, von der solch ein Mann so nett spricht, muß ich kennenlernen. Ganz abgesehen von ihrem Beitrag zur Gestaltpsychotherapie, der Humanisierung der Gestalt. Das ist auch Lore Perls' Verdienst, das inzwischen bekanntgeworden ist.

Anderes ist weniger bekannt. "Meine Wildnis ist die Seele des anderen" ist gleichzeitig Lores Liebeserklärung an ihren guten Freund und Schüler, Paul Goodman. Für ihn waren nämlich unsere Straßen die "Wildnis", und Lore Perls hat in Analogie zu seinem Denken die Seele zu ihrer Wildnis erklärt, wo sie abenteuern und explorieren konnte, soviel sie wollte, und ihre häuslichen Pflichten hat sie immer nebenbei erledigt.

Eine ideale Kombination. Aber sie war auch widersprüchlich, denn sie sagte: "Therapie kann man lernen, nicht lehren." Das war ihre Überzeugung. Trotzdem bildete sie über vier Jahrzehnte Therapeuten heran. Gemeinsam mit ihrem Mann, Fritz Perls, entwickelte und erprobte sie ein neues, psychodynamisches System existentieller Psychotherapie. Gemeinsam mit ihm, und dennoch blieb sie hinter den Kulissen. In den fünfundzwanzig Jahren ihrer Zusammenarbeit reiften Inhalt und Form der Gestalttherapie, die sich zunächst als Revision der Freudschen Widerstandstheorie verstand, sich mit Beginn der fünfziger Jahre emanzipierte und unter einer Bezeichnung, die sie selber gar nicht unterstützte - Gestalttherapie - Weltgeltung erhielt. Wieso stand sie als Mitbegründerin der Methode so lange im Schatten ihres berühmten Mannes und eines berühmten Freundes?

Mittlerweile zeichnet sich der Beitrag, den sie für die Entwicklung geleistet hat, zusehends deutlicher ab. Und so verstehe ich auch meinen Vortrag, denn es gibt Dinge, die sieht man nicht auf den ersten Blick. Das war etwas Wesentliches an Lore. Erstens sah sie Dinge, die andere auf den ersten Blick nicht sehen, und zweitens verbarg sie sich vor dem sogenannten ersten Blick. Man mußte schon genauer hinschauen, um sie zu entdecken. Vielleicht ist das im Zusammenhang mit Miriam Polster besser zu verstehen, die sich in ihrem Buch "Evas Töchter, Frauen als heimliche Heldinnen" (EHP 1994) über den weiblichen Heroismus Gedanken gemacht hat: Es gibt ihn eigentlich nicht. Die Öffentlichkeit bevorzugt männliche Helden. Die weibliche Heldin ist auch kein Archetypus, also gibt es keine große gesellschaftliche Empfänglichkeit für eine Frau, die etwas Großes leistet. Und gerade die Generation von Lore Perls, das werden wir noch an ihrem Werdegang sehen, hatte wenig, wenn überhaupt Vorbilder dafür, in der Öffentlichkeit Leistung zu zeigen.

Längst hat sie von ihren Schülern und in der Öffentlichkeit den Platz erhalten, der ihr aufgrund ihrer Verdienste zusteht, fernab aller kleinlichen Rivalitätsüberlegungen. In der genialen Unordnung, welche die geistige Welt von Fritz Perls kennzeichnete, wurde sie durch ihre Stetigkeit, Klarheit und ihren Ordnungssinn zum unverzichtbaren Gegengewicht. - Lore, die Frau von Fritz Perls? Das Bild trügt. Ihr Selbstverständnis kam aus einer anderen Richtung. Der große Auftritt war nie ihre Sache. Der Brillanz des Augenblicks erlag sie nicht. Man begegnete ihr nicht erst, nachdem man heilige Hallen durchquert hatte. Sie bevorzugte das Unauffällige, die Arbeit im Kleinen, die Erforschung und den Aufbau des Verhaltens, Details. Ihre Arbeitsweise besaß die Vertrautheit des Alltäglichen und bot die Sicherheit verläßlicher Zuwendung und Freundschaft.

Als Fritz Perls zur Westküste ging, führte sie das New Yorker Gestaltinstitut weiter und prägte es in ihrem Sinne. Ihre Eigenständigkeit, sagt Jerry Kogan, ist für alle unübersehbar, die Lore und Fritz in ihrer Arbeit erlebt haben. Lore verfügte über eine unverwechselbare eigene Handschrift, und dazu bekannte sie sich Zeit ihres Lebens.

