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Heini Herzig

Gestalttherapie im Internet

Aus der Gestaltkritik

Gestaltkritik - Die Zeitschrift mit Programm aus dem Gestalt-Institut Köln
Gestaltkritik (Internet): ISSN 1615-1712

Themenschwerpunkte:

Gestaltkritk verbindet die Ankündigung unseres aktuellen Veranstaltungs- und Weiterbildungsprogramms mit dem Abdruck von Originalbeiträgen: Texte aus unseren "Werkstätten" und denen unserer Freunde.

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 Praxisadressen von Gestalttherapeuten/-innen

 Hier folgt der Abdruck eines Beitrages aus der Gestaltkritik (Heft 1-1999):

Heini Herzig
Gestalttherapie im Internet

Die beiden folgenden Beiträge erschienen zuerst in der Zeitschrift GESTALT des "Schweizer Vereins für Gestalttherapie und Integrative Therapie (SVG)". GESTALT erscheint alle 4 Monate (ca 70 Seiten A4) und bringt neben Informationen zum SVG Texte zu Gestalttherapie und Integrativen Therapie.
Kontaktanschrift: Sekretariat SVG, Postfach 265, CH-8049 Zürich.
Heini Herzig ist seit der Gründung Anfang der 80er-Jahre aktiv dabei und gibt zusammen mit Karin Jochens die Zeitschrift GESTALT heraus. Er arbeitet als Gestalttherapeut am Stadtrand von Zürich in eigener Praxis.
Für die freundliche Abdruckerlaubnis danken wir der Redaktion der Zeitschrift GESTALT und dem Autor herzlich.
Der Herausgeber

 

Teil I (aus GESTALT 30 / 1997)

Das World Wide Web, der wohl bekannteste Teil des Internets, besteht aus Abermillionen von digitalen Dokumenten, welche mittels Glasfaserkabeln oder Kupferdrähten miteinander verbunden sind. Wer sich mit Hilfe von Computer, Modem und Telefonleitung ins System einklinkt, kann mit all diesen Bildern, Texten und Tönen Kontakt aufnehmen.

Wie aber finden wir solche zum Thema Gestalttherapie?

Erste Möglichkeit ist die Anfrage bei einer Art digitalem Stichwörterverzeichnis, einer Suchmaschine, wie sie in vielen Varianten im zu finden ist, Für die Schweiz meldet sie uns 28 Websites zum Thema Gestalttherapie und verbindet uns nach Wunsch mit jeder einzelnen.

- Einige betreffen Buchhandlungen und stellen unter anderem neueste Veröffentlichungen zum Thema vor, Auch Bibliotheken melden Neueingänge unter dem Stichwort Gestalttherapie. Die Schweizerische Alkoholfachstelle führt unter ihrem Literaturverzeichnis einige Gestalttherapeuten.

- Ein, Leserbrief im Tages-Anzeiger zum Thema Wilhelm Reich nimmt anscheinend Bezug zur Gestalttherapie auf.

- Eher skurril der Verweis auf die VPM-nahen "Zeitfragen", wo nach der Werbung für die Initiative "Jugend ohne Drogen" gegen Schulreformen und Demokratisierung gewettert wird. Perls und Goodman werden als Verursacher alles Bösen denunziert und die "sog. Gestalttherapie habe" bewußten Abbau der Persönlichkeit und Auflösung von traditionellen, für ein zivilisiertes Zusammenleben unverzichtbaren Wertvorstellungen" zum Ziel. So gibt mir das WWW Gelegenheit, ganze Texte in diesem spezifischen Jargon lesen zu können, den ich bei meiner üblichen Lektüre nirgends antreffe.

- Neben der Alexanderhausklinik Davos bieten noch weitere Therapeuten in ihrem Fundus Gestalttherapie an. Noch ist der SVG nicht vertreten.

- Auch auf esoterischen Seiten taucht Gestalttherapie auf und sitzt 'im Kreis mit Aurasoma, Tantra und Kundalini-Massage.

