


Erhard Doubrawa (Foto: Hagen
Willsch)Liebe Leserin, lieber Leser!
Mir kommt es manchmal so vor, als sei Fritz Perls inzwischen zu so etwas wie dem ungeliebten "Vater der Gestalttherapie" geworden. Umso mehr freue ich mich über das neue Buch von Bernd Bocian, das gerade in unserer Edition erschienen ist. Bocians Buch wirft ein neues Licht auf unseren "Vater" - keinen zynischen, anti-intellektuellen Guru, der den bösen amerikanischen Individualismus noch überboten hat, entwirft Bocian, sondern einen redlichen Intellektuellen, den die Erfahrung von Krieg, Nationalismus und Antisemitismus geprägt hat. Fritz Perls hat es sich zur Aufgabe gemacht, gegen diese Menschheitsgeißeln aufzubegehren. Die Gestalttherapie und sein ihr eingeimpfter Individualismus war für ihn ein Instrument, diese Aufgabe zu erfüllen. Dass Gestalttherapie trotz dieser Rehabilitierung weiterhin "mehr als Fritz Perls" ist, daran erinnert Hunter Beaumont.
Ich freue mich auch, dass wir in dieser Ausgabe der "Gestaltkritik" gleich zwei brandaktuelle Interviews mit den Altmeistern der Gestalttherapie in deutscher Erstübersetzung bringen können - Daniel Rosenblatt und Erving Polster. Den Interviews haben wir jeweils zwei ältere Texte der beiden hinzugestellt, die den kritisch-gesellschaftlichen Anspruch der Gestalttherapie und die Verbindungsmöglichkeit mit der konkreten therapeutischen Arbeit sehr schön praktisch illustrieren.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre und würde mich freuen, Sie möglichst bald in unserem Institut begrüßen zu dürfen.
Bis dahin
Herzlich Ihr
Erhard Doubrawa, Herausgeber
Link: Gestaltkritik. Die Zeitschrift für Gestalttherapie (aktuelle Ausgabe und Archiv)