Ihre therapeutische Laufbahn begann bei der Psychoanalyse. Den Anstoß, sich damit zu befassen, erhielt sie aus Gesprächen, die Fritz mit einem Freund führte, der sich wie er in einer Lehranalyse befand. Die Fachsimpeleien der beiden weckten in ihr den Wunsch, mehr davon zu verstehen. Mit einundzwanzig Jahren war sie Fritz in einer Vorlesung von Professor Gelb an der Frankfurter Universität begegnet. Schlagartig erlag sie der Faszination, die er auf Menschen ausübte, die näher mit ihm in Berührung kamen. Die lerneifrige Studentin aus der Kleinstadt Pforzheim, Tochter begüterter und hochgebildeter jüdischer Eltern, verliebte sich in den Mann von Welt. Das Jurastudium, das sie auf Anraten einer gestandenen Frauenrechtlerin aufgenommen hatte, gab sie auf, als sie entdeckte, daß sie sich eigentlich nur für die psychologischen Aspekte der Juristerei interessierte, und wendete sich dem Studium der Psychologie zu.

Männer mit legendärem Ruf lehrten zu jener Zeit in Frankfurt; Gelb, Goldstein, Wertheimer, beschäftigt mit der aufblühenden Gestalttheorie, Martin Buber und Paul Tillich, bei denen sie Existenzphilosophie hörte. Sie wußte das Glück zu schätzen, in einer geistig ungemein anregenden Atmosphäre zu studieren. Ihr Interesse für Gestalttheorie wurde geweckt. Wertheimer, dessen Lebenseinstellung mehr die eines Künstlers als eines trockenen Wissenschaftlers war und ihrer eigenen künstlerisch gefärbten Intellektualität entsprach, war ihr Favorit.

Von der Spannung, welche die Vorbereitungen zur Veröffentlichung seines Buches, "Produktives Denken", begleitete, ließ sie sich einfangen. Ihre Lehrtherapeuten teilte sie mit Fritz. Erst war sie bei Clara Happel, dann bei Karl Landauer. Aber Gestalttheorie und Psychoanalyse galten als unverträglich. Lore geriet zwischen die Fronten von Gestaltschule und Psychoanalyse, an denen heftige Kontroversen, wissenschaftliche und persönliche, ausgetragen wurden. Die damals mehr phänomenologisch ausgerichteten Psychoanalytiker hielten nicht viel vom experimentellen Vorgehen im psychologischen Laboratorium. Wahrscheinlich kam Lore bereits damals die in den Kontroversen behauptete Unvereinbarkeit von Psychodynamik, Phänomenologie und Experiment verdächtig vor.

Zweieinhalb Jahre später behandelte sie in Berlin die ersten eigenen Patienten in ihrer soeben eröffneten Praxis. Als Kontrollanalytiker wählte sie Otto Fenichel, bei dem sie etwas Entscheidendes lernte: sich auf sich selbst zu besinnen. Fenichel erreichte das durch strikte Zurückhaltung von Kritik und Anregung. Lore, die sich von einer Kontrollanalyse etwas anderes versprochen hatte, meinte: "Von seinem Buch konnte ich mehr aufnehmen als von ihm persönlich." Seine orthodoxe Zurückhaltung war ihr manchmal unverständlich; es gab Momente, in denen sie dazu neigte, die Stunden für vertane Zeit und Geldverschwendung zu halten. Aber unfreiwillig zog sie daraus den Gewinn stärkerer Eigenständigkeit. Sie begann, ihrer eigenen Erfahrung und ihrer persönlichen Urteilskraft mehr zu vertrauen.

Gestalttheorie, Psychoanalyse und Integration von Erfahrungen prägten ihr wissenschaftliches Denken. Was sie an künstlerischer Veranlagung mitbrachte - sie spielte seit ihrem sechsten Lebensjahr Klavier und liebte den Tanz -, vervollkommnete sie zu einem therapeutischen Verständnis von Körper und Bewegung. In dieser Hinsicht verdankt sie Elsa Grindlers Bewegungstherapie und Alexanders Körperarbeit vieles, was später unverzichtbarer Bestandteil der Gestalttherapie wurde. Die Erfahrungen, die sie bei diesen großen Lehrern machte, waren von praktischem Wert für ihren Umgang mit Patienten und führten zu der Entdeckung, daß sich mit ihnen mehr machen läßt als zuhören und interpretieren.

Der vielversprechende Anfang in Berlin fand 1932 einen jähen Abbruch. Lore hatte 1930 geheiratet, ihr erstes Kind bekommen und nach kurzer Unterbrechung ihre Dissertation über visuelle Wahrnehmung bei Wertheimer beendet. Beruflich und privat stand alles bestens. Doch die politische Lage machte das Leben von Psychoanalytikern in Deutschland gefährlich. Fritz stand auf der schwarzen Liste der Nazis. Das Paar zog es vor, Deutschland rechtzeitig zu verlassen und entschied sich nach einigen Monaten Zwischenstation in Amsterdam zur Emigration nach Südafrika. Wie für viele andere Psychoanalytiker, die ihre Heimat verlassen mußten, setzte sich Ernest Jones auch für sie ein. Jones kümmerte sich rührend um alle Leute, die in Amsterdam gelandet waren, um sie in die Welt hinaus zu verteilen. Es gab eine Art Kontingentierung, wer in welches Land sozusagen "psychoanalytisch delegiert" wurde. Und weil die guten Posten in Amerika, Südamerika und so weiter schon alle weg waren, blieb Südafrika, das war gar nicht die Wahl der Perls'. Sie konnten nach Südafrika, es war ihr Kontin(g)ent - und Lore konnte kein Wort Englisch.