Erweitern wir den Suchbereich auf die ganze Welt, begegnen wir den ersten Kommunikationsproblemen mit dem Computer, Für ihn ist Gestalttherapie etwas ganz anderes als Gestalt Therapy. Unter dem ersten Stichwort werden wir zu 800 Dokumenten - logischerweise alle aus dem deutschsprachigen Raum - geführt.

- Sehr präsent ist das Gestalt Institut Köln (GIK) mit seiner Zeitschrift "Gestaltkritik". Aus deren Archiv sind über hundert Seiten hochinteressante Artikel abrufbar (die meisten habe ich mir ausgedruckt und als Ferienlektüre mitgenommen). Vor allem beeindruckt haben mich Texte von Stephen Schoen aus seinem schmalen Bändchen: "Wenn Sonne und Mond Zweifel hätten, würden sie gleich erlöschen" Er nähert sich darin in Bildern, Parabeln und Reflexionen dem Wesen der Beziehung, dem Ich-Du Martin Bubers, und schafft dies ohne scholastische Ausführungen - etwa so, wie Alan Watts von Fritz Perls beschrieben wurde: "Selten hat jemand mit so viel Anmut und so umfassend über das Non-verbale gesprochen (im Garbage Pail)", Als Vorabdruck des in Erscheinen. begriffenen Romans

"Greenacre" können wir das Kapitel "Der Vogel singt wieder" lesen. Es handelt sich um das erste Gespräch zwischen einem Wehrdienstverweigerer in der Klinik und einem dazugekommenen Therapeuten - halb biographisch, halb Fiktion, wie ein Dialog zwischen adoleszenten und weisen Persönlichkeitsanteilen. Eindrücklich die mehrschichten Kontaktversuche, -aufnahmen, -verweigerungen. In einem ebenfalls abrufbaren Arbeitstext kommentiert Schoen anschließend den Dialog aus seiner therapeutischen Sicht.

- Ein besonderer Leckerbissen ist ein Interview aus den Sechzigern, worin Adelaide Bry versucht, Fritz Perls über Gestalttherapie auszufragen. Statt dessen wird sie selbst zur Protagonistin, erlebt (gegen ihren Willen) eine therapeutische Sitzung und weiß anschließend genau, wie Fritz arbeitet, ein treffliches Bild der schillernden Arbeitsweise unseres Gründervaters.

- Auch Lore Perls ist in einem sehr persönlichen Gespräch mit Daniel Rosenblatt präsent. Sie erzählt darin, wie sie Fritz kennengelernt hat und wie sich ihre anfängliche Beziehung entwickelt hat.

- James Simkin erzählt in einem fast nostalgischen persönlichen Dialog über Traumarbeit und illustriert seine Erfahrungen anhand des Traumes eines Patienten.

- Frank M. Staemmler reflektiert die gestalttherapeutische Haltung in der Polarität von Unsicherheit und Scheinsicherheit.

- Weitere Texte stammen aus der Feder (oder dem Keyboard) von Kristine Schneider, Stefan Blankertz, Shanti R. Strauch und anderen.

- Von der Zeitschrift "Gestalttherapie" des DVG stammt ein von Laura Perls herausgegebener Artikel von Fritz über "Planvolle Psychotherapie"- Texte der Art, die mich betroffen machen, obschon sie nicht total elaboriert und mit immensen Literaturangaben gestützt sind.

Wir stoßen auch auf die "Homepage" eines deutschen Gestalttherapeuten, der im Anschluß an seine persönlichen Informationen "Links" zu weiteren interessanten Seiten veröffentlicht: Internet-Adressen, die nur angeklickt werden müssen, um zu weiteren "Sites" mit ähnlichen Themen zu kommen - auch dies eine Möglichkeit, das "Web" in assoziativer Form zu nutzen. Ich werde diesen Links in der nächsten Zeit nachgehen und in GESTALT 31 von meinen Nachforschungen berichten.