Johannesburg wurde zur Wahlheimat der kommenden fünfzehn Jahre. Gemeinsam eröffneten die Perls eine Praxis - Lore zunächst mit dem besagten Handicap, kein Englisch zu sprechen - und zwei Jahre später das Psychoanalytische Institut, an dem sie Ausbildungen durchführten. Ihr Wunsch war ein ungestörtes Arbeitsfeld gewesen, und sie fanden, was sie gesucht hatten, überdies Sicherheit und Freiheit. Angesichts ihrer Unternehmungslust und der spärlichen Verbindungen mit Europa, unter denen auch der Kontakt zur Psychoanalytischen Gesellschaft litt, fiel ihnen das Experimentieren leicht: "Wir waren wirklich frei und konnten machen, was wir wollten." Ihre wissenschaftlichen Gedankengänge resultierten in einer Theorie vom oralen Widerstand, die, als Revision der Freudschen Auffassung gedacht, für beide unerwartet, auf dem Internationalen Psychoanalytischen Kongreß 1936 in Marienbad zum Eklat führte. Beide hatten sich mit den Folgen herumzuschlagen, die der Ausschluß aus der Psychoanalytischen Vereinigung ihnen aufzwang. Das Institut mußte geschlossen werden; sie gewannen aber den Vorteil, ohne weitere Vorschriften und Einschränkungen arbeiten zu können und auszuprobieren, was sie für besser hielten, sowie Begründungen für das zu suchen, was sie entdeckten. Die Ergebnisse fanden ihre ausführliche Formulierung in dem Buch "Ego, hunger and aggression", das sie gemeinsam erarbeiteten. Lore führte heiße Diskussionen mit Fritz, tippte, ermutigte und gab ihre klaren Einsichten dazu. Die Kapitel "Dummy complex" und "Insomnia" stammen ausschließlich von ihr. Fritz, der sich im schriftlichen Ausdruck schwertat, schätzte ihre Leichtigkeit beim Formulieren. Im übrigen bestand sie nicht darauf, an dem literarischen Erfolg des Buches, das 1942 erschien, teilzuhaben, den Ruhm ließ sie Fritz.

Zu dieser Zeit hatte Lore längst die Couch aus ihrer Praxis verbannt. Hinter dem Patienten sitzend, hörte sie aufmerksam zu und - strickte, um sich vom Rauchen abzuhalten. Der Anforderung von drei Seiten - Familie, die um zwei Kinder gewachsen war, Praxis und ein Lebenspartner von außergewöhnlicher Lebhaftigkeit - wurde sie gerecht, denn sie war gewohnt, daß Dinge ihr glatt von der Hand gingen, wenn sie zupackte. In der engen Zusammenarbeit mit Fritz wurde ihr langsam klar, wie sehr sich ihr persönlicher Arbeitsstil von seinem abhob, obwohl beide von denselben theoretischen Begriffen ausgingen. Die letzten Jahre in Johannesburg, als Fritz schon in New York war und sie seine Praxis übernommen hatte, gaben ihr dann Gelegenheit, auf ihren eigenen Kurs zu gehen, der ihrer entgegenkommenden Art, ihrer Geduld und ihrer Fähigkeit, auf den richtigen Moment zu warten, mehr Raum gewährte.

Ihre Eigenständigkeit wurde ihr lieb, und sie behauptete sich, als Fritz 1951 ihre Mitarbeit im neugegründeten Gestaltinstitut in New York wünschte: "Das ist dein Baby, ich will damit nichts zu tun haben", lautete ihre Ablehnung, und sie blieb bei der Arbeit mit ihren Patienten. Ihre Stetigkeit, die ihr im Zusammenleben mit Fritz schon oft zugutegekommen war, bewährte sich erneut, als Fritz sich auf den Weg zur Westküste machte, um im Esalen Institut in Big Sur zu bleiben. Ihr Gestaltbaby saß derweilen sozusagen auf ihren Knien und verlangte, in gewissenhafte Obhut genommen zu werden.

In dieser Zeit gewinnt Lore auch nach außen ihre professionelle Identität. Fünfundzwanzig Jahre lang hatte sie in engster geistiger Verbindung mit ihrem Mann gelebt, geplant und experimentiert. Nun steht sie auf eigenen Füßen. Die getrennte Praxis von Lore und Fritz läßt die stilistischen Unterschiede wachsen. Fritz, beeinflußt von seinen Theatererfahrungen, ist direktiv. Er bevorzugt die Kontrolle der Situation und bleibt die dominante Persönlichkeit, die er auch im Privatleben ist. Lore dagegen entfaltet ihre Permissivität, die Vertrauen ohne Unterordnung schafft und die Integrität der Selbstwahrnehmung des Patienten achtet. Mit erstaunlicher Selbstdisziplin prägt sie ihre persönlichen Stärken zu einer therapeutischen Haltung.

Therapie versteht sie als den Weg vom Fremdsupport, der Stütze von außen, zum Selbstsupport, der Unabhängigkeit von fremder Hilfe. Die Aufgabe der Therapie sieht sie in der Herstellung einer existentiellen mitmenschlichen Beziehung zwischen dem Therapeuten und seinem Patienten, in der Nacherziehung und Umerziehung stattfindet.

Hauptstütze dieser therapeutisch ergänzenden "Pädagogik" ist der direkte und vorbehaltlose Kontakt zum Therapeuten, weil durch ihn der Kontakt des Patienten zu sich selbst erleichtert wird. Selbstsupport ist wichtig für die fortlaufende Gestaltbildung. Folgerichtig gibt Lore der therapeutischen Situation mehr Natürlichkeit: "Ich habe fünfzehn Jahre lang Analysen durchgeführt und weiß, was es heißt, ohne die Stütze des Kontakts zu sein. Der Patient bleibt ohne Selbstsupport, erinnert sich mehr und mehr, bekommt Interpretationen, die er entweder glaubt oder nicht. Ich saß hinter dem Patienten, er blickte zur Wand. Wie sollte da ein Dialog aufkommen?" Also setzt sie sich dem Patienten gegenüber und wird für ihn Person. Das Kontakt/-Support-Konzept rückt ins Zentrum. Zu seiner Orientierung darf der Patient sich auf den Raum, die Zeit und seine Mitmenschen beziehen, das allein gibt schon Stütze. Ihm wird wirklich zugehört, er wird wörtlich genommen, und anstatt analysiert zu werden, erhält er Hilfen, die richtigen Ausdrücke, die passenden Bewegungen, eine gelockerte Körperhaltung zu finden, mit der er sich stark genug vorkommt, um die Grenzerfahrung einzugehen. Mit ernsten Vorbehalten notiert Lore die Fixierung mancher Therapeuten in konfrontativem Vorgehen. Für sie hat übermäßige Konfrontation antitherapeutischen Stellenwert: "Das sind Leute, die den Zusammenbruch suchen, nicht den kalkulierbaren Durchbruch. Einfach zu durchbrechen, womit jemand sich schützt, ist kurzsichtig." Folgerichtig schont sie den Rest an Selbstsupport, den der Patient mitbringt, einschließlich seiner Widerstände. Ihre Begründung: "Eine neue Stütze findet man nicht sofort", und: "Das Fehlen des wesentlichen Support führt immer in die Angst."

Ihre Art, Gestalttherapie auszuüben, beruht auf einer Reihe klarer und einfacher Grundsätze - was nicht heißt, sie wären einfach zu finden gewesen. Wie alles Einfache - und Wahre - forderten sie viele Jahre disziplinierter Reflexion: nicht überfordern, an der subjektiven Wahrnehmung des Patienten bleiben, ihn da abholen, wo er sich innerlich befindet, ihn die eigenen Grenzen erleben und die Dynamik seiner Grenzziehung durchsichtig werden lassen. Menschen ohne klare Grenzen sind für Introjektion und Projektion offen und erkennen nicht mehr, wer sie selbst sind und wer der andere ist, sie haben das Gespür für das verloren, was in ihrem Leben wirklich wichtig ist.

Wer mit Lore gearbeitet hat, weiß um ihre Fähigkeit, sich Kummer wirklich angehen zu lassen, ohne ihn zu ihrem eigenen Kummer zu machen, sich mitzufreuen und mit aufzuregen; alle konnten sie als Freundin kennenlernen, die manchmal amüsiert, manchmal neugierig und gelegentlich betroffen war, die jedoch genügend Distanz zum Geschehen hatte, so daß ihre Einfälle zur Erprobung des Neuen niemals versiegten. Die Einfachheit ihrer professionellen Grundsätze hat gelegentlich dazu verführt, sie zur Weltanschauung und zu Patentrezepten zu versimpeln - ein Mißverständnis, das Lore stets dazu herausforderte, die Betreffenden mit ihrer fehlerhaften intellektuellen Verdauung zu konfrontieren.