Einige angeführte Web-Adressen:

http://www.gestalt.de/gestaltkritik.html

http://home.t-online.de/home/Michael.Moser/

http://www.gestalt.org/planned2.htm

http://www.policom.ch/cgi-bin/po/biblio.file

http://www.zeitfragen.ch/ARCHIV/ZF_36/TTI.HTM

http://www.schulforum.ch/2reform/wasist/wasist2.html

 

Teil 2 (aus GESTALT 31 / 1998)

Auf der Suche nach Gestalttherapie benutzen wir nun einen weltweiten Suchdienst wie "Alta Vista" oder ähnliches. Unter dem Stichwort "Gestalt Therapy" finden wir allerdings bereits über 10000 Seiten und die Auswahl von relevanten Texten wird zur Geduldsprobe. Besser beginnen wir bei einer uns bekannten Homepage - z.B. die "Gestalt Therapy Page". (Praktisch ist die Möglichkeit, bei jeder Änderung der Seite eine e-Mail zu erhalten, um auf dem Laufenden zu sein.)

Eben ist dort ein neuer illustrierter Text veröffentlicht worden: Fritz Perls hat für die 1969er Ausgabe von »Ego, Hunger und Aggression« eine biographische Einleitung geschrieben, so etwa im Stil des »Garbage Pail«. Nach jedem Lebensabschnitt folgt der unvermeidliche Status "Confusing", dazwischen kurz "I'm less confusing, I begin to see". Dieser kurze Text wurde bereichert durch Photos aus dem Leben von 'Fritz', beginnend mit Mutter und Schwester, endend kurz vor seinem Tod, anläßlich seines letzten Workshops, zusammen mit seiner Handpuppe 'Little Fritz'. Und diese Illustrationen sind erstaunlich: Mir scheint auf jedem Bild ein anderer Mensch dargestellt zu sein - der deutsche Intellektuelle, der distinguierte Psychoanalytiker, der südafrikanische Offizier, der Hippie in Esalen bis zum sanften Großvater. Das ganze vielleicht ein Hinweis darauf, daß Zitate und Aussagen sich auf einen bestimmten Lebensabschnitt beziehen und nur aus dem jeweiligen Kontext heraus zu verstehen sind. Jedenfalls lohnt es sich, Zeit für diesen Text zu nehmen.

Auch eine weitere Biographie ist erwähnenswert: Erving Polster beschreibt im Text "Stolen by Gypsies" auf ganz persönliche Weise seine Biographie und seinen Zugang zur Gestalttherapie. Ausgehend von Geschichten seiner Mutter über kleine Kinder, die von Zigeunern ihren Eltern geraubt wurden einfach aus Zuneigung, nicht zur Erpressung - und sich später auf der Suche nach ihrer Heimat machen (Geschichten, die das "Los der Kinder der Landstraße" umkehren) schildert er die Polarität von Vertrautheit und Reiz des Fremden, von CSSR und USA, Freud und Fritz und schließlich die Gestalttherapie als »gypsy home«.

Von Gary Yontef (und James Simkin) stammt eine 1981 geschriebene Einführung in die Gestalttherapie. Sie faßt in knapper, prägnanter Sprache zusammen, was wir heute unter ihrer klassischen amerikanischen Form verstehen und bietet eine gute Grundlage für Antworten auf die doch häufig gestellte Frage: "Was ist eigentlich Gestalttherapie?"

Von Arnold Beisser, einem frühen Schüler von Perls,stammt ein kurzer, einprägsamer Text zu Paradox der Veränderung "The Paradoxical Theory of Change" mit dem Kernsatz: "Veränderung geschieht, wenn jemand wird, was er ist, nicht wenn er versucht etwas zu werden, das er nicht ist." Schön , daß ebenfalls eine deutsche Übersetzung angeboten wird. Diese führt uns wieder zum Gestalt-Institut Köln, weiches diesen Text als einen Auszug aus dem Buch von Beisser "Wozu brauche ich Flügel?" veröffentlicht.