Domäne ihrer therapeutischen Arbeit war die Gründlichkeit im Detail. Fern von allem Kulthaften und Quasireligiösen, das - zu Lores Leidwesen - oft in Verbindung mit Gestalttherapie auftritt und sogar damit verwechselt wurde, betrieb sie eine Therapie von Eleganz, gepaart mit Nüchternheit; eine Kleinarbeit, die als gelungene Synthese von Phänomenologie, genauem Hinsehen, Psychodynamik, dem Erfahren der Tiefe und dem Experiment, das in der geplanten Verhaltensvariation besteht, anzusehen ist. Schrittweise spürte sie Blockierungen auf und brachte sie in den Vordergrund der Awareness durch Übertreibung einer der darin verwickelten Polaritäten, um von da aus Experimente in verschiedene Richtungen zu entwickeln. Das Experiment befreit die Dynamik, und umgekehrt trägt die Dynamik das Experimentieren, bis das volle Kontakterlebnis sich einstellt.

Für die Ausbildung dreier Generationen von Gestalttherapeuten zeichnet sie verantwortlich. Viele ihrer Schüler haben sich über die USA hinaus einen Namen gemacht: Paul Weiss, Isadore From, Erv und Miriam Polster, Jim Simkin, Edward Rosenfeld, Joseph Zinker und andere. In der Festzeitschrift für Lore Perls, die das "Gestalt Journal" herausgegeben hat, äußern sich viele, die bei ihr gelernt haben, mit einer Herzlichkeit, die Lore verdient hat. Bei ihr fanden sie eine durchgängige Akzeptanz, die besonders dann spürbar wurde, wenn sie sich selbst nicht im besten Zustand befanden. "Auf einen Therapeuten muß man sich verlassen können," sagte Lore und meinte damit professionelle Verläßlichkeit durch persönliche Stärke und durch Behutsamkeit.

1976 gab sie ihre Privatpraxis auf und widmete sich ausschließlich der Ausbildung. Drei Monate im Jahr ging sie auf Reisen, um Einführungen in die Gestalttherapie zu geben. In die Ausarbeitung eines Curriculums für das New Yorker Gestaltinstitut investierte sie viel Zeit und Kraft, um sicherzustellen, daß die Entwicklung therapeutischer Persönlichkeiten den Vorrang vor der Beherrschung oder gar Imitation von Techniken erlangt. Der Name Gestalttherapie sollte zu einer Garantie werden, daß dem Patienten nichts angetan wird, was er nicht will und nicht versteht. Ein überzeugenderes Bekenntnis zum Humanen läßt sich schwer denken. Überzeugend auch ihr Kampf gegen die "undifferenciated acceptance", jene Verflachung, die gleichermaßen der Psychoanalyse widerfuhr, als sie populär zu werden begann. Enschiedene Gegnerin von Beweihräucherung und Schlagworten, versuchte sie der "undiscriminated greediness", die sie in Deutschland lange Zeit gegenüber allem, was aus den USA kam, am Werk sah, beizukommen durch Seminare, Vorträge und erfreulicherweise auch wieder durch Veröffentlichungen.

Warum tritt Lore Perls nach allem, was sie für die Entwicklung der Gestalttherapie geleistet hat, mit solcher Verspätung in den Vordergrund? Zwei Anhaltspunkte lassen sich anführen: Einerseits wurde der Ansatz erst durch Fritz Perls seit 1954 an der Westküste weiteren Kreisen bekannt. Er erhielt den Rang des Vaters der Gestalttherapie, während Lore in New York außerhalb des Hauptstromes der Human-Potential-Bewegung weiterarbeitete, die in Kalifornien ihren Anfang genommen hatte. Andererseits mag die geringe Zahl ihrer Publikationen dazu beigetragen haben. Von dem, was sie in ihren Berufsjahren geschrieben hat, veröffentlichte sie leider nur wenig. Ihre private Praxis und später die Betreuung der Ausbildung am Institut in New York, dann auch am Institut in Cleveland, nahmen ihre gesamte Leistungskraft in Anspruch. Vermutlich ließ die Nüchternheit der Menschen an der Ostküste keine vergleichbare Bewegung zu. Heute, nachdem sich die Begeisterungswogen allmählich glätten und die Aufmerksamkeit mehr auf das Studium der Methode als auf die durch sie kreierbaren Erlebnisse gerichtet ist, kann sie der fachlichen Öffentlichkeit nicht länger entgehen.

Auf der Konferenz für Gestalttherapie in Boston im Mai 1980 wurde sie als die Grand Old Lady gefeiert. Wenn ich den Auftrag gehabt hätte, dort eine Festrede zu halten, wären vier Gesichtspunkte für mich von zentraler Bedeutung gewesen: Lores souveräne geistige Haltung, ihr Umgang mit der Theorie, ihr Verhältnis zur Sprache und zum Sprechen und ihr stilles Engagement.