Ebenfalls auf der Homepage des GIK finden wir die Reaktionen auf ein hochinteressantes Projekt des Heftes "Gestalt-Kritik":

Frank M. Staemmler hat das Transkript einer Therapie-Sitzung (anonym) einigen Gestalttherapeuten zugeschickt mit der Bitte, aus ihrer Sicht den Prozeßverlauf und die Interventionen des Therapeuten zu kritisieren. Die darauf erhaltenen Antworten wurden publiziert und zeigen, wie verschieden im konkreten Fall die jeweilige Fragestellung erkannt und beantwortet wird, auch wenn durch das Fehlen von Körperhaltung, Stimmlage und anderen nonverbalen Kanälen nur ein Teil der Kommunikation übermittelt werden kann. Transkript, Beurteilungen und Reaktionen aus dem Leserkreis (u.a. auch von Hilarion Petzold) können kopiert und in aller Ruhe gelesen werden. Diese Aktion bringt mich natürlich auf den Gedanken, auch in unserer Zeitschrift ein ähnliches Experiment anzuregen:

Wir erhalten ein Transkript einer Therapiesitzung (ohne Namen der Beteiligten, aber mit deren Einverständnis) und veröffentlichen es in GESTALT. Anschliessend laden wir alle Leser ein, uns ihre Eindrücke, Gedanken und Interpretationen mitzuteilen.

Ich nehme an, daß dieses Vorgehen in weiten Bereichen fruchtbarer ist als eine theoretische Diskussion von Thesen.

Im März 1997 wurde im Rahmen des BOL - Behavior Online - ein Forum zur Gestalt-Therapie eröffnet. Angeregt und moderiert wird es von Brian O'Neill vom »Illawarra Gestalt Centre« in Ost-Australien (überhaupt sind die Australier online erstaunlich aktiv). Unterdessen sind auf diesen Seiten Dutzende von Anregungen, Antworten und provokanten Aussagen zu finden. Sie laden ein, auf Aussagen wie »Gestalt Theory Keeps Poor« zu reagieren oder ein »Organismic Haiku« zu lesen.

Erwähnenswert erscheint mir weiter unser Namensvetter GESTALT!, ein E-Journal mit Beiträgen und Bezügen zu Zeitschriften aus aller Welt - ohne jedoch unser GESTALT zu erwähnen. Hier müßte wohl noch Aufklärungsarbeit geleistet werden !

Dazwischen treffe ich den Ausschrieb des "Gestalt Therapy Center of Sedona and Flagstaff" zu einem Workshop mit dem Titel "Gestalt Therapy & Native American Healing Practices", zusammen mit Hopi- und Navajo-Heilern in den Bergen von Sedona - und nostalgische Erinnerungen kommen mir hoch. Die Lücke zwischen virtueller Realität und tatsächlichem Erleben ist eben noch nicht überwunden.

Einige angeführte Web-Adressen:

http://www.behavior.net/mhn/bolforum/message/23

http://rdz.stjohns.edu/~brownell/gestalt_bookmarks/

http://www.gestalt.org/index.htm

http://www.shef.ac.uk/~psysc/Gestalt/masthead/

http://www.gestalt.org/yontef.htm

http://www.gestalt.de/gestaltkritik.html

 

Wenn Sie gleich zu dieser Seite gekommen sind, ohne bisher unsere Homepage besucht zu haben, so sind sie herzlich dazu eingeladen:
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Gestalt-Institut Köln - GIK Bildungswerkstatt
Einrichtung der beruflichen Weiterbildung
Rurstr. 9 / Eingang Heimbacher Str.
D-50937 Köln (Nähe Uniklinik)
Tel. 0221 - 416163
Fax. 0221 - 447652
eMail: gik-gestalttherapie@gmx.de

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