Theorie war für sie nicht mehr als eine Arbeitshypothese, die sie beibehielt, solange sie ihr von Nutzen schien. Trotz profunder Theoriekenntnis hat sie es immer verstanden, sich ein Feld für schöpferische Betrachtung offenzuhalten. Theorie wurde ihr niemals zum Korsett, dennoch besaß ihre Betrachtung stets Methode. Dem Theoriefan begegnete sie mit dem Dichterwort Goethes: "Grau ist alle Theorie und grün des Lebens goldner Baum."

Sie meinte, auch diese Idee sollte Teil der Theorie werden. Sie hatte sich im Verdacht, daß sie dann am besten sei, wenn sie gar nicht merkte, daß sie theoretisierte. Sie interessierte sich weniger für die Reflexion dessen, was sie gerade tat, sie war völlig in Anspruch genommen, zum Beispiel vom Wertesystem eines Klienten. Das nahm sie unter die Lupe. Und dann wurde sie vielleicht besinnlich und fragte: "Was geschieht in Resonanz auf mein Wertesystem als Therapeutin?" So sah sie Theorie.

Ein Seminarteilnehmer: "Sie spricht so von Theorie, daß ich beginne, mich dafür zu begeistern. Nie hätte ich gedacht, daß reine Theorie spannend sein könnte."

Ihre Liebe zur Sprache brachte sie in eine enge Verbindung zum gesprochenen Wort. Der Fokus der Gestalttherapie auf die Wortwahl des Patienten zur Entdeckung von Sprachpathologie geht auf die Anregung von Lore zurück. Ihren sprachlichen Schwerpunkt sah sie allerdings im Schriftlichen. Sie sagte von sich, sie habe immer besser geschrieben als gesprochen. Sie schrieb viel, das ist den meisten nicht bekannt; sie hat ein Leben lang Gedichte und kleine Geschichten geschrieben, und es existierte ein sogenanntes Köfferchen, das sie immer bei sich hatte und nie jemandem öffnete. Dieses Köfferchen hat ihre Tochter Renate nach Lores Tod bei Anna und Milan Sreckovic deponiert; es ist voll mit kleinen Erzählungen. Vielleicht lernen wir sie noch einmal kennen. Lore benutzte jedes Wort ästhetisch, und sie benutzte die Sprache nicht als Vorteil, sondern als Ermöglichung von Ausdruck.

Dem Zuhörer fiel indessen die Präzision auf, mit der sie charakteristische Ausdrücke, Sprichwörter oder treffende Metaphern fand. Persönlich kostbar war mir, als ich Teilnehmerin ihrer Seminare war, ihr abgerundetes Deutsch, das in der Emigration seine Frische und Prägnanz bewahrt hatte. Sie gehörte zu den Menschen, die es verstehen, Sprache gewaltlos zu gebrauchen und die tödliche Klarheit des Wortes zu vermeiden, welche Lebendigkeit absorbiert. Sie beherrschte die Kunst, Gefühle durch Besprechen nicht zu töten, sondern erst recht aufkommen zu lassen. Selbst ihre Pausen sprachen.

Ihr stilles Engagement zielte auf Klärung und Abgrenzung des Vorhandenen und des Erreichbaren, nicht auf Revolution. Unter diesem Blickwinkel wird ihre These: "Therapie ist per se eine politische Aktivität" verständlich: "Das ist Arbeit am Menschen, die Autonomie wiederherstellt oder zum ersten Mal entstehen läßt." Kritisch sah sie die Verflachung des Gesundheitsbegriffs, der Leiden und die Nähe des Todes ausblendet, ebenso kritisch die Stigmatisierung des psychisch Gestörten, wenn das gesamte System der Behandlung bedarf. Sie zog Parallelen zur Auffassung ihres Schülers und Freundes Paul Goodman, des Wegbereiters der Gegenkultur. So wie er die Straße zu seiner Wildnis machte, wurde Lore die Seele des anderen zu ihrer Wildnis.

Ihre Sorge galt dem Durcheinander im Feld der Gestalttherapie: Ein grauer Markt zweifelhaft ausgebildeter Therapeuten benutzt Gestaltmethoden, ohne sich im klaren zu sein, welche Wirkungen sie auslösen können. Die Weiterentwicklung der theoretischen Grundlagen rückt in den USA in die Nähe der Stagnation, falls die geistigen Bindungen zur europäischen Phänomenologie nicht erneuert werden. Die Vielfalt der persönlichen Arbeitsstile von Gestalttherapeuten, von Happenings bis zu existentiell und technisch gut fundiertem Vorgehen, macht eine Abstimmung der "growing edges" des Gestaltansatzes schwer. Der Überblick droht verlorenzugehen. Mißverständnisse machen sich breit, wenn Gestaltelemente aus dem Ansatz herausgelöst werden und, anderen Methoden angestückt, ihren Dienst tun sollen. Lore fürchtete um den Kern der Gestalttherapie, der vor allem die vom Existentialismus geprägte Haltung zum Menschen ist, denn ohne diese existentielle Basis verlieren die durchschlagenden Techniken ihren Sinn. Ihre Arbeit der letzten Jahre war von dieser Sorge bestimmt. Ihrem Ziel, den tragfähigen Bestand zu erhalten und zu verbreiten, hoffte sie mit ihren bewährten Waffen: Zähigkeit, Klarheit, Geduld und Mut näherzukommen.

Und sie tat sehr viel, sie führte eine Unmenge von Seminaren noch in ihrem höheren Alter durch. Sie führte sehr viele Gespräche und erklärte sich bereit zu Interviews. Und sie ergab sich schließlich dem Drängen der Deutschen Vereinigung für Gestalttherapie (DVG), nach einer Inkubationszeit von mütterlichen neun Monaten, die Ehrenmitgliedschaft anzunehmen.

Das letzte Große, was sie leistete, ist ihr Buch "Leben an der Grenze" (Köln 1989), das allerdings ohne Anna und Milan Sreckovic nie erschienen wäre. Lore scheute es, so sichtbar zu werden, aber es gelang, und so lagen noch vor ihrem Tod - sie starb am 13. Juli 1990 - ausgewählte und von ihr redigierte Schriften vor, die ihren Anteil an der Entwicklung und ihre Rolle in der Geschichte der Gestalttherapie dokumentieren.

Ich bin jetzt selbst in einem Alter, wo man sich mit dem Alter beschäftigt. Also dachte ich, schau mal, was Lore zum Alter zu sagen hat. Sie bemerkte interessanterweise einmal: "Ich war immer eine Frau mittleren Alters - bis ich fünfundsiebzig wurde, da war ich plötzlich alt. Ich behielt nicht mehr, ich konnte nicht mehr richtig lernen, ich konnte nichts Neues aufnehmen, und ich hatte nicht die geistige Kraft, die ich von früher kannte. Und deswegen tue ich etwas, was mich..." - sie nannte es: "it keeps me going" - "...was mich in Bewegung hält, ich arbeite viel mit der Jugend; dann strömt etwas auf mich zurück."

Aber eigentlich hatte sie das Thema Alter und Tod schon als junge Frau für sich geklärt, und dazu gibt es auch eine Geschichte. Lore wurde sich der eigenen Sterblichkeit bewußt, was, wie wir ja wissen, ein Hauptmedikament gegen die Angst ist, die Sterblichkeit zu akzeptieren. Sie wurde sich dessen bewußt, als sie vierundzwanzig war. Sie ging zu der Beerdigung eines Freundes, der plötzlich gestorben war. Nur zwei Jahre älter als sie, an irgendeiner Infektion, ein scheinbar völlig sinnloser Tod. Zu dieser Zeit gab es kein Penicillin oder etwas ähnliches, und es war unglaublich schockierend für sie. Als sie aber vom Friedhof kam, sah sie alles schön und heiter, sie fühlte sich energiegeladen und bemerkte - und dies ist ihr Zitat: "Ich konnte mir dies nicht erklären, und ich erzählte es am folgenden Tag meinem Analytiker. Ich sagte über die Zeit, als mich diese Erfahrung traf, wenn wir uns der Tatsache, daß wir sterben müssen, nicht bewußt sind, würden wir ja leben wie die Tiere. So sind die Würze und der Hang zum Erschaffen beim menschlichen Wesen mit dem Bewußtsein verbunden, daß wir vergänglich sind." Sie erzählte ihm noch einiges, und darauf gab es eine große Pause. Dann sagte der Analytiker: "Frau Perls, Ihre Analyse ist beendet."

Unabhängig vom Alter aber sind Lores Rolle als Frau und ihr Verhältnis zur Öffentlichkeit eine besondere Geschichte - heiße Themen des Feminismus. Die Frau in der Öffentlichkeit, der Widerstand gegen Frauen in der Öffentlichkeit - ich denke, da ist sie in der Tradition geblieben. Ich finde das traurig, denn so ist etwas Geniales, was sie besaß, im Dunkel geblieben, und das finde ich schade. Es hat sie vor der Erprobung, vor der echten Prüfung bewahrt; man mag es bedauern so wie ich, aber für sie war es Lebensnotwendigkeit. Sie mußte in vielem verfügbar sein, wie das nunmal Frauenlos ist: unspezifisch verfügbar sein. Sie mußte kontinuierlich sein, wie das auch Frauenlos ist - alleinzubleiben und die Dinge selbst zu erledigen. Sie mußte vielseitig sein. Ein Beispiel für ihre unspektakuläre Verfügbarkeit, Kontinuität und Selbständigkeit war, daß Fritz noch lange, wenn er zu ihr nach New York kam, alles mitbrachte, was nicht in Ordnung war: seine Korrespondenzen, seine Wäsche, die abgerissenen Knöpfe ... - Lore machte alles ordentlich. Und schließlich die Bescheidenheit. Soviel zum Feminismus.

Zu allerletzt möchte ich etwas über ihre Versöhnungsbereitschaft sagen. Sie hatte wirklich eine ganz besondere persönliche Geschichte mit Fritz; und sie hatte ein unglaublich schweres, zeitgeschichtlich bedingtes Schicksal mit ihrer Familie. Sie hat das aus Höflichkeit und Versöhnlichkeit Deutschen gegenüber fast nie gesagt. Ihre Schwester wurde in Theresienstadt ermordet und ihre Mutter auch. Und sie hat sich mit Deutschland versöhnt. Ich finde, die Stadt Pforzheim hat etwas sehr Passendes und Angemessenes gemacht: Es gibt dort einen Grabstein mit tausenden von Namen aller ermordeten jüdischen Mitbürger der Stadt. Das gibt es nur einmal in Deutschland. Und sie versöhnte sich damit.

Ich bin noch im Mai ihres Todesjahres in New York gewesen und habe oft versucht, sie anzurufen, aber niemand nahm ab; ihre Tochter konnte ich auch nicht erreichen, und ich dachte mir, irgendetwas ist passiert. Ich erfuhr dann später durch Milan Sreckovic, daß sie im Krankenhaus lag, schwer krank, und sie wurde nach mehreren Wochen entlassen. Und was tut sie? Sie kommt nach Deutschland, sie reemigriert. Sie möchte ihr Alter im Nordschwarzwald verbringen, und sie fährt nicht allein. Die Urne von Fritz hat sie auf dem Schoß, als sie im Flugzeug sitzt. Sie hat nicht mehr lange hier gelebt, sie war des Lebens wirklich müde. Sie sah nicht mehr richtig, sie hörte nicht mehr gut, und sie war viel einsam; es waren ja eigentlich alle weggestorben. Und ihre Freunde und Freundschaften gehörten zur nächsten oder übernächsten Generation. So sehr wir alle gewünscht hätten, daß sie ewig lebt, sie selbst wünschte es scheinbar nicht. So gibt es ein gemeinsames Grab für Fritz und Lore Perls in Pforzheim.

Zuletzt möchte ich zitieren, was in ihrer Todesanzeige stand; es sind ihre eigenen Worte:

"Die unablässigsten und selbstlosesten Dienste und Opfer bleiben nicht nur unbezahlt und unbelohnt, sondern müssen für selbstverständlich gehalten werden. Nur begrenzte Arbeit oder begrenztes Gut kann mit einem begrenzten Geldbetrag bezahlt werden. Nur der begrenzte Dienst oder die begrenzte Anstrengung können mit einer Ehrung belohnt werden. Die grenzenlose Hingabe eines Elternteils oder das lebenslange Sich-einer-Sache-Widmen kann nicht bezahlt oder belohnt werden. Es kann nur angenommen werden und bedarf nicht einmal der Anerkennung. Seine Belohnung besteht in der aktuellen Handlung, in dem Gefühl, die soziale Ausgewogenheit in einem wechselhaften Prozeß wiederherzustellen."

(Laura Perls, Psychologie des Gebens und Nehmens, in: Leben an der Grenze, Köln: EHP 1989, S.51f)

 

Praxisadressen von Gestalttherapeuten/-innen

Kristine Schneider (1935 - 2001)

Dr. Kristine Schneider (1935 - 2001)

Fachpsychologin für Klinische Psychologie und Psychotherapeutin, Mutter von vier Kindern und fast 30 Jahre in privater Praxis in Köln tätig. Begründerin und Leiterin des Instituts »AGA - Angewandte Gestaltanalyse«. Dozentin und Ausbildungstherapeutin an verschiedenen Ausbildungsinstituten für Gestalttherapie, dem Fritz Perls Institut, dem Institut für Gestalttherapie Würzburg und dem Gestalt-Institut Köln/GIK Bildungswerkstatt. Langjährige Lehrtätigkeit in Ericksonscher Hypnose am Milton Erickson Institut Köln.

Vortragstätigkeit, Radiobeiträge, Artikel in Fachzeitschriften und Buchveröffentlichungen, darunter: »Grenzerlebnisse. Zur Praxis der Gestalttherapie« (Edition Humanistische Psychologie), sowie zwei Bücher zusammen mit Jorgos Canacakis: »Neue Wege zum heilsamen Umgang mit Krebs. Angebote für Betroffene und Helfer« (Kreuz Verlag) und »Heilsamer Umgang mit Schwinungen: Gongklänge« (Walter Verlag)

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